Unternehmensgeschichte der Obergärigen Bierbrauerei Bröhl, an Lyskirchen

 
St. Maria Lyskirchen ist eine im Süden der Kölner Altstadt gelegene Kirche romanischen Baustils. Ihr Bau wurde im 13ten Jahrhundert vollendet. Der Name der Kirche sowie der Straße „An Lyskirchen“ leitet sich von der damals in unmittelbarer Nähe lebenden Patrizierfamilie Lyskirchen ab, die als Stifter den Bau der Kirche unterstützten. Direkt gegenüber der Kirche befand sich zu dieser Zeit das Pfarrhaus. Auf diesem Grundstück wurde das Brauhaus Bröhl errichtet.
Das erste Brauhaus lässt sich hier im Jahr 1818 nachweisen. Von 1818 bis 1855 befand sich hier die „Brauerei Johann Baptist Jonen“. Das Gebäude der Brauerei wurde 1830 neu errichtet. Im Jahr 1857 erwarb Jakob Münzel die Brauerei und betrieb diese bis zum Jahr 1875. Jakob Münzel verpachtete die Brauerei an Josef Esser, der die Brauerei bis 1883 führte.
Nach 2 weiteren Pächtern (Ferdinand Lipp von 1883 bis 1886 und Jacob Krips von 1886 bis 1888) übernahm im Jahr 1888 Arnold Zündorf die Brauerei.
Im Jahr 1891 übernahm Peter Bröhl die Stelle als Braumeister bei Arnold Zimmermann. Nach einer kurzen Umfirmierung zur „Brauerei Geschwister Zündorf“ im Jahr 1894 pachtete Peter Bröhl im Jahr 1898 das Brauhaus und gründete die „Brauerei Peter Bröhl“.
Die Geschäfte müssen gut gelaufen sein, denn im Jahr 1911 erwarb Peter Bröhl die Brauerei von der Familie Münzel, die die Brauerei ja einst selbst betrieben und im Anschluss nur verpachtet hatten. Im gleichen Jahr starb Peter Bröhl und seine Witwe führte den Betrieb 13 Jahre weiter.
Im Jahr 1924 verkaufte die Witwe Bröhl die Brauerei (ab 1924 „Brauerei Mahlberg & Görgens „), aber nur, um 2 Jahre später wieder einzusteigen (ab 1926: „Brauerei K. Görgens & Wwe. P. Bröhl“).
Der Kölner Journalist und Chronist Lambert Macherey schildert in einem Abriss über die Kölner Brauhäuser aus dem Jahr 1921 eher das Umfeld des Brauhauses wie folgt [6]:
„… Neu erbaut wurde in den 90er Jahren die Brauerei Am Vorgelsant, Anfang Ehrenfeld, die später Genossenschaftsbrauerei wurde, von dem früheren Brauereibesitzer und heutigem Rentner Peter Zündorf, dem jüngeren Bruder des in den 90er Jahren verstorbenen Brauereibesitzers Hubert Arnold Zündorf erbaut worden ist. Dieser führte zuerst in den 80er Jahren den alten Drecklichen Kaiser vor seinem Neubau, siedelte dann in das Budengaßbräu über und Ende der 80er Jahre nach der ehemaligen Brauerei Bröhl an Lyskirchen (Inhaberin Wwe. P. Bröhl), wo in den 90er Jahren das beste Kölner Bier gebraut wurde, das damals auch zu Zeiten des seligen „Schebens Tünn“ in der Zweipann“ an der Breiten Straße zum Ausschank gelangte; an heißen Sonntagen sind dort bis 33 Hektoliter, das sind 3300 Liter oder 12000 Glas Bier von zwei „Köbessen“ in einem Stift umgesetzt worden - eine Höchstleistung, die keine andere Heimbrauerei jemals zu verzeichnen hatte. Im Brauhaus An Lyskirchen fand sich allabendlich ein stattlicher Stammtisch angesehener Männer zusammen, von denen heute noch einige nach 60 Jahren dort verkehren, wie früher bei den Brauereien Münzel und Zündorf, so jetzt bei Bröhls. Darunter befindet sich der nahezu 80jährige Schreinermeister Bünagel aus der Zollerstraße, dessen Großmutter Lempertz einst die Brauerei „Unger Panneschläger“ besessen hat; ferner der 82jährige Schneidermeister Matzeratz, der betagte Sanitätsrat Dr. Hardenbider, gleichfalls der Verfasser dieses Wertchens, der in den 90er Jahren die zweitälteste Tochter des verewigten Brauereibesitzers Huber Arnold Zündorf heimgeführt hat. Eine staatliche Zahl der Stammgäste hat schon ins Gras beißen müssen, allerdings waren es alle schon „alte Knaben“, wie der erblindete Organist Paquenins, der Dicher des bis heute noch viel gesungenen Kirmesliedes der Schreinermeister Rings, ein Oheim des Stadtverodneten Rings, der Schriftstelle Hermann Beder usw. Auch der „Lülsdorfer Stammtisch“ - Zündorfs und Bröhls stammen aus dem benachbarten Lülsdorf - ist fast ganz ausgestorben. Dagegen halten Rudervereine usw. die Tradition hoch, nach ihren Übungen im Brauhaus Lyskirchen sich zu stärken, wo stets ein reger Verkehr herrscht. Von den jetzigen Besitzern ist die Brauerei neu gebaut worden. …“
In einem weiteren Artikel aus dem Jahr 1929 wird das Brauhaus Bröhl wie folgt dargestellt [5]:
Brauhaus Bröhl – An Lyskirchen 3/5: In altem gutem Rufe steht das Kölner Brauhaus für Obergärung bei Bröhl "An Euskirchen" Nr.3, wo in den 90er Jahren das beste Kölsch gebraut wurde. Das Haus hat eine uralte Geschichte: Ursprünglich stand an seiner Stelle das Pfarrhaus von St. Maria Euskirchen, welches von den Pfarrgenossen im Jahre 1335 nach Übereinkunft mit dem Pfarrer Simone und mit Genehmigung des Probates Werner von St. Georg an Johann, den Sohn des Johann von Vlatten, verkauft worden ist, der es 1337 beim Bäcker Hermann von Vischenich für sechs Mark in Erbleihe gegeben hat. Im Jahre 1786 wird beurkundet, daß das Haus mit Hofstatt berechtigt ist an einem Ausgange zur Witschgasse hin. Nach dem Kölner Adreßbuch von 1797 wohnte hier der Branntweinbrenner Gottfried Arnoldsweiler; damals hatte das Haus die Nr.212. Von 1818 bis 1856 betrieb in dem Hause Johann Johnen eine Bierbrauerei, die im Jahre 1858 von Jakob Münzel übernommen worden ist. Ihm folgten als Bierbrauer und Wirte 1876-1883 J. Jos. Esser, 1884-1886 Ferdinand Lipp, 1887 Jakob Krips und seit 188 Arnold H. Zündorf. IM Jahre 1891 trat Peter Bröhl aus Lülsdorf als Braumeister bei Zündorf ein. Damals gehörte das etwa 1830 erbaute Haus noch den Geschwistern Münzel, die 1875 auch das Nebenhaus Nr.5 angekauft hatten. 1898 übernahm Bröhl selbst das Brauhaus, das er 1911 ankaufte. Nach seinem noch im selben Jahre erfolgten Tode führte seine Witwe Kath. Bröhl die Wirtschaft bis 1928 weiter. Am 15.November 1928 haben die Eheleute August Küppers, denen von früheren Unternehmen her der Ruf tüchtiger, fleißiger und sauberer Wirtsleute zur Seite steht, die Wirtschaft übernommen und führen sie nunmehr wieder als altes obergäriges kölsches Bräues. In diese alte Kölner Brauhaus kommen nur die Kenner, welche ihre Schritte eigens hierhin lenken. Schon beim Eintreten umfängt uns ein anheimelnder Zauber mit seinem verlockend würzigen Duft des Kölschen Bieres. Der Hausflur ist gleich links zu einer stets von Standesherren umlagerten Stehschänke ausgebaut, hinter welcher der etwas brüske Wirt seine dafür um so muntere, stets freundliche Frau ihres kredenzenden Amtes walten. Gern ist auch die Besichtigung der 1919 modern eingerichteten Hausbrauerei gestattet, die heuer wieder von dem alten Bröhlschen Braumeister Heinrich Humann geleitet wird. Schmunzelnd zeigt er das Sudhaus mit seinen vier Gärbottichen, deren jeder 85 Hektoliter faßt, ferner den Malzspeicher, die Schrotmühle und den etwa 500 Hektoliter fassenden uralten, in Unkeler Blausteinen gemauerten Keller.
Im Jahr 1930 wurde die Brauerei wiederum verkauft und firmierte als „Brauerei Peter Peters“. Noch einmal wechselt die Brauerei den Besitzer (ab 1934: „Brauerei Franz Bausler“), bevor im Jahr 1936 der Name Bröhl wieder in der Firmierung auftaucht (ab 1936: „Brauerei Wwe. Jacob Bröhl“). Es ist zu vermuten, dass zwischen den verschiedenen Besitzerfamilien die ein oder anderen verwandtschaftlichen Beziehungen standen, genaueres ist aber nicht bekannt.
Die letzte Firmierung der Brauerei bestand nur ein Jahr. Ab 1942 firmierte die Brauerei als „Obergärige Brauerei B. Peters“. Im Jahr 1943 wurde die Brauerei bei einem Bombenangriff völlig zerstört und auch nach dem Krieg nicht wiederaufgebaut.

Firmierungen:
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1818 – 1856 Brauerei Johann Baptist Jonen  
1857 – 1875 Brauerei Jakob Münzel  
1875 – 1883 Brauerei Josef Esser  
1883 – 1886 Brauerei Ferdinand Lipp  
1886 – 1888 Brauerei Jacob Krips  
1888 – 1894 Brauerei A.H. Zündorf  
1894 – 1898 Brauerei Geschwister Zündorf  
1898 – 1911 Brauerei Peter Bröhl  
1911 – 1924 Brauerei Wwe. Peter Bröhl  
1924 – 1926 Brauerei Mahlberg & Görgens  
1926 – 1930 Brauerei K. Görgens & Wwe. P. Bröhl  
1930 – 1934 Brauerei Peter Peters  
1934 – 1936 Brauerei Franz Bausler  
1936 – 1942 Brauerei Wwe. Jacob Bröhl  
1942 – 1943 Obergärige Brauerei B. Peters  

Historische Bilder
(W001) [10, 01.01.1857]
Anzeige zur Eröffnung der Brauerei zum Neujahr 1857 durch Jakob Münzel
 
(W002) [10, 12.05.1883]
Anzeige von Jakob Münzel aus dem Jahr 1883, in der er seine Brauerei an Lyskirchen zum Verkauf anbietet. Allerdings nicht erfolgreich, wie die rechts nebenstehende Anzeige zeigt
 
                              (W003) [10, 09.07.1897]
Weiterer Versuch von Jakob Münzel aus dem Jahr 1897 die Brauerei an Lyskirchen zu verkaufen
(W004) [9, 01.07.1888]
Eröffnungsanzeige der Brauerei durch A.H. Zündorf aus dem Jahr 1888
 
(W005) [9, 08.07.1888]
Anzeige der Brauerei unter A.H. Zündorf aus dem Jahr 1888
(W002) [8, 02.11.1892]
Anzeige des Bonner Hotels "Stadt Bonn" aus dem Jahr 1892. Im Ausschank: Kölner Bier aus der Brauerei von A.H. Zündorf
(W006) [9, 17.04.1892]
Der Ausschank von Lagerbier hat begonnen. Anzeige der Brauerei aus dem Jahr 1892
(W002) [8, 15.11.1892]
Anzeige des Bonner Hotels "Stadt Bonn" aus dem Jahr 1892. Im Ausschank: Kölner Bier aus der Brauerei von A.H. Zündorf
 
(W001) [8, 12.06.1897]
Anzeige der Bonner Restauration "Berliner Hof" aus dem Jahr 1897. Im Angebot: Echt Kölner Lagerbier aus der Brauerei Zündorf
 
(F003) [3]
Foto der Brauerei (2tes Gebäude links) aus dem Jahr 1910
 
(F001)
Foto der Brauerei (von der anderen Seite aus gesehen wie F003), rechts hinten ist die Leuchtreklame der Brauerei zu sehen. Vermutlich aus den 1920er Jahren
(unbekannte Sammlung)
 
(F002)
Foto der Brauerei, ähnlich F001
(unbekannte Sammlung)
                                                        
 
(W001) [4]
Werbung der Obergärigen Bierbrauerei Bröhl aus dem Jahr 1926
(W002)
Werbung der Brauerei, vermutlich um 1920
(unbekannte Sammlung)
 
(W003) [6]
Werbung der Brauerei aus dem Jahr 1921
 
                      
(100) [17.09.1920]
Anzeige des "Vereins obergäriger Hausbrauereien" aus dem Jahr 1920. Dank Auslandsmalz ist wieder Vollbier verfügbar. Der Verein gleicht einem Kartell, alle 25 Brauereien haben die gleichen Preise
 
(106) [11, 31.12.1939)
Gemeinsame Glückwünsche der Kölner Hausbrauereien zum neuen Jahr 1940
[7, 29.03.1936]
Anzeige der Werbe-Gemeinschaft Kölner Haus-Brauereien aus dem Jahr 1936
(105) [7, 01.05.1937]
Anzeige von Kölner Haus-Brauereien aus dem Jahr 1937
 

Anmerkungen
» Lambert Macherey, der immerhin das komplette Brauwesen in Köln porträtierte, bezeichnete das um 1890 produzierte Bier des Brauhaus Bröhl als das Beste in ganz Köln.
» Außer Bierdeckeln und Postkarten sind keine weiteren klassischen Brauereiwerbemittel wie Gläser, Krüge oder Etiketten bekannt.
 

Historische Brauereiwerbemittel der Brauerei
Bierdeckel
     
(001)
"Echt Kölsch"
(unbekannte Sammlung)
                                                                                                                                                                            
 
 
 
Quellen
1 Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 8. Jahrgang, 1910, Verlag von Eisenschmidt & Schulze GmbH, Leipzig
3 "Prosit Colonia: Die vergessenen und unvergessenen Brauereien, Bier- und Brauhäuser Kölns", Autor: Franz Mathar, Greven Verlag, 1999
4 „Köln“ aus der Reihe Deutschlands Städtebau, Verlag DARI (Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag) Berlin-Halensee, 1926
5 "Trinkt Kölner Bier - Quer durch Kölner Brauhäuser", Artikel einer Sonderbeilage des Kölner Tageblattes vom Sonntag den 15. Dezember 1929
6 "Kölner Kneipen im Wandel der Zeit (1846 bis 1921), Lambert Macherey, 1921, Selbstverlag
7 Zeitschrift "Der Neue Tag", Ausgabe 29.03.1936, 01.05.1937
8 "Bonner General-Anzeiger", Ausgaben 02.11.1892, 15.11.1892, 12.06.1897
9 "Kölner Sonntags-Anzeiger", Ausgaben 01.07.1888, 08.07.1888, 17.04.1892
10 "Kölnische Zeitung", Ausgaben 01.01.1857, 12.05.1883, 09.07.1897