Unternehmensgeschichte der Bayerischen Dampfbierbrauerei Leo Fix / Germania-Brauerei AG

 

Die Brauerei Johann Georg Ningelgen
Die Geschichte der Germania-Brauerei AG aus Mülheim geht zurück auf die 1869 in der Holweiderstr. 13 gegründete „Brauerei Johann Georg Ningelgen“. Über Johann Georg Ningelgen sind keine weiteren Informationen bekannt.

Die Brauerei Johann Peter Weinreis
Wie um diese Zeit fast üblich wechselten die Besitzer der Brauerei in kurzer Zeit. Bereits 2 Jahre später, im Jahr 1871, wurde die Brauerei in „Brauerei Johann Peter Weinreis“ umfirmiert [7].
Peter Weinreis war hingegen kein Unbekannter. Bereits im Jahr 1842 taucht er als „Weinreiss, Peter“ in einem Adressbuch [12] unter Bierbrauereien in Mülheim auf. Weiter gründete er im Jahr 1857 in der Wallstraße 54/56 in Mülheim die „Brauerei Peter Weinreis“, aus der später die „Mülheimer Brauereigesellschaft vorm. Jonas Kreutzer“ hervorging, welche selbst im Jahr 1903 mit der Germania Brauerei fusionierte. Er führte diese Brauerei bis zum Jahr 1865. Im Jahr 1862 gründete er die Firma „Joh. Peter Weinreis“, deren Geschäftszweck nicht bekannt ist. Im Jahr 1884 taucht er auch als Besitzer einer Bäckerei in Mülheim auf [16].
Die Vorgängerbrauerei der Germania-Brauerei führte er aber nur 3 Jahre, bevor diese im Jahr 1874 in „Brauerei Gebr. Herriger“ umfirmiert wurde.

Die Brauerei Gebr. Herriger
Die Gebrüder Herriger waren ebenfalls keine Unbekannten. Die Brüder Johann Joseph, August und Franz Herriger besaßen bereits von dem Jahr 1874 die Firma „Gebr. Herriger“. Von 1861 bis 1871 wird diese Firma als Brauerei in der Buchheimer Str. 23 in Köln aufgeführt [7].
Am 29. September 1874 schieden die Brüder Johann Joseph und Franz aus der Firma aus und August Herriger führt die Firma unter gleichem Namen alleine weiter. Vermutlich war der Anlass dieser Änderungen die Übernahme der Brauerei von Peter Weinreis.
Die Familie Herriger hatte auch verwandtschaftliche Beziehungen zu der Brauerfamilie Sturm in Düren. Franz Herriger heiratete im Jahr 1869 Anna Katharina Sturm. Diese war die Tochter von Arnold Sturm, dem Besitzer der Brauerei Sturm in Düren. Franz Herriger wird bei der Heirat als „Brauereibesitzer“ aufgeführt [10].
Aber auch das Zwischenspiel durch August Herriger war nur von kurzer Dauer. Bereits 2 Jahre später, im Jahr 1876, übernahm Leo Fix die Brauerei. Die Firma „Gebr. Herriger“ existiere aber weiter und wurde im Jahr 1885 in "Mülheimer Malzfabrik von Gebr. Herriger zu Mülheim am Rhein" umfirmiert. Im Jahr 1892 starb August Herriger und die Firma wurde seiner Witwe Gertrud Herriger, geb. Bliersbach und seinem Sohn Johann Adam Herriger weitergeführt.

Die Bayerische Dampf-Bierbrauerei Leo Fix / Brauerei Leo Fix & Co.
Leo Fix, eigentlich Carl Leopold Fix, übernahm die Brauerei im Jahr 1876 und benannte sie in „Bayerische Dampf-Bierbrauerei Leo Fix“ um. Der Name legt die Vermutung nahe, dass zum ersten Mal in industriellem Maßstab, d.h. mit Einsatz einer Dampfmaschine zumindest für die Kochung, gebraut wurde.
Bereits 2 Jahre später, im Jahr 1878, nimmt Leo Fix 2 Partner in die Gesellschaft auf und es wird auch eine Zweigbrauerei in Niedermendig eröffnet. Im Reichsanzeiger vom 01.03.1878 ist zu lesen [8]:
„…Cöln. Auf Anmeldung ist heute in das hiesige Handels- (Gesellschafts-) Register unter Nr. 1949 eingetragen worden die Handelsgesellschaft unter der Firma: "L. Fix & Co.", welche mit dem 15. Februar 1878 begonnen, ihren Sitz in Mülheim am Rhein und eine Zweigniederlassung in Niedermendig hat. Die Gesellschafter sind die Kaufleute Leo Fix in Mülheim am Rhein, Rudolph Lungstras daselbst und Hugo Backhaus, in Niedermendig wohnend, und ist jeder derselben berechtigt, die Gesellschaft zu vertreten. Cöln, den 21. Februar 1878…“
Die Niederlassung in Niedermendig wurde kurz zuvor am 15. Februar 1878 gegründet und firmierte zuerst unter „Brauerei Backhaus“ und ab 1884 als „L. Fix & Co.“.
Über Leo Fix und Hugo Backhaus ist vor Gründung der Brauerei nichts bekannt, wohl aber über Rudolf Lungstras. Dieser betrieb bereits vor 1870 mit seinem Partner Julius Bau die Firma „Lungstras, Bau & Cie.“ in Mülheim. Am 11. April 1870 wurde dies Firma aufgelöst und beide gründeten am gleichen Tag mit der Firma „“Rudolf Lungstras“ und der Firma „Lulius Bau“ eigene Firmen [8]. Welchen Geschäftszweck die Firmen hatten ist nicht bekannt. Am 24. Oktober 1892 ist über Rudolf Lungras im Reichsanzeiger folgendes zu lesen [8]: „…Seine Majestät der König haben allergnädigst geruht: … dem Kaufmann Rudolf Lungstras zu Mülheim am Rhein den Rothen Adler-Orden vierter Klasse … zu verleihen…“. Rudolf Lungstras schien sich wohl auf die ein oder andere Weise verdient gemacht zu haben.
Im Jahr 1899 starb Hugo Backhaus und die beiden anderen Teilhaber führten die Firma alleine weiter [8]. Vermutlich war die Zweigniederlassung in Niedermendig bereits im Jahr 1898 geschlossen worden [7].

Die Germania-Brauerei Aktiengesellschaft
Am 16. September 1899 wurde die Brauerei dann in eine Aktiengesellschaft, die „Germania-Brauerei Actien Gesellschaft“, umgewandelt [8]:
„…Mülheim, Rhein. Bekanntmachung. In das hiesige Gesellschaftsregister ist heut unter Nr. 167 die Aktiengesellschaft unter der Firma: "Germania-Brauerei Actien Gesellschaft" mit dem Sitze in Mülheim am Rhein eingetragen worden. Der Gesellschaftsvertrag datiert vom 16. September 1899. Gegenstand des Unternehmens ist die Errichtung, Erwerbung und der Betrieb von Brauereien und Mälzereien, sowie der Betrieb sonstiger in das Braufach einschlägiger Gewerbe, sowie der Erwerb und die Veräußerung von Grundbesitz. Die Gesellschaft ist ferner zur Erwerbung, Einrichtung oder Pachtung von Wirthschaften berechtigt. Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt: 1.000.000 Mark und ist eingetheilt in 1.000 Aktien à 1.000 Mark, welche auf den Inhaber lauten. …
Die Gründer der Gesellschaft sind:
1) Carl Leopold genannt Leo Fix, Kaufmann,
2) Rudolph Lungstras, Kaufmann,
3) Max Lungstras, Kaufmann,
4) Carl Siebert, Rechtsanwalt, diese alle zu Mülheim Rhein wohnend,
5) Aktiengesellschaft Kölnische Wechsler- und Comissionsbank in Köln, vertreten durch ihren Direktor Louis Waller und ihren Prokuristen Max Neustift, beide zu Köln wohnend, und
6) Fritz Schroeder, General-Direktor, zu Aachen wohnend.
Die sämtlichen Aktien sind durch die Gründer übernommen und zwar sind davon 123 Stück mit 123.000 Mark baar bezahlt, während die übrigen 877 Stück der Kaufmann Karl Leopold gen. Leo Fix und der Kaufmann Rudolph Lungstras in Gegenleistung der von ihnen eingebrachten, bisher von ihnen unter der Firma L. Fix & Cie. zu Mülheim am Rhein betriebenen Brauerei erhielten. Das Einbringen derselben besteht in:
a. dem zu Mülheim am Rhein, Holweiderstraße Nr. 13 gelegenen, im Grundbuche von Mülheim am Rhein Band 36 Artikel 1796 eingetragenen Grundstücke, samt aufstehenden Gebäuden, Keller und sonstigem unbeweglichen Zubehör,
b. den bei dem Betriebe der Brauerei gebrauchten Maschinen, Anlagen, Mobilien, Fastagen und Fuhrpark, alles nach Angabe der von gen. Fix und Lungstras per 30. Juni 1899 gefertigten Bilanz.
Dieses Einbringen ist bewerthet auf netto 880.000 Mark, sodaß gen. Fix und Lungstras noch 3.000 Mark von der Gesellschaft baar erhalten.
Die Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsraths sind:
1) Rudolf Lungstras, Kaufmann zu Mülheim am Rhein,
2) Fritz Schröder, General-Direktor der Aachen-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft, zu Aachen wohnend,
3) Carl Siebert, Rechtsanwalt zu Mülheim am Rhein,
4) Louis Waller, Direktor der Wechsler- und Commissionsbank zu Köln,
ad 1 bis 4 als Aufsichtsrath, Carl Leopold Fix genannt Leo Fix senior und Max Lungstras, beide Kaufleute, zu Mülheim am Rhein wohnend, als Vorstand. … Mülheim, Rhein, den 25. Oktober 1899…“.
In den ersten Jahren ist meist noch „Germania-Brauerei vorm. L. Fix“ zu lesen, wobei das „vorm. L. Fix“ in der offiziellen Firmierung von Anfang an nicht vorhanden war. Die Brauerei blieb aber auch nach der Umfirmierung in eine Kapitalgesellschaft in der Hand der alten Besitzer (877 der 1000 ausgegebenen Aktien erhielten Leo Fix und Rudolf Lungstras für die eingebrachte Brauerei). Auch in der Besetzung der Posten spiegelt sich das wider. Den Vorstand bildeten Leo Fix und Max Lungstras, vermutlich der Sohn von Rudolf Lungstras, welcher sich in den Aufsichtsrat zurückgezogen hatte.
Die ersten Jahre als Aktiengesellschaft liefen gut und stabil. Bis einschließlich Geschäftsjahr 1902 wurden jährlich ca. 35.000 hl Bier produziert, ein Gewinn zwischen 65.000 und 70.000 Mark erwirtschaftet und eine Dividende von 5,5% ausgeschüttet.

Die Fusion mit der Mülheimer Brauereigesellschaft
Mit Wirkung zum 01.07.1903 (beschlossen auf der Hauptversammlung am 16.12.1903) fusionierte die Germania-Brauerei AG mit der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer .
Die Hintergründe hierfür sind unklar, die Mülheimer Brauereigesellschaft schien auf den ersten Blick gesund und keinesfalls der Junior-Partner zu sein. Im Geschäftsjahr 1902 wies sie einen Gewinn von 79.000 Mark aus, produzierte mehr Bier als die Germania-Brauerei und schüttete 7% Dividende aus. Dennoch wurde das Aktienkapital der Mülheimer Brauereigesellschaft in Höhe von 600.000 Mark mit Aktien der Germania Brauerei in Höhe von nur 420.000 Mark abgefunden (also im Verhältnis 10:7). Der Name „Mülheimer Brauereigesellschaft“ verschwand ebenfalls, die Brauerei firmierte weiterhin als Germania-Brauerei AG. In weiteren Geschäftsberichten ist zu lesen, dass die getrennten Betriebe 1904 vereinigt wurden, d.h. dass nur die Braustätte der Germania-Brauerei weiterbetrieben wurde.
Im Reichsanzeiger ist hierzu folgende zu lesen [8]:
„…Germania-Brauerei Actien-Gesellschaft, Mülheim (Rhein). Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer, Mülheim (Rhein). Auf Grund des Beschlusses der Generalversammlungen beider Gesellschaften vom 16. Dezember 1903 und Vertrages vom 20. Februar 1904 ist die Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer, Mülheim (Rhein) aufgelöst und ihr Vermögen als Ganzes unter Ausschluß der Liquidation an uns übergegangen. Wir haben dagegen den Aktionären der früheren Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer Aktien unserer Gesellschaft derart zu gewähren, daß auf je nominal 10.000 Mark Aktien der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer mit Dividendenschein Nr. 7 und folgenden je nominal 7.000 Mark Aktien unserer Gesellschaft mit Dividendenberechtigung ab 1. Juli 1903 entfallen. Die Aktionäre der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft werden unter Androhung der Verluste ihrer Rechte aufgefordert, innerhalb einer Ahsschlußfrist von vier Monaten von heute an ihre Aktien behufs Umtausch in Aktien der Germania Brauerei Actien-Gesellschaft anzumelden und einzuliefern. … Mülheim (Rhein), den 27. April 1904. Germania-Brauerei Actien-Gesellschaft. Der Vorstand…“
Im gleiche Zug wurde das Aktienkapital entsprechend um 600.000 Mark auf 1.600.000 Mark erhöht. In den Geschäftsberichten der Folgejahre wird das auch so ausgewiesen, obwohl formell die Erhöhung erst im Jahr 1908 im Reichsanzeiger bekannt gemacht wird.
Das Ergebnis der Verschmelzung beider Brauereien war eher enttäuschend. Der Ausstoß wurde nur leicht erhöht (auf ca. 40.000 hl, im Geschäftsjahr 1902 betrug der Ausstoß beider Brauereien zusammen noch über 70.000 hl) und auch der Gewinn brach ein. Mit Ausnahme im Jahr 1904 wurden auch keine Dividenden ausgeschüttet.
Im Jahr 1907 schieden Leo Fix aus dem Vorstand und Rudolf Lungstras aus dem Aufsichtsrat aus [8]. Vermutlich im gleichen Jahr stiegt Matthias Rupp in den Vorstand ein, welchen er ab dem Jahr 1909 alleine, d.h. ohne Max Lungstras führte. Von den ehemaligen Gründerfamilien war damit nur noch Leo Fix junior präsent, welcher als Prokurist arbeitete.
Im Jahr 1909 starb Rudolf Lungstras und im Reichsanzeiger ist zu lesen, dass durch das Ableben des Rudolf Lungstras die Firma „L. Fix & Co“ aufgelöst sei. Die Firma war anscheinend parallel zur Gründung der Germania-Brauerei, zu welchem Zweck auch immer, weitergeführt worden. Weiter lässt sich hieraus schließen, das in der Zwischenzeit auch Leo Fix verstorben war.
Die Brauerei produzierte in dieser Zeit auch obergärige Biere, diese vermutlich aber nur in geringen Mengen. Als Spezialität wies die Brauerei Münchener und Pilsener Biere aus.

Der wirtschaftliche Abstieg
Ebenfalls im Jahr 1909 wurde eine Herabsetzung des Grundkapitals der AG um 480.000 Mark beschlossen (Zusammenlegung von 10 auf 7 Aktien) und zur weiteren Geldbeschaffung wurde den Aktionären eine Umwandlung von Stamm- in Vorzugsaktien für einen zu zahlenden Aufschlag von 15% angeboten [8]:
"...In der Generalversammlung vom 4. Juni d.J. ist u.a. folgendes beschlossen worden:
1) Das Grundkapital der Gesellschaft wird zur Vermeidung einer Unterbilanz und nach näherer Bestimmung des Aufsichtsrats zu Abschreibungen oder zur Bildung besonderer Rücklagen von 1.600.000 Mark um 480.000 Mark durch Zusammenlegung von 10 Aktien auf 7 Aktien herabgesetzt auf 1.120.000 Mark.
2) Der § 3 des Gesellschaftsvertrages wird dahin geändert, daß er einen Zusatz erhält, wonach es gestattet ist, Vorzugsaktien zu bilden, welche erstmals für das Geschäftsjahr 1910, eine 5 prozentige Vorzugsdividende mit dem Rechte der Nachzahlung genießen und bei der Liquidation vorweg befriedigt werden sollen
... Zugleich laden wir die Aktionäre unserer Gesellschaft hiermit ein, ihre als gültig gebliebenen abgestempelten Aktien nebst Gewinnanteil- und Erneuerungsscheinen behufs Umwandlung in Vorzugsaktien bis zum 31. Dezember 1909 der Gesellschaft einzureichen, dabei eine Zuzahlung von 15% zu leisten und die ev. Stempelgebühren zu entrichten..."
In der Bilanz des Geschäftsjahres 1909 ist zu lesen, dass über 90% der Stammaktien in Vorzugsaktien umgetauscht wurden [8]:
„…Die 480.000 Mark Kapitalverringerung wurde auf Abschreibungen verwendet. Vom neuen Aktienkapital in Höhe von 1.120.000 sind 1.022.000 Vorzugsaktien und 98.000 Stammaktien. Durch die 15% Aufschlag bei Umwandlung in Vorzugsaktien wurden 153.300 Mark eingenommen … Mülheim (Rhein). 19. Mai 1910…“
Vermutlich wurden in diesem Kontext auch die Gebäude / Grundstücke der ehemaligen Mülheimer Brauereigesellschaft verkauft. Die Germania-Brauerei wies auf deren Größe und Leistungsfähigkeit bezogen einen unglaublich hohen Saldo in Höhe von über 3,8 Mio. Mark und nach der Kapitalverringerung noch über 3,3 Mio. Mark aus. Der Schuldenstand (Hypotheken & Kredite) belief sich auf über 2 Mio. Mark. Dem Gegenüber stand nur ein jährlicher Bierumsatz um die 200.000 Mark. D.h. der Umsatz (nicht der Gewinn!) betrug nur ein 1 Zehntel des Schuldenstandes.
Auf der Tagesordnung zur Generalversammlung im Jahr 1913 ist folgender Punkt zu lesen [8]
„…Aufrichtung des Unternehmens durch Leistung einer Zuzahlung auf die Aktien und unentgeltliche Zurverfügungstellung von Aktien zur Verwertung für die Gesellschaft. Umwandlung der Aktien, auf die eine Zuzahlung geleistet wird, oder die der Gesellschaft unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, in Vorzugsaktien. Herabsetzung des Grundkapitals durch Zusammenlegung von Aktien: Erhöhung des Grundkapitals durch Ausgabe von Vorzugsaktien…“.
Kein Wunder, dass die Brauerei auch in den nächsten Jahren nicht die Trendwende schaffte, wobei auch der Rohstoff- und Mitarbeiter-Mangel in Folge des ersten Weltkriegs seinen Beitrag geleistet haben wird.

Handel & Bank und das Ende
Im Jahr 1920 ist dann Schluss, zumindest mit der Brauerei (in der Bilanz aus dem Jahr 1922 steht allerdings, dass der Brauerei erst im Jahr 1921 eingestellt wurde [15]). In der Bilanz des Jahres 1920 werden Betriebsausgaben in Höhe von 1.423.120 Mark ausgewiesen. Diese wurden zur Schuldentilgung verwendet, so dass von der Millionen-Hypothek in der Bilanz nur noch 46.667 Mark übrig blieben. Ausgewiesen werden auch Betriebseinnahmen in Höhe von 1.688.300 Mark, vermutlich eingenommen durch Immobilienverkäufe. Vermutlich ab 1920, gesichert aber ab 1925 [9] ist der neue Eigentümer in der Holweiderstraße 13 die Grathwohl-Werk AG Seifenfabrik.
Kundschaft, Malzkontingent und vielleicht auch die ein oder andere Einrichtung wurden von nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Balsam-Bergischen Löwenbrauerei OHG übernommen [7,17]. An den Immobilien war die Balsam-Bergische Löwenbrauerei, die selbst schon 2 Braustätten besaß, nicht interessiert.
Die Germania-Brauerei AG bestand formal weiter und änderte im Jahr 1922 den Firmennamen, den Gegenstand und den Sitz des Unternehmens. Die Aktiengesellschaft firmierte fortan als „Germania Brauerei- & Handels-Aktiengesellschaft“, der Sitz wurde auf die andere Rhein-Seite nach Köln-Nippes verlegt.
Die Abwicklung der Gesellschaft nahm im Jahr 1924 noch mehr Gestalt an. In der „Goldmarkeröffnungs-Bilanz“ ist folgendes zu lesen [8]:
„… Goldmarkeröffnungsbilanz am 1. Januar 1924. Die heutige Generalversammlung … Sie änderte die Firma in "Germania Bank- und Handels-Aktiengesellschaft" und beschloß ferner die Ermäßigung des Aktienkapitals von 1.120.000 Mark auf 336.000 Goldmark. … Köln, am 26. Juni 1924. Germania Brauerei- und Handels-Aktiengesellschaft, jetzt: Germania Bank- und Handels-Aktiengesellschaft. Der Vorstand. Lieck…“
Das „Brauerei“ wurde aus der Firmenbezeichnung der „Bank- und Handels-Gesellschaft“ gestrichen, weiter wurde das Aktienkapital von 1.120.000 Mark auf 336.000 Goldmark verringert. Die Bilanz umfasste nur noch einen Saldo von 367.452 Mark statt noch das zehnfache wie Jahre zuvor. Die Schulden betrugen nur noch 31.452 Mark und es wurden Aktiva (Kassenbestand, Liegenschaft und Guthaben) von gut 360.000 ausgewiesen.
Der nächste Schritt der Abwicklung geschah im Jahr 1926 wie folgt [8]:
„…Die Generalversammlung vom 20. November 1926 hat beschlossen, das Aktienkapital auf 56.000 Reichsmark herabzusetzen in der Weise, daß von je zwei Aktien die eine eingezogen und die andere mit einem Gültigkeitsvermerk über 200 RM versehen wird. Wir fordern die Aktionäre auf, ihre Aktien bis zum 1. Mai 1927 bei uns einzureichen. Die nicht eingereichten Aktien werden für kraftlos erklärt und die Ersatzaktien für Rechnung der Beteiligten verkauft werden. Der Vorstand. Lieck…“
Die Hälfte der Aktien wurde also eingezogen, die anderen auf ein Fünftel ihres Nennwertes umgestellt. In der letzten bekannten Bilanz aus dem Jahr 1927 wurde ein Saldo von 79.978 Mark und ein Aktienkapital von 58.000 Mark ausgewiesen. Der Umsatz liegt bei 10.768 Mark und umfasste keinerlei geschäftliche Aktivitäten, sondern nur Steuern und Unkosten.
Im Jahr 1928 oder 1929 wurde die Gesellschaft dann nach 60 Jahren Existenz endgültig aufgelöst.

Firmierungen der Germania-Brauerei AG

Zeitraum Firmierung Anmerkung
1869 – 1871 Brauerei Johann Georg Ningelgen  
1871 – 1874 Brauerei Johann Peter Weinreis  
1874 – 1876 Brauerei Gebr. Herriger  
1876 – 1878 Bayerische Dampf-Bierbrauerei Leo Fix  
1878 – 1899 Brauerei Leo Fix & Co  
1899 – 1922 Germania Brauerei Aktiengesellschaft 1903 wurde die Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer übernommen. Braubetrieb 1920/21 eingestellt
1922 – 1924 Germania Brauerei- und Handels-Aktiengesellschaft  
1924 – 1928/29 Germania Bank- und Handels-Aktiengesellschaft  
 

Übernommene / Vorgänger- / Nachfolger - Brauereien:
In der nachfolgenden Tabelle sind alle Brauereien aufgeführt, welche Übernommen wurden, Vorgänger- oder Nachfolge-Brauereien waren. Für manche dieser Brauereien gibt es auf dieser Website eine eigene Brauereihistorie, welche über den angegebenen Link aufgerufen werden kann.
Brauerei von - bis / übernommen von / Anmerkungen Brauereihistorie
Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer 1857-1903, fusioniert 1903 mit der Germania-Brauerei
Balsam Bergische - Löwenbrauerei 1919-1948, die Balsam Bergische - Löwenbrauerei übernahm 1920 Teile der Germania-Brauerei
 

Historische Bilder
 
(WF001) [19, 08.02.1885]
Anzeige der Brauerei Leo Fix & Co. zur Eröffnung eines Brauereiausschanks in der Schildergasse. Im Ausschank: Niedermendiger Lagerbier
 
                                                                                                                             
 
(BK003) [unbekannt]
Briefkopf der Germania-Brauerei von April 1903. "vorm. L. Fix & Co" wird noch aufgeführt. Der Briefkopf wurde zumindest schon seit 1900 verwendet. Wie realistisch die Abbildung der Brauereigebäude war, ist unklar. Typisch für die damalige Zeit aber die rauchenden Schornsteine, die im Gegensatz zu heute damals Modernität und Leistungsfähigkeit ausdrücken sollten. Auch hat es den Anschein, dass ganz Mülheim eine Industriezentrum ist. Im Hintergrund sind nur eine Kirche, aber über 20 Schornsteine zu sehen
 
(BK005) [unbekannt]
Briefkopf der Germania-Brauerei von September 1904. Identisch mit BK003, nur zusätzlich ist mit Schreibmaschine unter "vorm. L. Fix & Co" noch "und Jonas Kreutzer" eingetragen. Hintergrund ist, dass im Jahr 1903 die "Mülheimer Brauerei-Ges. vorm. Jonas Kreutzer" übernommen wurde
 
(BK006) [unbekannt]
Briefkopf der Germania-Brauerei von März 1906. Das Layout ist stark versachlicht,
der Name "Fix" taucht nicht mehr auf
 
(PK001) [unbekannt]
Postkarte "Gruß aus Stammheim". Zu sehen ist unter anderem die Restauration Wilhelm Henk, an der oben rechts ein Werbeschild der Germania-Brauerei angebracht ist
  
(SPK001)
Nachzeichnung des Werbeschilds auf PK001
 
 
(WZ001)
Warenzeichen "Cölner Funkenbräu" aus dem Jahr 1910,
Eingetragen von der Germania-Brauerei Act. Ges.
 
(FF001) [14]
Zur goldenen Hochzeit am 1. September 1879 bekamen der Mülheimer Pfarrers Carl Friedrich Noell und seine Frau Louise ein Hochzeitsbuch geschenkt. Darin enthalten waren Fotos aller Gratulanten, darunter auch ein Foto von Leo Fix.
 
(W001) [18, 02.06.1914]
Werbung der Germania-Brauerei aus dem Jahr 1914
 
 
(F001) [unbekannt]
Foto der Restauration "Stammheimer Häuschen" aus dem Jahr 1914. Zwischen den beiden linken Fenstern ist ein Hinterglas-Werbeschild der Germania-Brauerei zu sehen
 
 (SF001)
Nachzeichnung des Werbeschilds auf F001
(F002) [unbekannt]
Foto der Restauration "Haus Kürten" aus dem Jahr 1914. Links neben der Tür ist ein Werbeschild der Germania-Brauerei zu sehen
 
(SF002)
Nachzeichnung des rechten Werbeschilds auf F002
 
   
(WB006) [18, 02.06.1914]
Werbung des Hotel-Restaurant "Zum Markgrafen" aus dem Jahr 1914. Im Angebot sowohl Export-Bier der Niedermendiger Akteinbrauerei als auch Pilsener Bier der Germania-Brauerei.
(W005) [#, 03.06.1911]
Zum Auschank in der Wirtschaft von M. Wischet gelangt: "das allgemein beliebte Lagerbier und Kölner Funken-Bräu (echt Kölsch) aus der Germania-Brauerei A.-G. Mülheim. Anzeige aus dem Jahr 1911
                                                                                            
 

Anmerkungen
» In einem Brauereiverzeichnis aus dem Jahr 1898 wird als Adresse für die Brauerei Leo Fix & Co. die Wallstraße 141 (also nicht wie in anderen Verzeichnissen, u.a. einem Adressbuch aus dem Jahr 1884, die Hausnummer 17) angegeben. Der Hintergrund (Neunummerierung, anderer Standort, …) ist unklar
» Eine Marke der Germania-Brauerei war das „Cölner Funkenbräu“ (siehe auch abgebildetes Warenzeichen)
» Mülheim war bis 1914 eine eigenständige Stadt. Dies hilft bei der Altersbestimmung. Wenn Cöln/Köln genannt wird, ist der Entstehungszeitpunkt mutmaßlich 1914 oder später
» Die Germania-Brauerei besaß und betrieb eine eigene Restauration in Bonn, die "Germaniahalle" in der Friedrichstraße 4. Gesichert ist dies zumindest für das Jahr 1914 [6]
» Peter Weinreis führte den Vorgänger der Germania-Brauerei von 1871 bis 1874. Der gleiche Peter Weinreis gründete auch im Jahr 1857 den Vorgänger der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft, also der Brauerei, mit der die Germania-Brauerei im Jahr 1903 fusionierte
 

Glaskrüge
(GK001)
Germania-Exportbier Cöln-Mülheim
0,35 L geeicht
(Sammlung Mühlens)
 
(GK002)
Ohne Druck, Glasprägung "Germania-Brauerei Mülheim Rhein" im Boden. 7/20 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
(KZ001)
Germania-Brauerei Mülheim (Rhein)
0,4 L geeicht
(KZ005)
Zinndeckel (vermutlich von einem neutralen Glaskrug) der Germania-Brauerei
(unbekannte Sammlung)
(KZ004)
Zinndeckel (vermutlich von einem neutralen Glaskrug) der Germania-Brauerei mit dem Stadtwappen von Mülheim
(unbekannte Sammlung)

Tonkrüge
 
(KZ003)
Germania-Brauerei Act.-Ges. Mülheim (Rhein)
vermutlich 1 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
 
(K001)
Germania-Brauerei Act.-Ges. Mülheim (Rhein)
1 L geeicht
(Sammlung Mühlens)
                                        
 
(KZ001)
Germania-Brauerei Mülheim (Rhein)
0,4 L geeicht (kleine Variante von KZ003)
(Sammlung Mühlens)
(K002)
Germania Brauerei Aktiengesellschaft Mülheim Rhein.
0,4 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
 

Bierdeckel
   
(001)
"Germania-Brauerei Akt.-Ges. Mülheim (Rhein)"
"Feinstes Exportbier, Spezialität: Germania Böhmisch (Pilsner Ersatz)
(unbekannte Sammlung)
                                                                                                                                            
                                                                                                               

Prägeflaschen
(1006) (1050) (023) (238) (1016)
"Bierbrauerei von L. FIX & Cie"
ca. 0,4 l
(Sammlung Liesack)
"Germania-Bräu"
ca. 0,8 l
(Sammlung Wohlan)
"Germania-Brauerei Act.-Ges."
ca. 0,3l
"Germania-Brauerei Act.-Ges."
ca. 0,75l
"GB"(Halsprägung)
ca. 0,35 l
(Sammlung Liesack)
 
 
 
 
 
Quellen
1 Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 1898, Verlag von Eisenschmidt & Schulze, Leipzig
3 Die Deutschen Brauereien im Besitze von Aktien-Gesellschaften, Verlag für Börsen- und Finanzliteratur A.-G., 1902
4 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 8. Jahrgang, 1910, Verlag von Eisenschmidt & Schulze GmbH, Leipzig
5 Die Deutschen Brauereien im Besitze von Aktien-Gesellschaften, Verlag für Börsen- und Finanzliteratur A.-G., 1911
6 Adressbuch der Stadt Bonn, Druck und Verlag J.F. Carthaus, Bonn, Jahrgang 1914/1915
7 "Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
8 "Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger", Berlin, Ausgaben
9 Adressbuch der Stadt Köln, Verlag Greven, Ausgaben 1915, 1925
10 https://www.dilibra.com/ahnenforschung/47-00112-stammbaum-dr-felix-adam-herriger-kempen-viersen-nordrhein-westfalen (Ahnenpaß von Felix Herriger)
11 Kaufmännisches Adreßbuch für die Rheinprovinz, Band 1: Reg. Bez. Köln 1884
12 Grosses Adressbuch der Kaufleute, Fabrikanten und handelnden Gewerbsleute von Europa und den Hauptpläzen der fremden Welttheile. No. 4 Rheinpreussen und Westphalen. Nürnberg, 1842. Verlag von C. Leuchs & Co.
13 Adressbuch der Gruben, Hütten, Maschinenfabriken in Deutschland und der oest.-ung. Monarchie. M. Stern, Leipzig, Verlag von F. Lorber. 1876
14 http://www.geschichte-kirche-koeln-muelheim.de/uploads/media/Fix-Leo.pdf (Foto von Leo Fix)
15 Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, Verlag Hoppenstedt & Co., Ausgaben 1918/19, 1923/24, 1930
16 Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Köln, 1862, Langen’sche Buchdruckerei, Köln
17 Die Deutschen Brauereien, Firmenjahrbuch des Deutschen Brauer-Bundes, Verlag für Rechts- und Wirtschaftsliteratur A.-G., Berlin u. Leipzig, 1934
18 Kölner Lokal-Anzeiger, Ausgabe 03.06.1911, 02.06.1914
19 Kölner Sonntags-Anzeiger, Ausgabe 08.02.1885