Unternehmensgeschichte der Karthäuser Brauerei Gebr. Balchem

 
Die Brauerei an der Severinsstraße 15 wurde von 1670 bis 1676 von Heinrich Deutz erbaut, einem Kölner Braumeister und Ratsmitglied. Das Haus war kein Neubau, vielmehr baute Heinrich Deutz den bestehenden Zweckbau einer Schmiede aufwendig im barocken Stil um (z.B. hatte es die markanten Giebel oder den Eingang mit Erker und Säulen vorher nicht gegeben). Heinrich Deutz führte das Brauhaus unter dem Namen „Zum goldenen Bär“.
In der Folgezeit wechselten die Besitzer häufig. Ab 1838 ist die Dokumentation wieder vollständig. Christian Decker erwarb das Gebäude von Magnus Baedorff und führte es bis 1855 als „Brauerei Mathias Decker“. Anschließend wurde es noch 4 Jahre von seinem Sohn als „Brauerei Caspar Mathias Decker“ geführt, bis es von Johann Balchem erworben wurde. Dieser errichtete im Hinterhof ein modernes Brauhaus und führte die Brauerei als „Brauerei Joh. Balchem“.
Im Jahr 1884 kam die nächste Generation an Ruder und die Brauerei wurde umfirmiert in „Karthäuser-Brauerei Gebr. Balchem“. 1890 wurde die alte Brauerei im Hinterhaus abgerissen und durch eine moderne Großbrauerei am Karthäuserwall 18 ersetzt. Da die Brauerei an der Vorderseite an die Severinstraße und an der Rückseite an die an den Karthäuserwall grenzte, wurden 2 Adressen angegeben. Der Name "Karthäuser Brauerei" leitete sich ebenfalls durch die Lage am Karthäuserwall ab. 1921 wurde die Karthäuser Brauerei geschlossen, die Gründe hierfür sind nicht bekannt.
Im Jahr 1922 fusionierte (die ja bereits stillgelegte Brauerei) mit der „Carl Schmitz Brauereigesellschaft mbH“ sowie der „Hubertusbrauerei Jacob Immendorf“ zur „Kölner Union-Brauerei GmbH“. In einer Sonderbeilage des Kölner Tagblattes aus dem Jahr 1929 werden die Gründe des Zusammenschlusses wie folgt benannt: "Als Folge des Weltkrieges waren im deutschen Brauereigewerbe durch die veränderte schlechte Wirtschaftslage Zusammenlegungs-Bestrebungen eine allgemeine Erscheinung. Somit erfolgte auch der Zusammenschluss der vorgenannten drei Brauereibetriebe von denen dann zwei aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wurden"
Die neu entstandene Brauerei nutzte ausschließlich die Braustätte der ehemaligen Schmitz’schen Brauerei in Müngersdorf. Das Gebäude in der Serverinsstraße 15 (Haus Balchem) wurde als Restauration weiter betrieben.
Für die Fusion und den ersten Weiterbetrieb der Brauerei in Müngersdorf wurde eigens die „Balchem, Immendorf, Schmitz Kommanditgesellschaft Köln“ gegründet. Federführend in dieser Gesellschaft war von Anfang an Jacob Immendorf, der auch die Mehrheitsbeteiligung erwarb.
Als die Brauerei 1934 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, tritt Jacob Immendorf als Vorstand in Erscheinung und Hans Balchem ist im Aufsichtsrat vertreten. Im Jahr 1938 erfolgte die Umbenennung in „Hubertus-Brauerei“. Einerseits zur Abgrenzung zur Dortmunder Union-Brauerei und andererseits gesteuert durch Jacob Immendorf als Reminiszenz an seine damalige Brauerei gleichen Namens in Zündorf.
Details zur Union- und Hubertus-Brauerei sind in den jeweiligen Beschreibungen aufgeführt.

Firmierungen der Karthäuser Brauerei Gebr. Balchem:
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1838 – 1844 Brauerei Johann Mathias Decker Vorgängerbrauereien seit 1675
1844 – 1855 Brauerei Mathias Decker  
1855 – 1859 Brauerei Caspar Mathias Decker  
1859 – 1884 Brauerei Joh. Balchem  
1884 – 1921 Karthäuser Brauerei Gebr. Balchem 1922 fusioniert mit der "Brauerei Peter Immendorf" aus Zündorf und "Carl Schmitz Brauereigesellschaft mbH" aus Müngersdorf zur "Kölner Union-Brauerei GmbH"
 

Übernommene / Vorgänger- / Nachfolger - Brauereien:
In der nachfolgenden Tabelle sind alle Brauereien aufgeführt, welche Übernommen wurden, Vorgänger- oder Nachfolge-Brauereien waren. Für manche dieser Brauereien gibt es auf dieser Website eine eigene Brauereihistorie, welche über den angegebenen Link aufgerufen werden kann.
Brauerei von - bis / übernommen von / Anmerkungen Brauereihistorie
Hubertusbrauerei Jacob Immendorf, Zündorf 1865-1922, 1922 zusammengeschlossen mit der "Brauerei C. Schmitz Gesellschaft mbH" und der "Karthäuser Brauerei Gebr. Balchem" zur "Kölner Union Brauerei".
Brauerei Carl Schmitz, Müngersdorf 1868-1922, 1922 zusammengeschlossen mit der "Hubertusbrauerei Jacob Immendorf" und der "Karthäuser Brauerei Gebr. Balchem" zur "Kölner Union Brauerei".
Kölner Union-Brauerei 1920-1993, entstand 1922 aus dem Zusammenschluss der "Brauerei C. Schmitz Gesellschaft mbH", der "Hubertusbrauerei Jacob Immendorf" sowie der "Karthäuser Brauerei Gebr. Balchem".
 

Historische Bilder
(BK001)
Briefkopf der "Karthäuser-Brauerei Gebr. Balchem" aus dem Jahr 1898
(unbekannte Sammlung)
 
(W001)
Werbeanzeige der Karthäuser-Brauerei aus dem Jahr 1921
(F002)
Foto der "Brauerei Gebr. Balchem, vermutlich um 1900
(unbekannte Sammlung)
(PK001)
Postkarte "Brauerei Gebr. Balchem", gelaufen 1911
(Sammlung Krüger)
(PK002)
Postkarte "Brauerei Gebr. Balchem", vermutlich um 1910
(unbekannte Sammlung)

 
(F001)
Foto des "Haus Balchem" aus den 1960er Jahren
(unbekannte Sammlung)
   
(F003)
Foto eines Lastwagen der "Karthäuser Brauerei Gebrüder Balchem", vermutlich um 1910
(unbekannte Sammlung)
(W002)
Werbung der Brauerei in Greven's Adressbuch aus dem Jahr 1894
[3]
                                                    
 

Anmerkungen
» Ende der 1960er Jahre bis 1975 wurde im Haus Balchem eine Gastwirtschaft betrieben, in der „Balchem Kölsch“ ausgeschenkt wurde. Produziert wurde dieses Kölsch von der Hubertus-Brauerei, die auf das Haus Balchem als einen der 3 Stammhäuser der Hubertus-Brauerei verweist. Mehr Informationen zu Balchem-Kölsch gibt im Bereich „Kölschmarken“ auf www.koelsch-net.de
» Das Haus Balchem gehört mit der Severinstorburg und der Pfarrkirche St. Severin zu den Wahrzeichen des „Vrings-Veedels“. Es ist eines der wenigen in Köln überhaupt erhaltenen Bürgerhäuser. Es wurde im zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern völlig zerstört und im Zeitraum von 1954 bis 1964 aufwendig restauriert
» Die Kellerräume der ehemaligen Brauerei am Kartäuserwall 18 sind noch größtenteils vorhanden. Das Grundstück / Gebäude selbst ist ein Zankapfel zwischen der Stadt, dem Besitzer (der Landesentwicklungsgesellschaft LEG), mittlerweile verkauft an einen Fonds von Goldman Sachs), den Mietern (Wohnprojekt Kat18, Kunsthaus Kat18, Mieter, Ateliers, Cafe, …) sowie Hausbesetzern und linken Aktivisten
» Es gibt mittlerweile auch eine kleine Brauerei mit dem Namen Kat18 (angelehnt an die Adresse „Kartäuserwall 18, im Internet unter: www.kat18-brauerei.de). Gegründet von Steffen Zingler wurde versucht, die Brauerei in den traditionsreichen Kellerräumen am Kartäuserwall 18 aufzubauen, was aber auf Grund der aktuellen Besitzverhältnisse nicht möglich war. Die Kleinstbrauerei hat jetzt alternativ in Hürth eine Heimat gefunden
 

Glaskrüge
 
(KZ001)
"Karthäuser Bräu"
Eichung unklar, vermutlich 1 L
(unbekannte Sammlung)
                                                                                                                                                                 

Prägeflaschen
     
Bisher sind keine Flaschen, sondern nur ein passender Porzellankopf bekannt      
(unbekannte Sammlung)      
 
 

Informationen aus Brauereiverzeichnissen
1898 Balchem, Gebr., Karthäuser-Brauerei, Severinstr. 15
1910 Balchem, Gebr., Karthäuser-Brauerei, Severinstr. 15
Inh.: Johann u. Peter Balchem (s. 1884). Ggr.: 1861. Umgeb.: 1891. Brm.: Alois Pregler. F.: 1628. - Dampfb. - Dampfk. - 2 Eismasch, Syst. Linde. - Elektr. Bel. - Zeugl.
 
 
 
Quellen
1 Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 1898, Verlag von Eisenschmidt & Schulze, Leipzig
3 Grevens Adressbuch für Köln, Ausgabe 1894
4 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 8. Jahrgang, 1910, Verlag von Eisenschmidt & Schulze GmbH, Leipzig
5 „Trinkt Kölner Bier - Quer durch Kölner Brauhäuser“, Sonderbeilage des Kölner Tageblattes von Sonntag den 15. Dezember 1929