Unternehmensgeschichte der Brauerei "Im Kaiser"
 
 
 
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Unternehmensgeschichte
Die Ursprünge der Brauerei „Im Kaiser“                              
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Gottfried Lölgen (1813)-(1831)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Mathias Joseph Lölgen ((1835)-1839)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Witwe Therese Lölgen (1839-1849)
Die Brauerei „Zum Kaiser Franz“ unter Führung von Mathias Josef Lölgen (1849-1861)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Johannes Baptist Jonen (1861)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Michael Giersberg (1861-1867)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Gerhard Lindlau (1867-1873)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Gerhard Helmig (1874-1875)
Die Restauration „Im Kaiser“ unter Führung von Joseph Arentz (1877-1878)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Anton Büttgenbach (1879-1880)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Arnold Hubert Zündorf (1880-1884)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Peter Zündorf (1884-1898)
Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Wilhelm Weismantel (1898-1901)
Die Restauration „Im Kaiser“ unter Führung von Jean Gernert (1901-1903)
Die Restauration „Im Kaiser“ unter Führung von Conrad Droullier (1903-1905)
Das „Obergärige Brauhaus Im Kaiser“, Berresheim & Graeff (1906-1909)
Das „Obergärige Brauhaus Im Kaiser“, Amandus Graeff (1909-1919)
Die Zigarettenfabrik Michael Miglis (1920-1927)
Die Zigarettenhandlung von Jean Gierlich (1927-1928)
Die „Obergärige Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebe G.m.b.H.“ (1928-1935)
Die „Obergärige Brauerei Im Kaiser“ von Johann Gierlich (1937-(1944))
Das Tanzlokal „Imperial“ von Ludwig Blatzheim ((1948)-1950)
Die Obergärige Bierbrauerei von Thea Maier-Kolter (1950-1954)
Die Restauration „Gereons-Bräu M. Neu K.G.“ (1955-1958)
Die Restaurationen von Peter Engelbertz, Heinz Vogel und Hans Blatzheim und das Ende des Kaiser (1959-(1973))
Übersicht der Firmierungen
Anmerkungen
Brauereiwerbemittel
Bierdeckel                                             
Etiketten                                             
Gläser                                             
Quellen
Quellenverzeichnis                                             
Ehrenfeld
Die Gründung der Kölner Vorstadt Ehrenfeld, Artikel aus dem Jahr 1907                                  

Die Ursprünge der Brauerei „Im Kaiser“
Die Brauerei „Im Kaiser“ war eine für Köln sehr typische Hausbrauerei. Mit viel Historie entstanden, in den letzten 100 Jahren des Bestehens von 20 verschiedenen Brauern geführt und nach dem zweiten Weltkrieg eingegangen. Aber sie hat auch einige Kuriositäten zu bieten. So wurde die Stadt Ehrenfeld (heute ein Kölner Stadtteil) dort gegründet und sie wurde auch zeitweise als türkische Zigarettenfabrik genutzt.
Wie so oft stammen auch bei der Brauerei „Im Kaiser“ die ältesten Nachweise von Wilhelm Scheben. Wilhelm Scheben war der führende Kölner Chronist und lebte von 1812 bis 1895 [5].
Die erste urkundliche Nennung der Brauerei stammt aus dem Jahr 1654, erwähnt wird sie als „Zum Kaiser am Ehrenthor“ im Besitz des zünftigen Brauers Johannes Herriger [6]. Wie lange die Brauerei zu diesem Zeitpunkt schon bestand ist unklar.
Nach dem Tode der Eheleute Herriger im Jahr 1735, verkaufte deren Sohn, der Stiftsherr von St. Aposteln, die Brauerei nebst großem Garten und zwei am Walle gelegenen Zinshäusern an den Brauermeister Johann Lölgen für die Summe von 1000 Thalern. Die bekannte Kölner Brauerfamilie Lölgen blieb auch für die nächsten 156 Jahre, bis zum Tod von Mathias Joseph Lölgen, dem letzten Vertreter der Familie Lölgen, Besitzer der Brauerei [4].
Geführt wurde die Brauerei aber auch von Personen außerhalb der Familie Lölgen. Der letzte bekannte zünftige Brauer war Hubertus Breuer. Im Kölner Adressbuch des Jahres 1797 ist folgender Eintrag zu finden: „Auf der Ehrenstrasse 4027, Hubert Breuer, Bierbrauer“ [32].
Die Familie Lölgen war im Jahr 1797 also weiterhin Besitzer der Brauerei im Kaiser, die aber von Hubert Breuer betrieben wurde. Zeitgleich waren 2 weitere Mitglieder der Familie Lölgen als Brauer in Köln tätig. Zum einen war dies Johann Adam Lölgen (In der Weidengasse 3364, heutige Nummer 11) und zum anderen Mathias Lölgen (Aufm Eigelstein 3424, heutige Nummer 123, Vorgängerbrauerei des Kölsche Boor ).
(KK017) [15]
Kreuter-Karte der Ehrenstraße aus den 1840er Jahren. Ein Klick auf die Grafik zeigt das Brauhaus im Kaiser (Hausnummer 86) im Detail. Bei der Umgestaltung der Ehrenstraße im Jahr 1894 wurde das Brauhaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Gottfried Lölgen (1813)-(1831)
Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts übernahm die Familie Lölgen, der die Brauerei weiterhin gehörte, wieder die Führung der Brauerei. Gesichert ist dies ab dem Jahr 1813 durch folgenden Eintrag im Kölner Adressbuch des Jahres 1813: „Lölgen (G.) R. d’Honneur n. 86“ [33]. Zu dieser Zeit, noch unter französischer Besatzung, waren die Straßennahmen noch in französischer Sprache (Honneur = Ehre), die Hausnummern der Franzosen aber bereits wieder abgeschafft.
Gemeint ist hier Gottfried Lölgen, der die Brauerei nachweislich bis mindestens ins Jahr 1831 führte [44].
Gottfried Lölgen selbst wird auch schon im Adressbuch des Jahres 1797 erwähnt, allerdings nicht als Brauer, sondern als tätig „…in Wein und Früchten…“.
Die bekannten Nachweise stammen fast ausschließlich aus den Kölner Adressbüchern dieser Zeit, wobei es auch eine Erwähnung von Gottfried Lölgen in den Zeitungen dieser Zeit im Kontext einer „Kriminal-Prozedur" gegen Christian Hamacher“ gibt. Dort ist von „…G. Lölgen, Bierbrauer zu Köln …“ die Rede [31]. Auch der Name „Im Kaiser“ wird einmal genannt. Dies im Rahmen einer öffentlichen Länderei-Verpachtung, die „…hierselbst beim Bierbrauer Herrn Loelgen auf der Ehrenstraße im Kaiser …“ stattgefunden hat [30].
Die Familie Lölgen war zu dieser Zeit, im Jahr 1813, mit 3 Familienmitgliedern auf dem Kölner Braumarkt präsent. Außer Gerhard Lölgen waren noch Jean Adam Lölgen in der Rue des Saules n. 11 (Weidengasse) und Georg Lölgen in der Rue des Fouleurs n. 90 (Follerstraße) als Brauer tätig [33].
Der Vorgänger, Hubert Breuer, war im Jahr 1813 ebenfalls noch als Brauer tätig, und zwar in der Rue Large n 126 (Breite Straße).
Von Gottfried Lölgen ist weiter nur bekannt, dass er am 02. Dezember 1837, also schon zu einer Zeit, an der er nicht mehr Brauer im Kaiser war, die aus Boslar (heute zur Stadt Linnich im Kreis Düren gehörend) stammende Maria Magdalena Liedgens heiratete [30]. Er wird in der Heiratsanzeige noch als Brauer bezeichnet, wo er tätig war ist aber nicht bekannt.

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Mathias Joseph Lölgen ((1835)-1839)
Mathias Joseph Lölgen war vermutlich der Sohn von Gottfried Lölgen. Er führte die Brauerei im Kaiser von Mitte der 1830er Jahre bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1839. Bekannt ist noch, dass er verheiratet war und mit dem gleichnamigen Mathias Joseph und mit Johann Wilhelm 2 Söhne hatte. Weitere Informationen sind nicht bekannt.

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Witwe Therese Lölgen (1839-1849)
Nach dem Tod ihres Mannes Mathias Joseph Lölgen im Jahr 1839 übernahm dessen Witwe Therese Lölgen die Führung der Brauerei im Kaiser.
Außer einigen Veranstaltungsanzeigen, u.a. traf sich dort die Karnevalsgesellschaft „Hanswurstliches Casino“, sind nur wenige Informationen zur Führung des Kaisers unter Witwe Lölgen bekannt. Highlight ist sicherlich, dass in den Gasträumen des Kaisers Mitte der 1840er Jahren die Stadt Ehrenfeld gegründet wurde. Diese immer wieder kolportierte Geschichte ist tatsächlich wahr und im Detail am Ende dieser Dokumentation beschrieben .
Bekannt ist weiter, dass Therese Lölgens Söhne, Mathias Joseph und Johann Wilhelm, bereits zu dieser Zeit in der Brauerei arbeiteten. Johann Wilhelm schlug aber bald darauf einen anderen Weg ein, im Jahr 1847 wird er als Kaufmann mit Wohnsitz Im Filzengraben aufgeführt [30].
Zu dieser Zeit waren auch 2 weitere Mitglieder der Familie Lölgen als Brauer tätig. Dies war zum einen Adam Lölgen, der eine Brauerei in der Johannisstraße 2 führte, und zum anderen Wilhelm Lölgen, welcher seine Brauerei in der Hohpforte 8 betrieb .
Therese Lölgen verstarb am 23. Juli 1849 im Alter von 78 Jahren. Ihr Sohn Mathias Joseph führte daraufhin die Brauerei weiter.
(W006) [30, 07.05.1845]
Versammlung der Mitglieder "Ehrenfeld" bei Witwe Lölgen in der Ehrenstraße 86. Anzeige aus Mai 1845
(W001) [30, 27.07.1845]
Die Liste zum Einzeichnen eines Grundstückes im geplanten Ehrenfeld liegt bei Witwe Lölgen offen. Anzeige aus Juli 1845
(W002) [30, 28.01.1849]
Das "Hanswurstliche Casino", eine damalige Karnevalsgesellschaft, trifft sich bei Witwe Lölgen. Anzeige aus dem Jahr 1849 

Die Brauerei „Zum Kaiser Franz“ unter Führung von Mathias Josef Lölgen (1849-1861)
Nach dem Tod seiner Mutter Therese Lölgen übernahm Mathias Joseph Lölgen im Jahr 1849 die Führung der Brauerei im Kaiser. Der im Jahr 1805 geborene Mathias Joseph Lölgen war zu diesem Zeitpunkt also bereits 44 Jahre alt.
Als erste Neuerung führte er den Namen „Zum Kaiser Franz“ ein. Der erste deutsche Kaiser dieses Namens war der römisch-deutsche König und Kaiser Franz I., dessen Regentschaft von 1745 bis 1765 dauerte. Die Brauerei führte das „Kaiser“ schon nachweislich seit 1654 im Namen, also zu einer Zeit, als weit und breit noch kein deutscher Kaiser namens Franz in Sicht war. Mathias Joseph Lölgen „entfremdete“ den Namen also, die Hintergründe hierfür sind unklar.
Laut Brauereiverzeichnis [11] wurde der Name „Zum Kaiser Franz“ von 1838 bis 1873 geführt. Mir ist aber nur ein einziger Nachweis für diese Benennung bekannt und diese stammt aus dem Kölner Adressbuch des Jahres 1849. Dort steht: „…Lölgen Math. Jos., Bierbr. (zum Kaiser Franz), Ehrenstr. 86…“ [35].
Im Jahr 1851 zeigte sich, dass nicht alle Mitglieder der Familie Lölgen erfolgreich waren. Johannes Adam Lölgen ging Bankrott und die verwertbaren Reste wurden unter seinen über 30 Gläubigern aufgeteilt, von denen Mathias Joseph Lölgen einer war.
Auch mit dem Heiraten war Mathias Joseph Lölgen späte dran. Im Dezember 1853, im Alter von 48 Jahren heiratete Mathias Joseph Lölgen die aus Urbach (heute ein Stadtteil von Köln nahe Porz) stammende, auch bereits schon 39 Jahre alte Anna Louise Kimmes [30]. Kurze Zeit später wurde ein Ehevertrag geschlossen, in dem eine Gütergemeinschaft vereinbart wurde [36].
Zwei Jahre später, im November 1855, kam mit Tochter Anna Maria Louise Wilhelmine ihr einziges Kind zur Welt [30].
Das Glück währte aber nicht lange. Nur 2 Jahre später, im Oktober 1859, verstarb Anna Louise Lölgen völlig unerwartet im Alter von nur 45 Jahren und hinterließ Mathias Joseph Lölgen mit seiner zweijährigen Tochter. Wie tief der Mathias Joseph Lölgen dieser Schicksalsschlag getroffen hat, lässt sich dem Text der Todesanzeige entnehmen:
[30, 02.10.1859] „…Es hat dem Allmächtigen in seinem unerforschlichen Rathsschlusse gefallen, mir gestern Nachmittags plötzlich und unerwartet, ohne vorherige Krankheit, meine liebe und unvergeßliche Gattin, Anna Louise, geb. Kimmes, aus Urbach, im 46. Jahre ihres Alters und im sechsten unseres so glücklichen und zufriedenen Ehestandes, von der Seite zu nehmen. Tief gebeugt stehe ich mit meinem einzigen Töchterchen, das nun so früh zur Waise geworden, am Sarge der theuren Dahingeschiedenen und beweine den unersetzlichen Verlust…“
 
Ein Jahr später gab Mathias Jospeh Lölgen das Geschäft auf, kaufte das direkt neben der Brauerei gelegene Haus Ehrenstraße 84 und setzte sich zur Ruhe.
[30, 23.12.1860] „…Vorläufige Anzeige. Wegen Aufgabe des Geschäfts läßt Herr Mathias Joseph Lölgen in seiner Wohnung Ehrenstraße Nr. 86 dahier durch den unterzeichneten Notar an einem noch näher zu bestimmenden Tage sein zur Bierbrauerei und Wirthschaft gehöriges Mobilar, bestehend in großen und kleinen Fässern, großen und kleinen Gährbottichen, Wirthschaftsmöbeln, als Tischen, Stühlen, Bänken, Oefen und dgl., sodann mehrere hundert Centner Malz etc. etc., öffentlich gegen Baarzahlung versteigern. Köln, den 21. December 1860. Landwehr, Notar…“
 
Die Brauerei verpachtet er an Johannes Baptist Johnen, Mathias Joseph Lölgen blieb also weiterhin Besitzer des Kaiser.
Da seine Frau nicht unerheblichen Grundbesitz mit in die Ehe gebracht hatte, kam es, wie eigentlich fast immer, zu Erbstreitigkeiten, die schlussendlich zwecks Teilung der Erbmasse in eine Zwangsversteigerung mündeten.
[30, 20.01.1861] „…In der gerichtlichen Teilungssache 1) der zu Urbach wohnenden Inhaberin einer Gastwirthschaft, Anna Maria Dresdach, Witwe Mathias Kimmes: 2) des Philipp Kimmes, Gastwirth und Oekonom daselbst; 3) der Elise Kimmes, ohne Gewerbe daselbst; 4) der Eheleute Wilhelm Blissenbach, Gast= und Ackerwirth, und Veronica. Kimmes, ohne besonderes Gewerbe, beide zu Ehreshofen wohnhaft, Kläger, vertreten vor Gericht durch Advocat-Anwalt Justizrath Correns; gegen den zu Köln wohnenden Bierbrauer Mathias Joseph Lölgen, für sich und als Testaments=Erbe seiner verstorbenen Ehefrau Anna Louise Kimmes und als gesetzlicher Vormund seines mit derselben gezeugten, noch minderjährigen Kindes Anna Luise Lölgen, Verklagten, vertreten durch Advoccit=Anwalt Böcker; sollen in Folge der Urtheile des Königl. Landgerichts zu Köln vom 18. Juni und 30. Juli 1860, abtheilungshalber, durch den unterzeichneten, hierzu committirten, zu Mülheim am Rhein wohnenden Königlichen Notar Johann Aubertin am Donnerstag den 7. Februar 1861 und nöthigenfalls an den folgenden Tagen, jedesmal Morgens 9 Uhr, in der Wohnung der Gastwirthin Witwe Mathias Kimmes zu Urbach, die nachbeschriebenen, in den Gemeinden Urbach, Elsdorf, Wahn und Rösrath, Kreis Mülheim am Rhein, gelegenen Immobilien unter Zugrundelegung der dabei angegebenen Taren öffentlich zur Versteigerung ausgestellt werden, nämlich: A. Immobilien in der meinde Urbach gelegen, Artikel 293 der Mutterrolle... B. Immobilien in der Gemeinde Elsdorf gelegen, Urtitel 161 der Mutterrolle ... C. Immobilien in der Gemeinde Wahn gelegen, Artikel 234 der Mutterrolle ... D. Gemeinde Rösrath ... Bedingnißheft liegt bei dem Unterzeichneten zur Einsicht offen. Mülheim am Rhein, 3. December 1860. Aubertin.
 
Zur Versteigerung standen insgesamt 30 Grundstücke und 3 Häuser.
Ab dem Jahr 1862 wird Mathias Joseph Lölgen als Rentner tituliert [37]. Ganz zur Ruhe kam er aber nicht, er war schon seit langem Mitglied im Wohltätigkeitsverein „Meisterschaft“, im kleinen Rath der großen Kölner Karnevalsgesellschaft und auch Mitglied im Kölner Bienenzucht-Verein [30].
Im Jahr 1869 ging es dann in die Politik, Mathias Joseph Lölgen ließ sich als Kandidat für die Liberalen als Kandidat für die Stadtratswahlen aufstellen. Die gefiel anscheinend nicht allen, tags darauf wurden Anzeigen geschaltet, die sich namentlich gegen die Wahl von Mathias Joseph Lölgen aussprachen.
[30, 04.11.1869] „…Stadtrathswahl. Anstatt M.J. Lölgen kann jede Partei J. Lütgenden allenthalben bekannten thätigen Bürger wählen. Viele Wähler jeder Partei…“
 
Wie die Wahl ausging ist nicht bekannt.
Mathias Joseph Lölgen starb am 6. März 1891 im Alter von 85 Jahren.
(W003) [30, 02.12.1849]
Das "Hanswurstliche Casino" versammelt sich bei Herrn M. J. Lölgen in der Ehrenstraße 86. Anzeige aus Dezember 1849
(W008) [30, 16.12.1853]
Heiratsanzeige von Mathias Joseph Lölgen, welcher im Dezember 1853 die aus Urbach stammende Anna Louise Kimmes heiratete  
(W004) [30, 02.10.1859]
Todesanzeige von Anna Louise Lölgen geb. Kimmes, welche im Jahr 1859 im Alter von 45 Jahren verstarb  
(W005) [30, 27.03.1861]
"Wegen Aufgabe des Geschäfts läßt der frühere Bierbrauer Herr Mathias Joseph Lölgen ... öffentlich gegen Baarzahlung versteigern". Anzeige aus März 1861  
 
(W009) [30, 03.11.1869]
Im Jahr 1869 kandidierte Mathias Joseph Lölgen für die liberale Partei für den Kölner Stadtrat
(W012) [30, 04.11.1869]
Persönliche Anfeindung gegen Mathias Joseph Lölgen. "Viele Wähler jeder Partei" riefen namentlich dazu auf, Mathias Joseph Lölgen nicht zu wählen

 

(W013) [30, 05.11.1869]
Weitere Anzeige von "vielen Wählern aller Parteien" mit der Aufforderung anstelle von Mathias Joseph Lölgen den "biederen und schlichten Bürger J. Lütgen" zu wählen
 
   
(W011-2) [30, 07.03.1891]
Todesanzeige von Mathias Joseph Lölgen, welcher am 7. Juli 1891 im Alter von 85 Jahren verstarb
(W010) [30, 07.03.1891]
Todesanzeige von Mathias Joseph Lölgen. Geschaltet wurde die Anzeige vom Wohltätigkeitsverein "Meisterschaft", dessen langjähriges Mitglied Mathias Joseph Lölgen gewesen war
                                                            

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Johannes Baptist Jonen (1861)
Bevor Johann Baptist Jonen im Januar 1861 die Führung der Brauerei von Mathias Joseph Lölgen übernahm, war er bereits fast 30 Jahre in anderen Brauereien als Brauer tätig gewesen.
Im Jahr 1833 übernahm der damals 25-jährige Johann Baptist Johnen nach dem Tod seines Vaters „… nach freundlicher Auseinandersetzung mit seinen Geschwistern…“ die Brauerei An Lyskirchen 3, das spätere Brauhaus Bröhl [38] .
[38, 08.05.1833] „…Todes=Anzeige. Wir beehren uns unsern entfernten Freunden und Bekannten die traurige Anzeige zu machen, daß unser vielgeliebter und geschätzter Vater, Johann Egidius Johnen, am 27. v. M. an den Folgen eines Brustübels sanft dem Herrn entschlief. Indem wir uns dieser traurigen Pflicht hiermit entledigen, halten wir uns übrigens jeder stillen Theilnahme überzeugt. Die Kinder des Verstorbenen. Mit Bezug auf vorstehende Anzeige werde ich von nun an nach freundschaftlicher Auseinandersetzung mit meinen Geschwistern und im Willen meines verstorbenen Vaters das von ihm hinterlassene, seit Jahren rühmlichst bestandene und bekannte Bierbrauereigeschäft für meine eigene Rechnung fortsetzen; das meinem Vater sel. geschenkte Zutrauen bitte daher auch auf mich übergehen zu lassen und versichert zu sein, daß ich durch prompte und reelle Bedienung mich jedes Zuspruches würdig beweisen werde. Köln, im Mai 1833. Johann Baptist Johnen, an Lyskirchen Nro. 3.
 
Johann Baptist Johnen war verheiratet, mit seiner Frau Theodora, geb. Mestrum, hatte er sechs gemeinsame Kinder (1835: Maria Catharina Walburga, 1837: Hermann Quirin Joseph, 1839: Anna Maria Gertrude, 1843: Engelbert Joseph Hubert, 1848: Elisabeth Phil. Walburga, 1850: Johann Jakob Hubert Joseph), wobei der mittlere Sohn bereit im Alter von 2 Jahren verstarb [30,36].
Auch „Mestrum“, der Mädchenname seiner Frau, lässt auf eine Verbindung zum Kölner Brauwesen schließen. Zumindest gab es in den 1860er bis 1880er Jahren mindestens 2 Brauer dieses Namens.
Im Jahr 1840 wurde die Brauerei neu erbaut und auch 2 Fremdenzimmer eingerichtet.
Die Folgejahre verliefen unauffällig, bevor Johann Baptist Jonen im Jahr 1855 für fallit (zahlungsunfähig) erklärt wurde. Die finanzielle Lage muss derart schlecht gewesen sein, dass wohl Fluchtgefahr bestand und Johann Baptist Jonen im Schulden-Arresthaus eingesperrt wurde. Es folgten ein Ausverkauf und eine Zwangsversteigerung. Johann Baptist Jonen war Eigentümer der Brauerei in der Ehrenstraße 86 und der Erlös der Zwangsversteigerung reichte für die Tilgung seiner Schulden.
Johann Baptist Johnen kam schnell wieder auf die Beine und übernahm kurze Zeit später das Ursula-Bräu / Em Birbäumche am Ursulaplatz 5-7 .
Am 1. April 1861 eröffnete Johann Baptist Jonen dann seine Brauerei in der Ehrenstraße 86, nachdem er sie bereits im Januar 1861 von Mathias Joseph Lölgen übernommen hatte, welcher aber weiterhin Eigentümer der Brauerei blieb.
[30, 31.03.1861] „…Wirthschafts-Schließung und Eröffnung. Meinen geehrten freunden und Gönnern die ergebene Anzeige, daß ich mit heute die bis dahin geführte Brauerei und Wirthschaft in dem Hause Ursulastraße 5 geschlossen habe, und nehme Bezug auf die bereits im Januar c. Statt gefundene Übernahme der Bierbrauerei und Wirthschaft Ehrenstraße 86 (vorm. M.J. Lölgen) mit dem ergebenen Ersuchen, das mir bis dahin geschenkte Wohlwollen auf ferner zu erhalten, und bitte bei der am Oster-Montag zu eröffnenden Kegelbahn und Gartenwirthschaft um geneigten Zuspruch. Köln, den 1. April 1861. J.B. Jonen, Ehrenstraße 86
 
Johann Baptist Jonen betrieb die Brauerei „Im Kaiser“ vom 1. April 1861 bis zum 28.12.1861, also ganze 9 Monate. Die Hintergründe, warum der damals 53-jährige kein Jahr durchhielt, sind nicht bekannt. Auch ist nicht bekannt, was er im Anschluss an die Aufgabe der Brauerei machte.
Johann Baptist Johnens Sohn Hermann Quirin Jonen stieg ebenfalls ins Brauwesen ein und führte von 1867 bis 1872 eine Brauerei in der Venloer Straße 45.
Johann Baptist Johnen starb am 20. April 1878 im Alter von 70 Jahren.
 
(W011) [30, 12.01.1861]
Anzeige zur Geschäftsübertragung des Kaisers von Mathias Joseph Lölgen and Johann Baptist Jonen aus Januar 1861
(WJ001) [30, 31.03.1861]
Anzeige von Johann Baptist Jonen aus April 1861 zur Eröffnung der Brauerei in der Ehrenstraße 86 und zur gleichzeitigen Schließung seiner bisher in der Ursulastraße 5 betriebenen Brauerei
(W005) [30, 22.04.1878]
Todesanzeige von Johann Baptist Johnen, der im April 1878 im Alter von 70 Jahren an einem "Gehirnleiden" verstarb
 

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Michael Giersberg (1861-1867)
Am 28. Dezember 1861 eröffnete Michael Giersberg die von Johann Baptist Jonen übernommene Brauerei in der Ehrenstraße 86.
[30, 28.12.1861] „…Wirtschafts-Eröffnung. Mit dem heutigen Tage eröffne ich in dem Hause Ehrensraße 86, genannt zum Kaiser, eine Brauerei und Restauration und werde mir durch gute Getränke, schmackhafte Speisen und prompte Bedienung das Zutrauen meiner verehrten Gäste und Gönner zu erwerben suchen. Köln, 28. December 1861. Michael Giersberg. Im selbigen Locale können zwei Säle an Gesellschaften abgegeben werden.
 
Im Januar 1860 hatte Michael Giersberg die aus Nettekoven (eine Ortschaft der Gemeinde Alfter bei Bonn) stammende Magdalena Lieberz geheiratet.
Über seine Zeit als Brauer im Kaiser ist nicht viel bekannt. Er veranstaltet Preiskegeln und Karnevalsvereine mit so kuriosen Namen wie „Drunner donn ma et nitt“ (drunter machen wir es nicht) oder „Nevver nitt zo vill“ (niemals nicht zu viel) versammelten sich bei ihm im Kaiser.
Ende Juli 1867 schaltete Michael Giersberg die Anzeige: „…Eine Bierbrauerei wird zu miethen gesucht…“. Eine Woche später schaltetet Joseph Lölgen, der Besitzer der Brauerei „Im Kaiser“ ebenfalls eine Anzeige, in der ein Nachmieter gesucht wurde: „...Bierbrauerei Ehrenstraße 86, zu vermieten. Bescheid beim Eigentümer Ehrenstraße 84, 1. Etage…“ [30].
Michael Giersberg wurde fündig, verließ die Ehrenstraße und übernahm im September 1867 die schon seit langem bestehende Brauerei am Blaubach 33 von Johannes Adam Billstein. Die ersten beiden Jahre firmierte die Brauerei noch unter „Billstein & Giersberg“, ab 1869 dann nur noch als „Brauerei Michael Giersberg“.
Michael Giersberg führte die Brauerei bis in Jahr 1873, in dem sie geschlossen und alles Inventar versteigert wurde [30]. Die Gründe für die Schließung sind ebenso unklar wie der Verbleib von Michael Giersberg.
(W001) [30, 28.12.1861]
Anzeige zur Eröffnung der Brauerei und Restauration von Michael Giersberg, "genannt zum Kaiser" am 28. Dezember 1861
(W002) [30, 22.08.1862]
Preiskegeln im alten Kaiser. Anzeige aus dem Jahr 1862
(W008) [20, 23.08.1863]
Anzeige der Karnevalsgesellschaft "Drunger dunn mer et nitt". Damen-Comite bei Giersberg in der Ehrentraße 86. Anzeige aus dem Jahr 1863 
 
(W003) [20, 03.01.1864]
Anzeige der Karnevalsgesellschaft "Drunger dunn mer et nitt". Damen-Comite bei Giersberg in der Ehrentraße 86. Anzeige aus dem Jahr 1864
(W004) [30, 22.01.1865]
Anzeige der Karnevalsgesellschaft "Nevver nitt zo vill". Damen-Comite bei Herrn Giersberg in der Ehrentraße 86. Anzeige aus dem Jahr 1865
(W006) [30,23.06.1867]
Michael Giersberg sucht eine neue Brauerei zu mieten. Anzeige aus Juni 
(W005) [02.07.1867]
Die Brauerei in der Ehrenstraße 86 steht im Juli 1867 zu vermieten. Besitzer der Brauerei war der nebenan in Nr. 84 wohnende Mathias Joseph Lölgen 
(WBB_001) [30, 27.09.1867]
Im Juli 1867 startete Michael Giersberg seine Suche nach einer anderen Brauerei, wurde fündig und übernahm im September 1867 die schon seit längerem bestehende Brauerei von Johannes Adam Billstein am Blaubach 33

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Gerhard Lindlau (1867-1873)
Gerhard Lindlau stammte aus einer Brauerfamilie und erlernte das Handwerk vermutlich in der elterlichen, Am alten Ufer 9 gelegenen Brauerei, welche von 1841 bis 1863 bestand. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1844 wurde die Brauerei von dessen Witwe Anna Catharina Lindlau weiter betrieben.
Im Jahr 1860 übernahm Gerhard Lindlau eine seit dem Jahr 1855 bestehende Brauerei in der Steinfelder Gasse 1 und führte diese bis zur Übernahme des Kaisers im Jahr 1867.
Quasi zeitgleich zu Eröffnung der Brauerei in der Steinfelder Gasse, im April 1860, heiratete Gerhard Lindlau die aus Melaten (damals noch ein Stift außerhalb der Stadt, heute ein Friedhof innerhalb) stammte [30]. Es war auch höchste Zeit, den gut 6 Monate später kam ihr erstes gemeinsames Kind Anna Catharina zur Welt. Ihr folgten 4 weitere Kinder (1862: Leopold Ferdinand Hubert, 1863: Johann Gerhard, 1867: Maria Therese, 1870: Hermann Joseph Jacob), von denen aber die beiden letztgeborenen Söhne bereits im Kindesalter verstarben.
Im Dezember 1867 übergab Gerhard Lindlau die Brauerei in der Steinfelder Gasse an Peter Joseph Esser und eröffnete seine Brauerei „Im Kaiser“.
[30, 21.12.1867] „…Wirthschafts-Eröffnung. Mit dem heutigen Tage eröffne ich Ehrenstraße Nr. 86 „Zum Kaiser“ meine Bierbrauerei und Restauration. Durch vorzügliches Bier, so wie gute Speisen und aufmerksame Bedienung werde ich das mir bisher geschenkte Wohlwollen meiner Freunde und Gönner zu erhalten suchen. Köln, 21. December 1867. Gerhard Lindlau, früher Steinfeldergasse Nr. 1…“
 
Die 6 Jahre des Betriebes der Brauerei verliefen ruhig. Gerhard Lindlau schaltete Anzeigen, veranstaltete Konzert, verkaufte Malz und die Karnevalsgesellschaft „Kraff-Zupp“ („Kraft-Suppe“) hielt ihre Veranstaltungen im Kaiser ab.
Im August 1973 stand die Brauerei dann auf einmal zu vermieten und 2 Wochen später startete „verziehungshalber“ der freiwillige Verkauf des Inventars.
[30, 19.10.1873] „…Freiwilliger Verkauf. Am Dinstag den 21. October 1873, Vormittags 10 Uhr, wird der Unterzeichnete in dem Hause Ehrenstraße 86 zu Köln, verzeihungshalber sämmtliche Brauerei-Geräthschaften so wie Fässer verschiedener Größe an den Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung verkaufen. Der Gerichtsvollzieher, Brandt…“
 
Häufig bzw. üblicherweise gingen die Brauer pleite, ein freiwilliger Wechsel der Brauerei ist eigentlich die Ausnahme. Auf den Kaiser bezogen war dies wohl aber eher die Regel. Vielleicht lag es ja am Besitzer Mathias Joseph Lölgen, der gleich nebenan in der Ehrenstraße 84 wohnt.
Bereits am 1. November 1873 eröffnete Gerhard Lindlau seine neue Brauerei in der Hahnenstraße 30.
[30, 31.10.1873] „…Wirthschafts-Eröffnung. Ich zeige hiermit an, daß ich meine Wirthschaft von Ehrenstraße 86 verlege und dieselbe mit dem 1, November Hahnenstraße 30 eröffne. Gerhard Lindlau…“
 
Die Brauerei in der Hahnenstraße war eine Neugründung, stand aber unter keinem guten Stern. Bereits nach 3 Jahren, im Juni 1876, verstarb Gerhard Lindlau im Alter von nur 45 Jahren, „nach längerem schweren Leiden“, wie auf der Todesanzeige zu lesen ist. Daraufhin wurde die Brauerei in der Hahnenstraße geschlossen und nicht weitergeführt.
(W010) [30, 21.12.1867]
Anzeige von Gerhard Lindlau vom 21. Dezember 1867 zur Eröffnung seiner Bierbrauerei und Restauration "Zum Kaiser" in der Ehrenstraße 86
 
(W014) [30, 21.12.1907]
Weitere Eröffnungsanzeige, welche am gleichen Tag in der gleichen Zeitung erschien. Allerdings ist hier "Zum Kaiser" nicht erwähnt
(W011) {30, 21.12.1867]
Schon am Tage der Brauereieröffnung trifft sich die Karnevalsgesellschaft "Kraff-Zupp" in ihrem neuen Lokal bei Herrn Lindlau
(W012) [30, 11.04.1868]
Im April 1868 wurde die Restauration um eine Gartenwirtschaft und eine Kegelbahn erweitert
(W001) [30, 16.05.1868]
Gerhard Lindlau bringt seine Gartenwirtschaft in empfehlende Erinnerung. Anzeige aus dem Jahr 1868
(W002) [30, 13.12.1868]
Vorzüglichen Knupp für Wöchnerinnen empfiehlt die Bierbrauerei von Gerhard Lindlau. Anzeige aus dem Jahr 1868
(W003) [30, 06.02.1869]
Die Karnevalsgesellschaft "Kraff-Zupp" veranstaltet eine Damensitzung bei Gerhard Lindlau. Anzeige aus dem Jahr 1869
(W013) [30, 22.10.1869]
Gutes Bier in der Ehrenstraße 86. Anzeige aus dem Jahr 1869
(WSG001) [30, 07.04.1860]
Am 7. April 1860 eröffnete Gerhard Lindlau eine Wirthschaft in der Steinfeldergasse 1.  
(W004) [30, 16.04.1870]
Ostermontags-Konzert "im alten Kaiser" bei Herrn Lindlau. Anzeige aus dem Jahr 1870 
(W005) [30, 03.07.1872]
Einige 100 Zentner Braumalz zu verkaufen. Anzeige aus dem Jahr 1872 
(W006) [30, 13.09.1873]
Im September 1873 steht die Brauerei wieder zu vermieten
(W006-2) [30, 27.09.1873]
Das Ende naht, freiwilliger Verkauf von Brauerei-Gerätschaften und Wirtschafts-Möbeln. Anzeige aus Ende September 1873
 
(W007) [30, 04.10.1873]
Weitere Verlaufsanzeige aus Oktober 1873. "Wegen Aufgabe des Geschäfts ..."
(W008) [30, 19.10.1873]
Weitere Anzeige des freiwilligen Verkaufs aus Oktober 1873
 
(W009) [30, 31.10.1873]
Am 1. November 1873 ist es soweit. Gerhard Lindlau schließt seine Wirtschaft in der Ehrenstraße 86 und eröffnet gleichzeitig seine neue Wirtschaft in der Hahnenstraße 30
(W015) [30, 17.06.1876]
Todesanzeige von Gerhard Lindlau, welcher am 16. Juni 1876 im Alter von 45 Jahren verstarb
((W016) [30, 17.06.1876]
Weitere Todesanzeige von Gerhard Lindlau, von welcher Gesellschaft, ist unklar
                                            

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Gerhard Helmig (1874-1876)
Es dauerte fast ein Jahr, bis der Kaiser im Mai 1874 von Gerhard Helmig wiedereröffnet wurde.
[30, 23.05.1874] „…Geschäfts-Eröffnung. Die heutige Eröffnung meiner Brauerei, Gartenwirthschaft und Kegelbahn in dem Hause Ehrenstraße 86 beehre ich mich meinen freunden und Gönnern ergebenst anzuzeigen. Gute Getränke und Speisen nebst prompter Bedienung versprechend, bitte um geneigten Zuspruch Gerh. Helmig. Köln, den 23. Mai 1874…“
 
Von Gerhard Helmig selbst ist nur wenig bekannt. Bekannt ist, dass er verheiratet war und im Jahr 1874 sein Sohn Johann Peter zur Welt kam. Geschäftlich hatte er nicht viel Glück, denn nicht mal 10 Monate nach der Übernahme, im März 1875, gab es schon eine Zwangsversteigerung, auf der Bier, Malz und weitere Brau-Zutaten versteigert wurden.
[30, 10.03.1875] „...Gerichtlicher Verkauf. In Folge Beschlusses des Königl. Landgerichts zu Köln vom 4. Februar 1875 sollen am Samstag den 13. März 1875, Vormittags 9½ Uhr, in dem Hause Ehrenstraße 86 zu Köln dem Meistbietenden gegen Baarzahlung verkauft werden: 5 Fässer mit Bier, 25 Malter Malz etc. Der Gerichtsvollzieher, Schmitz II…“
 
Mit dem Erlös wurden wohl die kurzfristigen Verbindlichkeiten gedeckt, aber von Dauer war das nicht. Die Brauerei wurde vermutlich im Dezember 1875 geschlossen, zumindest stand es ab diesem Datum wieder zu vermieten.
[30, 11.12.1875] „…Haus Ehrenstraße 86, zu jedem größeren Geschäfte geeignet, zu vermiethen. Bescheid daselbst…“
 
(W001) [30, 23.05.1874]
Anzeige zur Geschäfteröffnung der Brauerei von Gerhard Helmig in der Ehrenstraße 86 am 23. Mai 1874. Von "Kaiser" ist keine Rede
(W002) [30, 10.03.1875]
Zwangsversteigerung von Bier und Malz in der Ehrenstraße 86. Anzeige aus dem Jahr 1875 
(W003) [30, 23.06.1875]
Gutes Kölner Lagerbier fuder- oder ohmweise zu haben 
(W004) [30, 09.07.1875]
Ein Brauereigeselle wird in der Ehrenstraße 86 gesucht. Anzeige aus dem Jahr 1875
(W005) [30, 25.08.1875]
Echtes Kölner Lagerbier, zu haben in der Ehrenstraße 86
(W006) [30, 11.12.1875]
Die Brauerei in der Ehrenstraße 86 steht im Dezember 1875 wieder vermieten

Die Restauration „Im Kaiser“ unter Führung von Joseph Arentz (1877-1878)
Im Jahr 1877 wurde der Kaiser von Joseph Arentz wiedereröffnet, allerdings als Restauration, gebraut wurde dort nicht mehr [25]. Die Braupause dauerte aber nur knapp 2 Jahre, bereits im Oktober 1878 wurde die Restauration geschlossen und die Brauerei stand wieder zu vermieten.
[30, 26.10.1878] „…Bierbrauerei Ehrenstraße 86 zu vermiethen. Bescheid Ehrenstraße 84…“
 
Über Joseph Arentz selbst ist nichts gekannt.
     
(WH007) [30, 26.10.1878]
Im Oktober 1878 steht die Brauerei in der Ehrenstraße 86 erneut zu vermieten
                                                                                                                                                                

Die Restauration „Im Kaiser“ unter Führung von Anton Büttgenbach (1879-1880)
Im Jahr 1879 wurde die Brauerei „Im Kaiser“ von Anton Büttgenbach wiedereröffnet, es wurde wieder selbst gebraut. Von Anton Büttgenbach ist bekannt, dass er mit Jenny Müngersdorff verheiratet war und diese 2 gemeinsame Söhne hatten.
Kontinuität kam mit Anton Büttgenbach aber nicht, keine 2 Jahre nach der Eröffnung übergab er die Brauerei an Arnold Hubert Zündorf.
Der Kaiser war Anton Büttgenbachs erste Brauerei, aber nicht die letzte. Nachdem er den Kaiser aufgegeben hatte, eröffnete er noch im gleichen Jahr 1880 eine Brauerei in der Sternengasse 69. Diese Brauerei war eine Neugründung, die aber bereits ein Jahr später wieder geschlossen wurde.
Ebenfalls im Jahr 1880 übernahm er eine zweite schon lange bestehende Brauerei in der Kämmergasse 18. Auch diese Unternehmung war nicht von langer Dauer, im Jahr 1883 wurde die Brauerei endgültig geschlossen und an dieser Stelle nicht mehr gebraut.
Im Jahr 1885 übernahm er dann als letzte Station die ebenfalls schon sehr lange existierende Brauerei „Em halve Mond“ in der Thieboldsgasse 75 . Auch dieses Gastspiel dauerte nur 2 Jahre, bereits im Jahr 1887 gab Anton Büttgenbach die Führung dieser Brauerei ab.
Im Anschluss verliert sich seine Spur.

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Arnold Hubert Zündorf (1880-1884)
Im Oktober 1880 kündigte Arnold Hubert Zündorf die Eröffnung seiner Brauerei in der Ehrenstraße 86 in einer Anzeige im Kölner Sonntags-Anzeiger wie folgt an:
[29, 10.10.1880] „…Wirtschafts-Eröffnung. Mit dem heutigen Tage eröffne ich in dem Hause Ehrenstraße 86, eine Bierbrauerei nebst Restauration und halte mich den mich beehrenden Gästen mit guten Speisen und Getränken bestens empfohlen. Achtungsvoll Arnold Hub. Zündorf…“
 
In dieser Anzeige ist nicht explizit von „Im Kaiser“ die Rede, in einer 14 Tage später erschienen Anzeige wirbt er aber mit „Bierbrauerei im Kaiser“ [29].
Anton Hubert Zündorf war verheiratet, bekannt sind 2 Kinder (1884: Helene Pauline, 1890: Petern Anton).
Über die Jahre der Führung der Brauerei durch Anton Hubert Zündorf selbst ist wenig bekannt. Ende des Jahres 1884 übergab Anton Huber Zündorf die Führung der Brauerei an Peter Zündorf (vermutlich einem Bruder von Anton Hubert Zündorf).
Anton Hubert Zündorf selbst wechselte in die Budengasse 2 und übernahm dort eine schon länger bestehende Brauerei. Auch dort blieb er nur 3 Jahre bevor er im Jahr 1888 die Brauerei an Lyskirchen 3, das spätere Brauhaus Bröhl übernahm . Das Brauhaus an Lyskirchen 3 führte er bis zu seinem frühen Tod. Im Jahr 1894 verstarb Anton Hubert Zündorf im Alter von nur 49 Jahren.
(W001) [29, 10.10.1880]
Eröffnung der Brauerei in der Ehrenstraße durch Arnold Hubert Zündorf am 10. Oktober 1880
(W002) [29, 24.10.1880]
2 Wochen nach der Eröffnung wird in einer weiteren Anzeige auch "Im Kaiser" benannt
(W003) [17, 02.11.1892]
Im Bonner Hotel "Stadt Bonn" ist Kölner Bier aus der Brauerei von A.H. Zündorf im Ausschank. Allerdings ist hier nicht der Kaiser gemeint, da A.H. Zündorf im Jahr 1892 Brauerei An Lyskirchen 3-5 führte
 
(W005) [17, 15.11.1892]
Weitere Anzeige des Hotel Stadt Bonn aus dem Jahr 1892 mit Kölner Bier aus der Brauerei von A.H. Zündorf.   
   
(WBG001) [19, 11.07.1885]
Anzeige von Arnold Hubert Zündorf aus dem Jahr 1885. Mittlerweile war er in die Grosse Budengasse 2 umgezogen, aber noch mit Verweis "früher Ehrenstrasse"
(WLY007) [4, 04.09.1894]
Todesanzeige von Arnold Hubert Zündorf aus dem Jahr 1894. Geschaltet von Pfarrverein St. Maria in Lyskirchen, in dem er Mitglied war
                                                                            

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Peter Zündorf (1884-1898)
Peter Zündorf, vermutlich der Bruder seines Vorgängers Anton Hubert Zündorf, übernahm Ende des Jahres 1884 die Führung der Brauerei im Kaiser.
Fast zur gleichen Zeit, im November 1884, heiratete er die aus Altenessen stammende Johanna Busch. In der Bekanntmachung ist zu lesen, dass Peter Zündorf aus Lülsdorf (heute ein Stadtteil von Niederkassel) stammte.
Gemeinsam hatten sie mindesten 7 Kinder (1885: Albert Ignaz, 1886: Peter, 1888: Arnold Hubert, 1890: Johanna Helene, 1891: Otto Albert, 1893: Arnold Hubert, 1898: Albert). Arnold Hubert ist hier zweimal vertreten, weil der im Jahr 1888 geborene Arnold Huber bereits im Jahr 1890 im Alter von knapp 2 Jahren verstarb.
Peter Zündorf schenkte sein Bier nicht ausschließlich in der eigenen Restauration aus, sondern belieferte auch andere Restaurationen. Namentlich bekannt ist die Restauration Wolter in der Rheingasse 38. Dort wurde „…Aechtes Kölner Lagerbier der Brauerei „Zum Kaiser“, Ehrenstraße (Zündorf)…“ ausgeschenkt [17].
Im Jahr 1894 wurde die Ehrenstraße grundlegend umgestaltet. Konsequenz war der Abriß des Jahrhunderte alten Brauhauses in der Ehrenstraße 86 und ein Neubau an gleicher Stelle. Mit der Umgestaltung wurden auch die Hausnummern neu durchnummeriert. Der neue Kaiser hatte jetzt die Hausnummer 74 statt wie früher die Hausnummer 86.
Im Oktober 1894 wurde der „neue Kaiser“ eröffnet, was die Kölner Presse mit folgendem Artikel würdigte:
[4, 28.10.1894] „…Locales. Der Neubau Zum neuen Kaiser. Eine ansehnliche Schaar von Stammgästen der Bierbrauerei Zum Kaiser von Hrn. Zündorf auf der Ehrenstraße hielt am Donnerstag das Fest der Weihe in dem neu erbauten Hause Zum neuen Kaiser. In den prächtigen Räumen wurde Hr. Pet. Zündorf mit hellem Jubel begrüßt und beglückwünscht. Sehr anziehend waren die Mittheilungen aus der Urkunden=Sammlung des Reichstags=Abgeordneten W. Scheben über das alte Haus Ehrenstraße 86, wonach dasselbe im Jahre 1654 als eine mit Realberechtigung versehene Brauerei verzeichnet ist. Wie lange dieselbe vor dieser Zeit bestanden, ist einstweilen nicht festzustellen. Im Jahre 1654 war sie im Besitze des zünftigen Brauers Johannes Herriger und seiner Gattin. Diese Eheleute schenkten 1688 dem in der Schildergasse gelegenen Brauerzunfthause ein gebranntes Glasfenster, welches sich gegenwärtig im Gewerbe-Museum befindet. Aus demselben ist zu ersehen, daß Johannes Herriger damals dem „Engeren Rathe" angehörte. Am 20. April 1735, nach dem Tode der Eheleute Herriger, verkaufte deren Sohn, der Stiftsherr von St. Aposteln, jene Brauerei nebst großem Garten und zwei am Walle gelegenen Zinshäusern an den Brauermeister Johann Loelgen für die Summe von 1000 Rthl. Der letzte Brauer Loelgen starb am 6. März 1891 (geb. am 27. März 1805). Im Verlaufe des Festmahles, welches mit hübschen Liedern gewürzt war, hielt Hr.„Puddel=Präsident" Junkermann eine wuchtige Standrede an Hrn. Zündorf. Scherz auf Scherz, Lied auf Lied machten die Herzen froh und warm. Es sprachen noch die HH. Edmund Breitscheid, Wingen und Franz Mayer. So waltete eine frohe Stimmung bei der „Weihe des Hauses Zum neuen Kaiser"…“
 
Im Jahr 1891 wechselte der Besitzer der Brauerei "Im Kaiser", der langjährige Besitzer Mathias Joseph Lölgen war im Alter von 85 Jahren verstorben. Erworben wurde der Kaiser von einem gewissen Herrn Mertens aus Ehrenfeld.
Bekannt ist, dass, gesichert für das Jahr 1895, ein gewisser Theodor Buls als Brauer im Kaiser von Peter Zündorf tätig war [30] Theodor Buls stammte, ebenso wie Johanna, die Frau von Peter Zündorf, aus Altenessen. Ggf. gab es hier Verbindungen von früher.
Peter Zündorf produzierte in geringem Rahmen auch für andere Restaurationen, bekannt ist das Hotel Stadt Bonn aus Bonn.
Im Jahr 1896 gründete Peter Zündorf parallel zum Kaiser noch eine weitere Brauerei in der Vogelsanger Straße. Aus dieser Neugründung entstand erst das Kölner-Brauhaus und später die Sester-Brauerei “.
Die Brauerei im Kaiser gab Peter Zündorf im Jahr 1898 an Wilhelm Weismantel ab, die Brauerei in der Vogelsanger Straße im Jahr 1899 an die Herren Müller und Horstmann.
Was im Anschluss mit Peter Zündorf geschah ist nicht bekannt.
   
(W004] [17, 17.07.1895]
In der Bonner Restauration von P. Wolter ist "Aechtes Kölner Lagerbier" aus der Brauerei "Zum Kaiser" im Ausschank 
(W003) [4, 16.04.1898]
Der katholische Arbeiter-Verein Köln-West eröffnet sein neues Vereinslokal "Im Kaiser". Anzeige aus de Jahr 1898 
                                                                                      

Die Brauerei „Im Kaiser“ unter Führung von Wilhelm Weismantel (1898-1901)
Der Name Weismantel taucht zum ersten Mal im Kontext der Brauerei "Im Holz" auf . Diese Brauerei wurde in den Jahren 1873 bis 1878 von J. Wilhelm Weismantel geführt. Die Brauerei im Holz wurde bis 1889 als Brauerei geführt, im Anschluss nur noch als Restauration. Über die Jahre nach 1878 ist von Wilhelm Weismantel bis zur Übernahme eben dieser Restauration „Im Holz“ im Jahr 1894 nichts bekannt.
[4, 02.09.1894] „…Das bekannte Hotel=Restaurant Im Holz an der Breitestraße hat der bisherige Besitzer Hr. E. Göbbels an Hrn. Wilh. Weismantel in Deutz mit dem 1. September übertragen. Gestern Abend fand bereits in dem wegen seiner gediegenen Küche und schmackhaften Getränke beliebten Hause eine musikalische Eröffnungsfeier statt.
 
Wilhelm Weismantel war in der Kölner Wirte-Innung aktiv und wurde im Jahr 1897 in den Vorstand gewählt [39].
Im Jahr 1898 übernahm er dann die Brauerei „Im Kaiser“ von Peter Zündorf. Mit der Übernahme wurde er auch Eigentümer der Brauerei [25].
Die Folgejahre verliefen unauffällig, wie üblich versammelten sich eine Vielzahl von Vereinen und Verbänden in der Restauration der Brauerei.
Im Jahr 1901 stieg Wilhelm Weismantel aus der Brauerei aus. Die Brauerei selbst wurde geschlossen und der Kaiser nur noch als Restauration weitergeführt. Wilhelm Weismantel blieb aber weiterhin Besitzer von Brauerei und Restauration in der Ehrenstraße 74.
Kurz danach gründete er mit Tillmann Weismantel (vermutlich seinen Bruder) zusammen die Firma „Gebr. Weismantel“, deren Geschäftszweck leider nicht bekannt ist.
[28, 13.12.1901] „…Cöln. Bekanntmachung. In das Handelsregister des unterzeichneten Amtsgerichts ist eingetragen: am 9. Dezember 1901: unter Nr. 1422 die offene Handelsgesellschaft unter der Firma: „Gebr. Weismantel““, Cöln. Persönlich haftende Gesellschafter sind: Wilhelm Weismantel und Tillmann Weismantel, beide Kaufleute zu Cöln. Die Gesellschaft hat am 2. Dezember 1901 begonnen. Zur Vertretung der Gesellschaft sind beide Gesellschafter ermächtigt
 
Aus dieser Firma stieg Wilhelm Weismantel im Jahr 1909 aus, bereits im Jahr 1903 war er aber an einer weiteren Firmengründung beteiligt. Wilhelm Weismantel war einer der 5 Gründer der der Firma "Chemische Fabrik Opladen Aktiengesellschaft" mit Sitz in Opladen. Das Grundkapital der Gesellschaft betrug immerhin 600 000 Mark in 600 Aktien à 1000 Mark. Im Gründungsbericht wird Wilhelm Weismantel schon als „Rentner“ bezeichnet.
Weitere Informationen über Wilhelm Weismantel sind nicht bekannt.
     
(PK002) [16]
Postkarte der Obergärigen Bier Brauerei Im Kaiser von Wilhelm Weismantel
 
                                                                                                              
(W004) [4, 08.01.1899]
Der Katholische Arbeiterverein trifft sich bei Weismantel in der Ehrenstraße 74. Anzeige aus dem Jahr 1899 
(W005) [4, 04.11.1899]
Der Katholische Arbeiterverein trifft sich bei Weismantel in der Ehrenstraße 74 zu einem Vortrag des Reichstagsabgeordneten Carl Trimborn. Anzeige aus dem Jahr 1899  
(W006) [4, 12.11.1899]
Herr Weismantel verwaltet den neuen Saal der Tonhalle in der Schildergasse. Anzeige aus dem Jahr 1899 

Die Restauration „Im Kaiser“ unter Führung von Jean Gernert (1901-1903)
Im Jahr 1901 pachtete Jean Gernert den Kaiser von Wilhelm Weismantel und führte ihn als Restauration weiter.
Jean Gernert war zu dieser Zeit bereits ein erfahrener Restaurateur, u.a. hatte er in den 1880er Jahren das Restaurant im Stadttheater betrieben [19]. Ausgeschenkt wurde neben obergärigem Bier auch Kulmbacher Bier.
Auch Jean Gernert hielt sich nicht lange, bereits im Jahr 1903 übergab er die Restauration an Contrad Droullier.
   
(W007) [4, 21.04.1901]
Hochfeines obergärig Bier und vorzügliche Küche bei Jean Gernert im Kaiser
 
(W008) [4, 01.01.1902]
Fröhliches Neujahr 1902 wünscht Jean Gernert
                
(W025) [4, 07.03.1902]
Anzeige des Brauhaus "Im Kaiser" aus dem Jahr 1902 
(W009) [4, 16.07.1902]
Anzeige des Brauhaus "Im Kaiser" aus dem Jahr 1902. Allerdings mit Fehler im Namen von Jean Gernert
 
(W033) [4, 01.01.1903]
Neujahrsgrüße zum Jahr 1903 von Jean Gernert 
   
(W026) [4, 07.03.1903]
Anzeige des "Im Kaiser" aus dem Jahr 1903. Neben obergärigem Bier ist jetzt auch Culmbacher Bier im Ausschank
(W034) [19, 28.09.1886]
Vor dem Kaiser betrieb Jean Gernert bereits das Restaurant im Foyer des Stadt-Theaters. Anzeige aus dem Jahr 1886
                             

Die Restauration „Im Kaiser“ unter Führung von Conrad Droullier (1903-1905)
Im Oktober 1903 eröffnete Conrad Droullier sein „gänzlich renoviertes und gemütlich ausgestattetes“ Brauhaus im Kaiser mit folgender Anzeige:
[4, 31.10.1903] „…Eröffnung. Brauhaus „Im Kaiser“, Ehrenstraße 74. In den gänzlich renovierten und gemütlich ausgestatteten Wirtschaftsräumen eröffnen wir heute unseren Betrieb. Empfehlen vorzüglich gepflegte Biere und Speisen. Säle und Kegelbahnen haten den vereinen bestens empfohlen. Es soll unser Bestreben sein, unsere Gäste in jeder Beziehung und andauernd zufrieden zu stellen. Droullier u. Frau, Gertrud, geb. Kalker…“
 
Conrad Droullier tritt zum ersten Mal in Wald (Solingen) in Erscheinung, vermutlich stammte er aber aus Elberfeld. Im Jahr 1898 eröffnete er in Wald das „Hotel-Restaurant Kaiserhof“ in der Kaiserstraße 104 und übernahm auch kurz darauf die Vertretung der „Ersten Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei“ in Wald und Umgebung.
Im Jahr 1899 kam noch das Restaurant Schlosskeller in Elberfeld hinzu.
Conrad Droullier war mit Gertrud, geb. Kalker verheiratet. Diese klagte im Jahr 1899 gegen ihren Mann auf Gütertrennung, die auch kurze Zeit später gerichtlich ausgesprochen wurde. Grund war wohl die finanzielle Lage, denn im Jahr 1901 wurde ein Konkursverfahren über Conrad Droullier eröffnet, welches mit einem Zwangsvergleich endete.
[28, 13.09.1901] „…Das Konkursverfahren über das Vermögen des Restaurateurs Conrad Droullier in Elberfeld. Schloßbleicherstraße 10, wird, nachdem der in dem Vergleichstermine vom 27. Juli 1901 angenommene Zwangsverglich durch rechtskräftigen Beschluß vom nämlichen Tage bestätigt ist, hierdurch aufgehoben. Elberfeld, den 9. September 1901. Königliches Amtsgericht.
 
Zwei Jahre später übernahm er dann den Kaiser in Köln. Seine Frau Gertrud war zu dieser Zeit immer noch ein seiner Seite, die Klage auf Gütertrennung hatte vermutlich der Rettung von Vermögen vor dem Konkurs gegolten. Im Jahr 1905 kam auch ihr gemeinsamer Sohn Karl zu Welt [4].
Conrad Droullier hatte einen Vertrag mit der Kölner Hirschbrauerei und schenkte im Kaiser „Hirschbräu echt Kölsch“ aus [4].
Die 3 Jahre der Führung der Restauration „Im Kaiser“ durch Conrad Droullier verliefen unauffällig. Ende des Jahres 1905 war dann Schluss im Kaiser. Conrad Droullier betrieb mittlerweile auch das Wald-Hotel in Rheinbach, aber er wollte es richtig groß. Im Jahr 1906 erwarb er von der Witwe Maintz ein Grundstück an der Aachenerstraße 19, wo zuvor ein „Tanzhaus“ betrieben wurde. Er riss das bestehende Gebäude ab und errichtete seine „Colonia-Säle und Restaurant“. Diese besaßen außer dem eigentlichen Restaurationsbereich noch 3 separate Säle und 5 Kegelbahnen. Ausgeschenkt wurde Bier aus der Zechenbrauerei Gebr. Sünner aus Kalk.
Aber Conrad Droullier hatte sich finanziell übernommen. Im September 1907 wurde das Grundstück in der Aachenerstraße 19 im Wege der Zwangsvollstreckung zwangsversteigert. Ersteigert wurde Grundstück und dann auch Gebäude von eben der Sünner-Brauerei, die auch schon vorher das Bier für die Restauration lieferte. Immerhin durfte Conrad Droullier Betreiber der Restauration bleiben, wenn auch nicht mehr als Besitzer.
Damit noch nicht genug, taucht Conrad Droullier im Jahr 1908 als Betreiber der Wilhelmshallen in Aachen auf. Danach verliert sich seine Spur.
(W030) [4, 31.10.1903]
Anzeige von Conrad Droullier zur Eröffnung seines Brauhaus "Im Kasier" aus Oktober 1903
(W010) [4, 24.11.1903]
Im Ausschank "Im Kaiser": echt Kölsch aus der Kölner Hirsch-Brauerei. Anzeige aus dem Jahr 1903
 
(W035) [4, 01.01.1904]
Neujahrsgrüße von Konrad Droullier zum Jahr 1904 
(W011) [4, 16.01.1904]
Noch Säle frei bei Conrad Droullier in der Ehrenstraße 74. Anzeige aus dem Jahr 1904
(W027) [4, 08.10.1904]
Großes Schlacht und Bockfest im Kaiser. U.a. wird ein lebendes Schwein verlost. Anzeige aus dem Jahr 1904
 
(W012) [4, 30.10.1904]
Humoristisches Konzert im Kaiser. Anzeige aus dem Jahr 1904
(W013) [4, 12.11.1904]
Karnevalistisches Konzert im Kaiser. Anzeige aus dem Jahr 1904
 
(W014) [4, 18.12.1904]
Die Tiroler-Gesellschaft D' Brixenthaler zu Gast im Kaiser. Anzeige aus dem Jahr 1904
(W036) [4, 01.01.1905]
Neujahrsgrüße von Konrad Droullier zum Jahr 1905 
(W001) [4, 19.03.1905]
Das österreichische Damen-Orchester gibt Konzerte im Kaiser. Anzeige aus dem Jahr 1905 
 
(W017) [4, 09.05.1905]
Neue Preise im Kaiser. Das 4/10 Liter Glas Export, Münchener oder Echt Kölsch kostet 12 Pfennig. Anzeige aus dem Jahr 1905
(W063) [4, 07.01.1907]
Nach dem Kaiser eröffnete Conrad Droullier im Januar 1907 die Colonia-Säle in der Aachener Straße 19
(W046) [4, 09.02.1907]
Karneval in den Colonia-Sälen im Februar 1907
(W047) [4, 20.02.1907]
Das Colonia war eines der größeren. Es besaß 3 separate Säle und 5 Kegelbahnen 
 
(W048) [4, 02.03.1907]
Großes Schlacht und Bockbierfest im Colonia-Restaurant von Conrad Droullier 
(W049) [4, 01.06.1907]
Anzeige der Colonia-Säle aus Juni 1907. Mittlerweile mit 1a Bieren der Zechenbrauerei Gebr. Sünner aus Kalk
(W037) [4, 03.09.1907]
Konrad Droullier hatte sich mit dem Umbau der Colonia-Säle finanziell übernommen. Als Konsequenz wurde m September 1907 das in der Aachenerstraße 19 gelegene Grundstück zwangsversteigert  
 
(W050) [4, 23.11.1907]
Weitere Anzeige des Colonia Restaurant aus November 1907 
(W051) [4, 12.12.1907]
Weitere Anzeige des Colonia Restaurant aus Dezember 1907
(W037-2) [4, 14.12.1907]
Die Sünner-Brauerei ersteigerte Grundstück und Restauration, Konrad Droullier durfte weiterhin die Restauration betreiben und ausgeschenkt wurden natürlich Biere der Brauerei Gebr. Sünner aus Kalk 
 
(W052) [4, 31.12.1907]
Grüße von Conrad Droullier und Frau zum Neujahr 1908
(W053) [23, 22.11.1908]
Im Jahr 1908 taucht Conrad Droullier auch als Betreiber der Aachener Wilhelmshallen auf
(W039) [20, 17.02.1898]
Im Jahr 1898 eröffnete Conrad Droullier das Hotel Kaiserhof in Wald
(W040) [20, 24.02.1898]
Weitere Anzeige des Hotel Kaiserhof von Conrad Droullier
(W041) [20, 09.03.1898]
Weitere Anzeige des Hotel Kaiserhof von Conrad Droullier 
(W042) [21, 30.04.1898]
Conrad Droullier war auch Vertreter für die Erste Culmbacher Actien-Exportbier-Brauerei in Wald und Umgebung
(W043) [21, 10.10.1898]
Jetzt auch Wicküler im Ausschank im Hotel Kaiserhof. Anzeige aus dem Jahr 1898
(W044) [22, 16.03.1899]
In Elberfeld betrieb Conrad Droullier noch ein weiteres Restaurant, den Schlosskeller. Anzeige aus dem Jahr 1899
(W038) [17, 14.04.1906]
Conrad Droullier war nicht nur in Köln und Wald aktiv, er betrieb u.a. auch das Wald-Hotel in Rheinbach 

Das „Obergärige Brauhaus Im Kaiser“, Berresheim & Gräff (1906-1909)
Ende des Jahres 1905 erwarben Johann Berresheim und Amandus Graeff gemeinsam vom damaligen Besitzer Wilhelm Weismantel die Brauerei in der Ehrenstraße 74. Sie gründeten hierfür gemeinsam die Firma „Obergäriges Brauhaus „Im Kaiser“ Berresheim & Graeff“, welche mit Wirkung zum 2. Januar 1906 ins Handelsregister eingetragen wurde:
[30, 25.01.1906] „…Unter Nr. 4092 die offene Handelsgesellschaft unter der Firma: „Obergäriges Brauhaus „Im Kaiser“ Berresheim & Graeff“, Cöln. Persönlich haftende Gesellschafter sind: Johann Berresheim und Amandus Graeff, beide Bierbrauereibesitzer in Cöln. Die Gesellschaft hat am 2. Januar 1906 begonnen. Zur Vertretung der Gesellschaft sind nur beide Gesellschafter zusammen ermächtigt…“
 
Kurz darauf wurde das Brauhaus „Im Kaiser“, diesmal wieder mit Brauerei, eröffnet.
Beide Gründer waren bereits erfahrende Geschäftsleute im Brau-Business.
Amandus Graeff war seit Juli 1900 Prokurist in der Union-Brauerei Aktiengesellschaft aus Zündorf und seit Mai 1902 auch Mitglied im Vorstand der Aktiengesellschaft.
[30, 06.05.1902] „…In das hiesige Handelsregister Abt. B ist heute bei der unter Nr. 5 eingetragenen Firma „Unionbrauerei vormals Fritz Bautz, Actiengesellschaft" zu Zündorf bei Cöln, folgende Eintragung bewirkt worden: Dem Ernst Wittig, Buchhalter zu Zündorf, ist Gesamt=Procura derart erteilt, daß er in Gemeinschaft mit einem Vorstandsmitgliede die Firma vertritt. Amandus Graeff ist zum Vorstandsmitgliede bestellt. Mülheim=Rhein, den 29. April 1902. Königliches Amtsgericht, Abt. I...“
 
Im Dezember 1905 schied er wieder aus dem Vorstand der Union-Brauerei aus, wohl um sich um den Kaiser kümmern zu können [30]. Im März 1906 wurde Amandus Graeff auch in den Vorstand der Kölner Wirte-Innung gewählt [4].
Johann Berresheim wird in seiner Heiratsbekanntmachung, er heiratete im November 1901 die aus Köln stammende Anna Bonn, als Geschäftsführer bezeichnet. Sein Wohnsitz war in der Apostelnstraße 19, welches wiederum die Geschäftsadresse der Brauerei Apostelnbräu war . Vermutlich war Johann Berresheim bis zur Eröffnung der Brauerei „Im Kaiser“ im Apostelnbräu tätig. Es gibt noch einen Nachweis aus dem Jahr 1904, in dem er immer noch als Geschäftsführer, diesmal aber wohnhaft in der Dürenerstraße 112, bezeichnet wird. Auch das passt ins Bild, den im Jahr 1902 hatte das Apostelnbräu seine Brauerei in eben diese Dürenerstraße 112 verlagert.
Erster Braumeister in der neu eröffneten Brauerei „Im Kaiser“ war Friedrich Beysel. Im Firmennamen war zum ersten Mal auch der Begriff „obergärig“ aufgeführt. Ob früher auch untergärig gebraut wurde, ist unklar.
Das Bier schien gut anzukommen und wurde direkt im ersten Jahr auf der „Allgemeinen Fachausstellung für das Gastwirtsgewerbe“ ausgeschenkt und auch mit dem „Diplom zur goldenen Medaille der Ausstellung“ ausgezeichnet.
[4, 02.10.1906] „...Allgemeine Fachausstellung für das Gastwirtsgewerbe III. … In einer gemütlichen Koje läßt die Germaniabrauerei Mülheim ihren dreifachen Quell fließen, nämlich Germania=Münchener, Germania=Pilsener und Germania=Export. Die Adlerbrauerei in Ehrenfeld ist mit Adler=Pilsener und Adler=Bavaria vertreten. Ein anderes Bier, das auf Kölner Boden entsteht, verschenkt Hr. Hil. Kaiser, nämlich Bavariabräu, ein nach Münchener Art gebrautes Dunkelbier. Ein gutes Gläschen Kölsch wird vom Obergärigen Brauhaus Im Kaiser für den Originalkölner bereit gehalten.
 
Im Jahr 1909 stieg Johann Berresheim aus der Gesellschaft, die Gründe hierfür sind unklar. Amandus Graeff führte daraufhin die Brauerei alleine weiter.
[30, 15.02.1909] „…Nr. 4092 bei der offenen Handelsgesellschaft unter der Firma: „Obergäriges Brauhaus „Im Kaiser“ Berresheim & Graeff“, Cöln. Die Gesellschaft ist aufgelöst. Der bisherige Gesellschafter Amandus Graeff in Cöln ist alleiniger Inhaber der Firma. Die Firma lautet jetzt: „Obergäriges Brauhaus „Im Kaiser“ Amandus Graeff…“
 

Das „Obergärige Brauhaus Im Kaiser“, Amandus Gräff (1909-1919)
Über die Führung der Brauerei durch Graeff ist nur sehr wenig bekannt. Bekannt ist, dass die Brauerei recht modern ausgestattet war, unter anderem besaß sie eine Eismaschine [41].
Amandus Graef führte die Brauerei noch durch den ersten Weltkrieg aber kurz danach war Schluss. Vermutlich aus Rohstoffmangel schloss er die Brauerei im Jahr 1919 und verkaufte Brauerei und Grundstück an den türkisch-stämmigen Zigarettenfabrikanten Michael Miglis.
Über den damaligen Trend zur Schließung immer weiterer Kölner Brauhäuer berichtet der folgende Artikel aus dem Jahr 1920:
[40, 03.06.1920] „…Sinkt der Bierkonsum so stark? In den letzten Tagen sind wieder einige alte Kölner Brauereien eingegangen. Die Brauerei, zum Kaiser, auf der Ehrenstraße ist in eine türkische Zigarettenfabrik umgewandelt; die Kölsche Brauerei, Ecke Thieboldsgasse und Lungengasse, wurde eine Tabakgroßhandlung. Es sei ferner erwähnt, daß eine alte Bierbrauerei in der Komödienstraße eine Bank wird.
 
Bekannt ist noch, dass Amandus Graeff in den 1920er Jahren Geschäftsführer der „Gesellschaft für Industrie- und Handelsbedarf mit beschränkter Haftung“ in Köln war.
   
(W018) [4, 24.06.1917]
Ein mit Eismaschinen vertrauter Maschinist wird gesucht. Anzeige aus dem Jahr 1917
(W019) [4, 18.06.1918]
Ein junger Zapfer wird gesucht. Anzeige aus dem Jahr 1918
                                                                                                                    

Die Zigarettenfabrik von Michael Miglis (1920-1927)
Michael Miglis stammte aus Symi, einer kleinen Insel in der Ägäis nur 9 km vor der türkischen Küste gelegen. Damals noch zur Türkei gehörig, gehört die Insel mittlerweile zu Griechenland.
Michael Miglis taucht das erst Mal im Kölner Adressbuch des Jahres 1912 auf. Zu dieser Zeit wird als Gewerbe noch „Schwammeinfuhr“ genannt. Das macht insofern Sinn, als das seine Heimatinsel Symi zu dieser Zeit bekannt für Schwammtaucherei war. Im Jahr 1914 sattelte er aber auf die Zigarettenproduktion um und ließ sich auch das Warenzeichen „MIGLIS“ eintragen. Zu dieser Zeit lag die Produktionsstätte noch in der Aachenerstraße 10. Nach einem zwischenzeitlichen Wechsel der Produktionsstätte in die Kolumbastraße 7 erwarb Michael Miglis im Jahr 1920 Gebäude und Grundstück der ehemaligen Brauerei „Im Kaiser“ und verlagerte seine Zigarettenproduktion an diese Stelle.
Zigaretten wurden in der Ehrenstraße 74 bis ins Jahr 1925 produziert, dann war Schluss. Die genauen Umstände sind nicht bekannt. In einer Anzeige aus dem Jahr 1925 ist „Orient. Tabak- und Zigarettenfabrik M. Miglies, Bes. J. Gierlich“ und „Aufgabe des Betriebs“ aufgeführt. Jean Gierlich wird hier schon als Besitzer genannt, wobei im Kölner Adressbuch Michael Miglis bis zum Jahr 1927 als Besitzer aufgeführt wird.
Was aus Michael Miglis im Anschluss wurde ist nicht bekannt, in den Kölner Adressbüchern taucht er nach dem Jahr 1927 nicht mehr auf.
     
(W062) [28, 15.01.1915]
Eintrag des Warenzeichen "MIGLIS" von Michael Miglis aus dem Jahr 1914. Die Zigarettenfabrik war zu dieser Zeit noch in der Aachenerstraße 10 ansässig
 
                                                                                                            
(W061) [27, 26.05.1920]
Die Tabakgroßhandlung von Georg Schumacher hat neben anderen auch die Marke "Stambul" von Miglis aus Köln im Programm
(W028) [18, 18.08.1921]
Die Zigarettenfabrik von Michael Miglis sucht einen General-Vertreter für Mönchengladbach und Umgebung. Anzeige aus dem Jahr 1921
(W059) [26, 05.06.1925]
Wegen Aufgabe des Betriebs gibt es einen Reklame-Verkauf der "Orientalichen Tabak- und Zigarettenfabrik M. Miglis". Als Besitzer wird bereits Jean Gierlich genannt
(W029) [18, 30.07.1924]
Neben der Zigarettenfabrik was anscheinend auch noch Platz für ein Weinlager, auch wen es im Jahr 1924 aufgelöst wurde 

Die Zigarettenhandlung von Jean Gierlich (1927-1928)
Jean Gierlich erwarb die Zigarettenfabrik vermutlich in der Ehrenstraße vermutlich im Jahr 1927 von Michael Miglis, ganz sicher ist dies aber nicht (siehe vor).
Jean Gierlichs Vater war Droschkenkutscher und in der ersten bekannten Nennung aus dem Jahr 1915 wird Jean Gierlich (noch Johann statt Jean) als Droschkenbesitzer und Schenkwirt bezeichnet [25]. Seine Schenkwirtschaft, deren Eigentümer er auch war, lag in der Follerstraße 7. Diese Schenkwirtschaft führte er bis in die 1920er Jahre und wechselte dann an den Rothgerberbach 4A. Johann Gierlich war auch Eigentümer dieser Schenkwirtschaft. Die Zigarettenfabrik betrieb er im Jahr 1927 parallel zur Schenkwirtschaft am Rothgerberbach.
Im Jahr 1928 gab er Zigarettenhandlung und Schenkwirtschaft auf und gründete gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern die „Obergäriges Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung".

Die „Obergärige Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebe G.m.b.H.“ (1928-1935)
Am 7. September 1928 wurde die neue Gesellschaft, die „Obergäriges Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung" in das Handelsregister eingetragen:
[28, 15.08.1928] „…Köln. In das Handelsregister wurde am 7. August 1928 eingetragen: Abteilung A. Nr. 6674. "Obergäriges Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung", Köln, Ehrenstraße 74. Gegenstand des Unternehmens: Betrieb einer Obergärigen Hausbrauerei und der dazu gehörigen Wirtschaft im gepachteten Anwesen zu Köln, Ehrenstraße 74 - Palmstraße 17. Stammkapital: 40 000 Reichsmark. Geschäftsführer: Johann Gierlich, Kaufmann zu Köln. Gesellschaftsvertrag vom 26. Juni 1928. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, so erfolgt die Vertretung durch zwei Geschäftsführer oder durch einen Geschäftsführer in Gemeinschaft mit einem Prokuristen. Ferner wird bekanntgemacht: Zur vollständigen Deckung seiner Stammeinlage wird in die Gesellschaft eingebracht von dem Gesellschafter Rudolf Berg eine Brauereieinrichtung im Werte von 38 000 Reichsmark. Es ist ein Aufsichtsrat, bestehend aus dem Kaufmann Rudolf Berg, bestellt. Oeffentliche Bekanntmachungen erfolgen im Deutschen Reichsanzeiger.
 
Interessant ist, dass die Gesellschaft die Brauerei von Johann Gierlich pachtete, obwohl Johann Gierlich als Gesellschafter und Geschäftsführer auch Eigentümer der Brauerei war.
Als weiterer Gesellschafter ist Rudolf Berg bekannt. Bei einem Stammkapital von 40.000 Mark brachte er alleine 38.000 Mark in Form einer Brauereieinrichtung ein. Rudolf Berg war kein Unbekannter, er stammte aus einer bekannten Unternehmerfamilie und war Mitbesitzer des Apostelnbräu
Am 6. Oktober 1928 wurde die Brauerei wiedereröffnet, was mit folgender Anzeige angekündigt wurde.
[4, 05.10.1928] „…Obergäriges Brauhaus „Im Kaiser“ Ehrenstraße 74. Wiedereröffnung Samstag, den 6. Oktober, nachmittags 6 Uhr. In dem vollständig nach Plänen des Architekten Viktor Frank umgebauten und neu eingerichteten stadtbekannten Hause. Zum Ausschank gelangt nur in eigener Brauerei hergestelltes, hochprozentiges „Echt Kölsch“, reine Obergärung. Gute bürgerliche Küche zu billigen Preisen. – Täglich Spezialplatten. Spezialität der Saison: 1a. holländische Seemuscheln…“
 
Auch der Kölner Presse war die Wiedereröffnung einen wohlwollenden Artikel wert:
[4, 15.10.1928] „…Auch ein Kölner Original. Der „drecklige Kaiser", die alte Kölsche Hausbrauerei mit Wirtschaft in der Ehrenstraße, die im Volksmunde so genannt wurde, ist wieder eröffnet worden. Der jetzige Eigentümer Johann Gierlich, hat das gesamte Anwesen umbauen und wesentlich vergrößern lassen. Eine modern eingerichtete Brauerei, in der nur obergäriges Bier hergestellt wird, ist neu errichtet worden. Von dem alten Zustande, der der Wirtschaft den Namen „Em dreckligen Kaiser“ einbrachte, ist nichts mehr zu sehen. Heute bevölkern keine Hühner mehr wie damals die Wirtschaftsräume. Die frühere Gartenwirtschaft ist durch einen Saalbau ersetzt worden. Mancher Ehrenfelder wird ehrfurchtsvoll die rechte Ecke am Eingang des Lokales betrachten, wo einstens die Gründung der Stadt Ehrenfeld bei einem Glase Kölsch beschlossen wurde. Aber auch noch sonst ist die Wirtschaft bei den alten Kölnern in bester Erinnerung. Hier wurde Heimatsinn und Kölsche Art gepflegt. In alter Weise wird dieser Sinn und diese Art weiter gepflegt werden. Die neuen Gasträume sind den heutigen Forderungen entsprechend gestaltet. Helligkeit und angenehme Farbwirkungen überraschen den eintretenden Gast. Die technischen Einrichtungen sind modernster Art. Die gesamte Umgestaltung erfolgte nach den Entwürfen und unter Leitung des Architekten Victor Franck (Köln-Lindenthal). Die Ausführung der Arbeiten erfolgte ausschließlich durch Kölner Handwerker…“
 
Da auch Karnevalsgesellschaften potentielle Kunden waren, beantragte die Gesellschaft auch die Ausschanklizenz für Wein und Likör, welche im Jahr 1929 auch genehmigt wurde.
[4, 28.09.1929] „…Wein- und Biergenuß, die städtische Gepflogenheiten. Eindrücke von der letzten Bezirksausschußtagung … Das Obergärige Brauhaus „Im Kaiser“ auf der Ehrenstraße darf jetzt auch Wein und Likör ausschenken. Angeregt wurde dieser Fall mit Hinblick auf die kommende Karnevalssaison. Damen=, Herren= und Prunksitzungen sollen hier abgehalten werden, und dabei muß bekanntlich, allzu bekanntlich, Wein fließen zum Zwecke der erhöhten Stimmung und so weiter. Der Antrag wurde ziemlich bedenkenlos genehmigt…“
 
Im Jahr 1929 berichtet das Kölner Tagblatt über die Kölner Brauhäuser und auch über das Brauhaus „Im Kaiser“:
[2, „…Der Anno 1831 gegründete "Kaiser", die alte kölsche Hausbrauerei mit Wirtschaft in der Ehrenstraße, die im Volksmunde "Drecklige Kaiser" genannt wurde, ist auch wieder da. Von dem alten Zustande, der dem Lokal den Namen einbrachte, ist nichts mehr zu sehen. Heute bevölkern keine Hühner mehr, wie damals die Wirtschaftsräume. In den 80er Jahren führte Hubert Arnold Zündorf den alten dreckigen Kaiser vor seinen Neubau. Des historischen Wertes wegen wird mancher Ehrenfelder die rechte Ecke des Einganges, wo damals die Gründung der Stadt Ehrenfeld bei einem Glas Kölsch beschlossen wurde, ehrfurchtsvoll betrachten. Ein dort angebrachter Rötel-Druck bezeichnet heute die Stelle. Hier wurde Heimatsinn und kölsche Art gepflegt, die in alter Weise weiter gepflegt werden. Den Bestrebungen der neuen Zeit, in Kriegs- und Nachkriegszeit wieder zu seinem Recht zu verhelfen, wird diese Wirtschaft dienen. Bei einem Glas echten Kölsch, welches in eigener Hausbrauerei nach Friedensrezept hergestellt ist, wird der Heimatsinn und die echte kölsche Eigenart im Kaiser wieder Wurzeln fassen und neu aufleben…“
 
Im Jahr 1930 wurde die Brauerei die Brauerei baulich erweitert.
[4, 15.09.1930] „…Eine interessante Kölner Gaststätte. Das Kölner Brauhaus „Im Kaiser“ hat kürzlich einen Erweiterungsbau in der nebenan gelegenen Brauhausschenke eröffnet. Die Erweiterung stellt architektonisch sowie künstlerisch eine Bereicherung der Kölner Gaststätten im typisch=kölnischen Charakter dar. Sie enthält Wandmalereien aus der Vergangenheit und Gegenwart Kölns. An den vier Hauptwänden sind sehr geschickt vier Zeitabschnitte aus dem Werdegang Kölns dargestellt: Das römische Köln, das mittelalterliche Köln, Köln um 1800, und das Köln der Jetztzeit Jedes Bild ist durch entsprechende Zeitgestalten flankiert. Die gut gelungenen Darstellungen die von dem Kölner Maler Heinz Welter stammen, geben der Kneipe ihr urkölnisches Gepräge Es ist erfreulich festzustellen, daß Kölner Unternehmungsgeist Kölner Art bewußt pflegt und auch im Bilde festhält…“
 
Im Jahr 1932 tagt noch der Kölner Mieterschutzverein „in sämtlichen Sälen der Obergärigen Brauerei im Kaiser“, anschließend wird es still um den Kaiser.
In den Kölner Branchen-Adressbüchern der Jahre 1933 bis 1936 ist kein Brauer in der Ehrenstraße 74 aufgeführt, dafür stand aber der Eintrag „Johann Gierlich, Eigelstein“ unter „Restaurationen“. Ab 1933 wurde also im Kaiser nicht mehr gebraut und die ehemalige Brauerei nur noch die Restauration betrieben.
Die Hintergründe hierfür sind unklar. Im Jahr 1934 wurde die Gesellschaft dann offiziell aufgelöst und liquidiert.
[4, 04.03.1934] „…In das Handelsregister wurde am 27. Februar 1934 eingetragen: II.-R. B 6674 Obergäriges Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Köln: Durch Gesellschafterbeschluß vom 23. Februar 1934 ist die Gesellschaft aufgelöst. Josef Müller, Kaufmann, Köln-Lindenthal, ist Liquidator…“
 
Die war aber noch nicht das Ende der Gesellschaft, im Juli wurde der Auflösungsbeschluss wieder aufgehoben:
[30, 22.07.1935] „…In das Handelsregister wurde am 19. Juli 1935 eingetragen: H.-R. B 6674 Obergäriges Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Köln: Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 10. Juli 1935 ist der Auflösungsbeschluß vom 23. Februar 1934 wieder aufgehoben und die Fortsetzung der Gesellschaft beschlossen worden. Durch denselben Beschluß ist der Gesellschaftsvertrag geändert in § 1 betr. die Firma und den Sitz der Gesellschaft und in § 3 betr. den Gegenstand des Unternehmens. Die Firma ist geändert in Rhenania Wirtschaftsbetriebsgesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Sitz der Gesellschaft ist nach Bonn verlegt. Gegenstand des Unternehmens fortan auch Handelsgeschäfte aller Art. Josef Müller hat das Amt als Liquidator niedergelegt. Jakob Morsch, Kaufmann, Köln, ist zum Geschäftsführer bestellt…“
 
Es blieb also von der ursprünglichen Firma nichts mehr übrig. Es gab mit „Rhenania Wirtschaftsbetriebsgesellschaft mit beschränkter Haftung“ einen neuen Namen, mit „Handelsgeschäfte aller Art“ einen neuen Geschäftszweck und zum Schluss wurde noch der Sitz nach Bonn verlegt. Johann Gierlich war vermutlich an der neuen Firma nicht mehr beteiligt.
Der neue Geschäftsführer der umgewandelten Gesellschaft, Jakob Morsch, stammte aus Bonn und betrieb dort Anfang der 1930er Jahre eine Geschäftsstelle der Gothaer Lebensversicherungsbank a.G., welche sich aber im Jahr 1933 von ihm trennte und sich genötigt sah, in einer Anzeige darauf hinzuweisen, dass Jakob Morsch nicht mehr in ihrem Namen agierte und nicht berechtigt sei, Gelder anzunehmen.
Neben der „Rhenania Wirtschaftsbetriebsgesellschaft mit beschränkter Haftung“ war Jakob Morsch auch Geschäftsführer der „Rhenanina Porzellanfabrik, Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ in Duisdorf bei Bonn, wurde aber von diesem Posten im Oktober 1935 abberufen. Weitere Informationen über Jakob Morsch sind nicht bekannt.
Unabhängig davon betrieb Johann Gierlich den Kaiser als Restauration weiter. Im März 1936 ist folgendes auf einer Anzeige der Werbegemeinschaft Kölner Haus-Brauereien zu lesen:
[14, 29.03.1936] „…Brauerei „Im Kaiser“ Joh. Gierlich, Ehrenstraße 74. Säle von 100 bis 500 Personen…“
 
Die Anzeige lässt vermuten, dass Johann Gierlich im Jahr 1936 wieder eigenes Bier gebraut hat, gesichert ist dies aber nicht.
   
(W031) [4, 05.10.1928]
Aus der Zigarettenfabrik wurde wieder eine Brauerei. Anzeige zur Wiedereröffnung des Obergärigen Brauhaus "Im Kaiser" aus Oktober 1928
(W002) [unbekannt]
Anzeige für Friedensbier Im Kaiser von Anton Hermes, welcher von 1929 bis 1932 die Restauration im Brauhaus im Kaiser führte 
 
   
 
(W020) [4, 13.11.1929]
Anton Hermes war auch Mitglied in der Kölner Prinzengarde, deshalb der Herrenabend mit Hämchen-Essen im Kaiser. Anzeige aus dem Jahr 1929
(W055) [24, 09.04.1924]
Anton Hermes betrieb die Restauration des Kaisers. Vorher führte er ein Hotel in Ruhrort
(W054) [24, 01.01.1925]
Weitere Anzeige vom Deutschen Hof in Ruhrort
                       
   
(F001) [4, 15.10.1928]
Eingangsbereich des Obergärigen Brauhaus Im Kaiser nach dem Umbau und der Wiedereröffnung im Jahr 1928. Das Foto ist dem oben aufgeführten Zeitungsartikel zur Wiedereröffnung entnommen
(PK001) [16]
Grafik des Obergärigen Brauhaus Im Kaiser aus dem Jahr 1930 
                                                                                                      

Die „Obergärige Brauerei Im Kaiser“ von Johann Gierlich (1937-(1944))
Am 23. März 1937 gründete Johann Gierlich, diesmal ohne Partner, erneut das Obergärige Brauhaus Im Kaiser:
[30, 26.03.1937] „…In das Handelsregister wurde am 23. März 1937 eingetragen: H.-R. A12969 Obergäriges Brauhaus Im Kaiser Johann Gierlich, Köln, und als Inhaber Johann Gierlich, Brauereibesitzer, Köln. Ferner wird bekanntgemacht. Das Geschäftslokal befindet sich Ehrenstraße 74…“
 
Im darauf folgenden Jahr taucht Johann Gierlich auch wieder im Kölner Branchen-Adressbuch als Betreiber einer Bierbrauerei und Gaststätte in der Ehrenstraße 74 auf [25].
In den Jahren 1938 und 1939 wurden Umbauten an der Brauerei vorgenommen, die Folgejahre verlaufen ohne Besonderheiten.
Im Jahr 1944 setzte sich Johann Gierlich zur Ruhe und übertrug die Führung der Brauerei an den gleichnamigen aber Hans genannten Johann Gierlich, vermutlich seinem Sohn.
[30, 04.08.1944] „…Handelsregister. Amtsgericht Köln, Abt. 24. 25. Juli 1944. H.-R. A 16545: „Obergärige Brauerei Im Kaiser Johann Gierlich“ Köln. Das Geschäft ist auf Johann genannt Hans Gierlich übergegangen. Die Haftung des Erwerbers für die im Betriebe des Geschäfts begründeten Verbindlichkeiten des früheren Inhabers sowie der Übergang der in dem Betriebe begründeten Forderungen auf den Erwerber ist ausgeschlossen…“
 
Vermutlich wurde die Brauerei kurze Zeit später aus Mangel an Rohstoffen und Arbeitern stillgelegt.
(100) [14, 29.03.1936]
Anzeige der Werbe-Gemeinschaft Kölner Haus-Brauereien aus dem Jahr 1936
(104) [14, 20.01.1939]
Gemeinsame Anzeige der Kölner Hausbrauereien aus dem Jahr 1939
 
(106) [14, 31.12.1939]
Grüße der Kölner Hausbrauereien zum Neujahr 1940
 
(105) [14, 01.05.1937]
Anzeige der Werbe-Gemeinschaft Kölner Haus-Brauereien aus dem Jahr 1936
(W021) [14, 08.08.1941]
Personal wird gesucht, Brauer, Hilfsarbeiter und Büfettfräulein. Anzeige aus dem Jahr 1941 
(W022) [14, 13.02.1942]
Koch gesucht. Anzeige aus dem Jahr 1942 
 

Das Tanzlokal „Imperial“ von Ludwig Blatzheim ((1948)-1950)
Obwohl die Brauerei „Im Kaiser“ den zweiten Weltkrieg als eine der wenigen Kölner Brauereien ohne größere Schäden überstanden hatte, sollte in der Ehrenstraße 74 nie wieder gebraut werden.
Im Jahr 1948 kommt der Name Ludwig Blatzheim ins Spiel. Ludwig Blatzheim stammte aus einer bereits seit dem Mittelalter in Köln ansässigen Familie und wurde am 10. August 1877 in Köln geboren. Zusammen mit seinem im Jahr 1905 geborenen Sohn Hans Herbert erwarb und führte er ab den 1920er Jahren zahlreiche Gastronomie-Betriebe in Köln, meist Varietés oder Tanzlokale. So z.B. im Jahr 1930 das in Köln Rodenkirchen gelegene Gartenlokal Rheinterrassen, damals mit 3000 Plätzen das größte Tanzlokal in Köln.
Nach dem Krieg expandierte die mittlerweile als Blatzheim Gastronomiebetrieb KG firmierenden Vater-Sohn Konstellation weiter, auch außerhalb Kölns. Es wurden z.B. 4 Luxushotels in Ägypten betrieben. In Köln wurden u.a. die Bastei und der Gürzenich betrieben sowie das Kino Capitol eröffnet. Im Jahr 1956 war die Blatzheim KG hinter der Steigenberger Hotel Group auf Platz 2 der größten deutschen Gastronomieunternehmen.
Das abgebildete Bild von Ludwig Blatzheim wurde im Jahr 1930 vom bekannten Kölner Fotografen August Sander fotografiert und ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt [9]. Ludwig Blatzheim verstarb im Jahr 1961.
Relevant im Kontext des Brauhauses „Im Kaiser“ ist allerdings nur die Tatsache, dass im Branchenverzeichnis des Jahres 1948 [10] bei Restaurants der Eintrag „Blatzheim Ludw., Ehrenstr. 74“ aufgeführt ist. Anstelle der Brauerei betrieb Ludwig Blatzheim an gleicher Stelle das „Imperial“, ein Vergnügungslokal mit Kabarett und Tanz [17].
Im Jahr 1950 wurde das Vergnügungslokal „Imperial“ geschlossen und Thea Maier, die Witwe von Heinrich Kolter, eröffnete eine Restauration in der Ehrenstraße 74.
 
(W023) [17, 17.11.1949]
Anzeige des Tanzlokals "Imperial", welches nach dem Krieg in den Gebäuden des Kaisers residierte 
(o56) [14, 01.01.1941]
Ludwig Blatzheim betrieb u.a. auch die "Vergnügungsstätten Habanera und Circe" in Köln
(F002) [9]
Foto von Ludwig Blatzheim, fotografiert im Jahr 1930 von dem bekannten Kölner Fotografen August Sander. Zu sehen im MoMA (Museum of Modern Art in New York)
                                     

Die Obergärige Bierbrauerei von Thea-Kolter (1950-1954)
Thea Maier-Kolter stammte aus einer bekannten Kölner Brauerfamilie. Ihr Vater, Heinrich Kolter, führte von 1892 bis zu seinem Tod im Jahr 1906 eine bereits im Jahr 1864 gegründete Brauerei auf dem Marienplatz 24 .
Nach dem Tod von Heinrich Kolter führte seine Witwe, Maria Kolter, die Brauerei weiter. Die Firmierung wurde in „Obergärige Brauerei Witwe Heinrich Kolter“ geändert.
Als Maria Kolter im Jahr 1927 starb, übernahm Thea Maier mit ihrem Mann die Führung der Brauerei. Thea Maier war eine der 3 Töchter von Maria Kolter und mit Joseph Maier verheiratet. Gemeinsam führten sie die Brauerei, der Name „Obergärige Brauerei Witwe Heinrich Kolter“ wurde beibehalten. Als Joseph Maier im Jahr 1943 verstarb, führte Thea-Maier die Brauerei bis zu ihrer Zerstörung bei alliierten Bombenangriffen im Jahr 1944 weiter.
Das völlig zerstörte Brauhaus am Marienplatz wurde nicht wiederaufgebaut. Thea Maier übernahm im Jahr 1950 das „Imperial“ von Ludwig Blatzheim und richtete dort wieder eine klassische Kölner Restauration ein.
Allerdings war die Restauration nur gepachtet, Eigentümerin war eine „Frau Stucke“, ihres Zeichens Betreiberin von Parkgaragen. Die Familie Stucke blieb auch bis in die 1970er Jahre des Gebäudes in der Ehrenstraße 74.
Thea Maier nutzte die Bekanntheit des Namens Kolter und nannte ihre Restauration wie vor dem Krieg „Obergärige Brauerei Witwe Heinrich Kolter“, obwohl weder gebraut wurde noch sie die Witwe von Heinrich Kolter war. Geworben wurde auch mit „Kölns ältestes Bierrestaurant“ und „Seit 1425“, was auch beides nicht stimmte. Es wurde also mit der Historie der Brauerei „Im Kaiser“ geworben, aber im Namen kein Bezug genommen.
Das ausgeschenkte Kölsch wurde als „Kolter echt Kölsch“ verkauft, aber vom Altstadtbräu Sion gebraut .
Das Gastspiel von Thea Maier in der Ehrenstraße 74 dauerte 4 Jahre. Im Jahr 1954 verlegte sie ihre Restauration an den Hohenstaufenring 48-54, wo sie als „Obergärige Brauerei Thea Maier“ firmierte. Also weiterhin „Brauerei“, aber immerhin keine „Witwe Kolter“ mehr. Im Jahr 1960 übernahm Gustav Rüter die Restauration am Hohenstaufenring 48-54 und die Ära Kolter / Maier war hiermit zu Ende.
(W016) [10, 1951]
Werbung der Restauration Kolter aus dem Jahr 1951
(W018) [10, 1954]
Werbung der Restauration Kolter aus dem Jahr 1951. "Seit 1425, Kölns ältestes Bierrestaurant"
(W017) [10, 1958]
Werbung der Restauration Kolter aus dem Jahr 1958, schon am Hohenstaufenring

Die Restauration „Gereons-Bräu M. Neu K.G.“ (1955-1958)
Nachdem Thea Maier ihre Restauration an den Hohenstaufenring verlagert hatte, eröffnete M. Neu in der Ehrenstraße 74 die Restauration „Gereons-Bräu“. Über M. Neu selbst ist nichts weiter bekannt, in den Kölner Adressbüchern dieser Zeit ist er nicht zu finden.
Der Name „Gereons-Bräu“ ist insofern erstaunlich, da die nicht eben kleine Hubertusbrauerei aus Köln zeitgleich die Biermarke "Gereons-Bräu" führte und formal auch "Hubertus Brauerei GmbH Gereonsbräu" hieß.
Vielleicht war dies auch der Grund warum im Jahr 1958 wieder Schluss war.
     
(W057) [25]
Anzeige der "Gereons-Bräu M. Neu K.G." aus dem Jahr 1956. Der Name ist umso bemerkenswerter, da die Hubertusbrauerei aus Köln zeitgleich die Biermarke "Gereons-Bräu" führte und formal auch "Hubertus Brauerei GmbH Gereonsbräu" hieß
                                                                                                                                    

Die Restaurationen von Peter Engelbertz, Heinz Vogel, Hans Blatzheim und das Ende des Kaiser (1959-(1973))
Nach dem Ende des „Gereons-Bräu“ übernahm Peter Engelbertz im Jahr 1959 die Führung der Restauration in der Ehrenstraße 74. Peter Engelbertz führte zeitgleich neben der Gaststätte in der Ehrenstraße 74 auch das Hotel-Restaurant in den Obermarspforten 1-3 sowie eine weitere Gaststätte in der Hohe-Straße 84/86. Aber bereits ein Jahr später gab er die Restauration in der Ehrenstraße 74 wieder auf.
Im Jahr 1960 übernahm dann Heinz Vogel die Restauration. Über Heinz Vogel sind keinerlei Informationen bekannt. Vermutlich war es aber Heinz Vogel, der die Restauration in der Ehrenstraße als „Obergäriges Brauhaus Im Kaiser“ betrieb und so wieder den Bezug zur Historie herstellte. Nach 8 Jahren war dann im Jahr 1967 auch mit Heinz Vogel Schluss.
Der nächste und letzte Betreiber des „Brauhaus im Kaiser“ war Hans Herbert Blatzheim, der Sohn von Ludwig Blatzheim, welcher von 1948 bis 1950 das Tanzlokal „Imperial“ in den Gebäuden der Brauerei in der Ehrenstraße 74 geführt hatte.
Für Hans Herbert Blatzheim war der Kaiser nur eine Randnotiz. Zu dieser Zeit war Hans Herbert Blatzheim der zweitgrößte Gastronomie-Betreiber in Deutschland und betrieb auch zahlreiche Gastronomie-Betriebe im Ausland. Insgesamt über 80 Betriebe inklusive Lokalketten wie "Tabu", "Crazy Club", "Eve-Bars" und "Black Horse".
Hans Herbert Blatzheim heiratete im Jahr 1953 Magda Schneider und nahm damit den Platz des Schwiegervaters der damals noch minderjährigen Romy Schneider ein und trat nachfolgend auch als ihr Manager auf [7,8]. Romy Schneider wurde auch medienwirksam bei Eröffnungen von neuen Gastronomiebetrieben eingesetzt.
Hans Herbert Blatzheim starb im Jahr 1968, taucht aber merkwürdiger Weise bis ins Jahr 1973 als Betreiber der Restauration in der Ehrenstraße 74 auf. Ggf. gab es einen gleichnamigen Sohn, gesichert ist das aber nicht.
Das Jahr 1973 ist das letzte Jahr, in dem Die Restauration in der Ehrenstraße 74 in den Kölner Branchen-Adressbüchern auftaucht. Vermutlich wurde Restauration in diesem Jahr geschlossen, spätestens aber im Jahr 1975 [25,45].
Die Nachnutzung des Gebäudes in der Ehrenstraße 74, welches heute noch existiert und unter Denkmalschutz steht, war sehr unterschiedlich. Vom Supermarkt bis zum Mode-Geschäft war bisher alles vertreten. Aktuell (2022) befindet sich in der Ehrenstraße 74 ein Computer-Geschäft.
 
(F001) [13]
Foto "Im Kaiser" "Alte obergärige Brauerei". Vermutlich aus den 1960er Jahren
(W058) [25]
Anzeige des "Im Kaiser" aus dem Jahr 1967
(F003) [12]
Foto der ehemaligen Brauereigebäudes, mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt, aus dem Jahr 2012
                     

Übersicht der Firmierungen
Zeitraum        Firmierung Anmerkung
(1654) Brauerei "Zum Kaiser am Ehrenthor", Johannes Herriger Ehrenstraße 86
(1735) Brauerei "?", Johann Lölgen  
(1797) Brauerei "?", Hubert Breuer  
(1813)-(1831) Brauerei "Im Kaiser", Gottfried Lölgen  
(1835)-1839 Brauerei "Im Kaiser", Mathias Joseph Lölgen  
1839-1849 Brauerei "Im Kaiser", Witwe Therese Lölgen  
1849-1861 Brauerei "Zum Kaiser Franz", Mathias Joseph Lölgen  
1861 Brauerei "Im Kaiser", Johann Baptist Jonen  
1861-1867 Brauerei "Im Kaiser", Michael Giersberg  
1867-1873 Brauerei "Im Kaiser", Gerhard Lindlau  
1874-1875 Brauerei "Im Kaiser", Gerhard Helmig  
1877-1878 Restauration "Im Kaiser", Joseph Aremtz Keine Brautätigkeit
1879-1880 Brauerei "Im Kaiser", Anton Büttgenbach  
1880-1884 Brauerei "Im Kaiser", Arnold Hubert Zündorf  
1884-1898 Brauerei "Im Kaiser", Peter Zündorf ab 1894: Ehrenstraße 74
1898-1901 Brauerei "Im Kaiser", Wilhelm Weismantel  
1901-1903 Restauration "Im Kaiser", Jean Gernert Keine Brautätigkeit
1903 Restauration "Im Kaiser", Conrad Droullier Keine Brautätigkeit
1906-1909 "Obergäriges Brauhaus Im Kaiser“, Berresheim & Graeff  
1909-1919 "Obergäriges Brauhaus Im Kaiser“, Amandus Graeff  
1920-1927 Zigarettenfabrik Michael Miglis Keine Brautätigkeit
1927-1928 Zigarettenhandlung Jean Gierlich Keine Brautätigkeit
1928-1935 "Obergäriges Brauhaus Im Kaiser Wirtschaftsbetriebe G.m.b.H.“  
1935-1937 Restauration "Im Kaiser", Johann Gierlich Keine Brautätigkeit
1937-(1944) "Obergäriges Brauhaus Im Kaiser“, Johann Gierlich  
(1948)-1950 Tanzlokal "Imperial", Ludwig Blatzheim Keine Brautätigkeit
1950-1954 „Obergärige Brauerei Witwe Heinrich Kolter“ von Thea Maier-Kolter Keine Brautätigkeit
1955-1958 Restauration „Gereons-Bräu M. Neu K.G.“ Keine Brautätigkeit
1959-1960 Restauration von Peter Engelbertz Keine Brautätigkeit
1960-1967 Restauration "Obergäriges Brauhaus Im Kaiser", Heinz Vogel Keine Brautätigkeit
1967-(1973) Restauration "Obergäriges Brauhaus Im Kaiser", Hans Blatzheim Keine Brautätigkeit

Brauereien mit Bezug zur Brauerei "Im Kaiser"
In der nachfolgenden Tabelle  Brauereien aufgeführt, welche einen direkten oder indirekten Bezug zur Brauerei "Im Kaiser" hatten. Für diese Brauereien gibt es eigene Brauereihistorien, welche über den angegebenen Link aufgerufen werden können.
Brauerei  Anmerkungen Brauereihistorie
Brauerei An Lyskirchen 3 / Brauhaus Bröhl Johann Baptist Jonen, der den Kaiser im Jahr 1861 führte, führte von 1833 bis 1855 auch die Brauerei An Lyskirchen 3, das spätere Brauhaus Bröhl.
Die gleiche Brauerei führte auch Arnold Hubert Zündorf, welcher den Kaiser von 1880-1884 führte, in den Jahren von 1888 bis 1894.
Ursulabräu / Em Birbäumche Johann Baptist Jonen, der den Kaiser im Jahr 1861 führte, führte von 1855- bis 1861 auch das Ursulabräu in der Ursulastraße 5.
Brauerei "Em halve Mond" Anton Büttgenbach, welcher den Kaiser in den Jahren 1879-1880 führte, führte von 1885-1887 auch die Brauerei "Em halve Mond" in der Thieboldsgasse 75.
Kölner Brauhaus / Brauerei Sester Peter Zündorf, der den Kaiser von 1884-1898 führte, gründete im Jahr 1896 eine Brauerei in der Vogelsanger Straße, aus der später das Kölner Brauhaus und anschließend die Sester Brauerei entstand.
Brauerei "Im Holz" Wilhelm Weismantel führte die Brauerei "Im Holz" in den Jahren 1894 bis 1898, allerdings zu einer Zeit, als die Brauerei "Im Holz" nur noch als Restauration betrieben wurde.
Union Brauerei AG vorm. Fritz Bautz, Zündorf Amandus Graeff, welcher die Brauerei in 2 Firmierungen von 1906 bis 1919 führte, war von 1902 bis 1905 im Vorstand der Union Brauerei aus Zündorf.
Apostelnbräu Johann Berresheim, der von 1906 bis 1909 einer der Geschäftsführer des Kaiser war, war auch bis zur Gründung der Gesellschaft "Obergärige Brauhaus Im Kaiser“, Berresheim & Gräff" im Jahr 1906 Geschäftsführer des Apostelnbräu.
Brauerei Kolter Thea Maier, welche von 1950 bis 1954 eine Gaststätte in der Ehrenstraße 74 betrieb, war die Tochter von Heinrich Kolter, der längere Zeit eine Brauerei auf dem Marienplatz 24 führte.
Altstadtbräu Sion Das Kölsch, welches Thea Maier von 1950 bis 1954 in ihrer Gaststätte in der Ehrenstraße 74 ausschenkte, hieß zwar "Kolter Kölsch", wurde aber von Sion gebraut.

Anmerkungen
» Es gibt die Legende, dass im Brauhaus zum Kaiser in den 1840er Jahren die Stadt Ehrenfeld (heute ein Stadtteil von Köln) gegründet wurde. Und die Legende ist sogar wahr. Folgender führt ans Ende dieser Seite, wo ein Artikel aus dem Jahr 1907 aufgeführt ist, in dem die Gründung von Ehrenfeld ausführlich dargestellt wird.
» Das Brauhaus wurde in früher Zeit im Volksmund auch „Zum dreckeligen Kaiser“ genannt. Auch dies ist nicht nur eine Anekdote, sondern stimmt. In der Zeit vor 1845 lag das Brauhaus ganz am Rand der Stadt. Das in der Nähe gelegene Ehrentor markierte die Stadtgrenze. Vor der Stadt lagen Felder, auf denen überwiegend Kohl angebaut wurde. Nach getaner Arbeit kehrten die „Kappes-Buure“ („Kohl-Bauern“) gerne in das nahe gelegene Brauhaus "Zum Kaiser" ein um nach der Arbeit noch ein Bier zu trinken. Dabei schleppten sie nicht wenig Dreck von den Feldern mit ins Brauhaus und daher der Name. Das Thema greift in humorvoller Weise auch der folgende, Im Kölner Lokal-Anzeiger erschienen Artikel aus dem Jahr 1911 auf:
[4, 29.07.1911] „…Findigkeit der Post. Eine am Donnerstag in München aufgegebene Postkarte mit der Aufschrift: An das Obergärige Brauhaus „Em dreckige Kaiser" am Rhein, traf prompt am Freitag morgen beim hiesigen Brauhaus „Im Kaiser“ Ehrenstraße ein, ohne daß die Karte mit irgend welchem Zusatz seitens der Post versehen war…“.
Die Nachricht erschien wohl so kurios, dass sie nachfolgend auch in der Westdeutschen Landeszeitung, der Walder Zeitung, der Benrather Zeitung, dem Bonner General-Anzeiger und im Echo des Siebengebirges nachgedruckt wurde.
» Johann Gierlich wirbt auf einem Bierdeckel noch mit "Obergäriges Brauhaus", auf einem anderen, vermutlich späteren Bierdeckel ist dann von "obergärig" nicht mehr die Rede und es werden mit "Echt Kölsch", "Edel-Lager", "Pils", Märzen" auch untergärige Biere aufgeführt.
» Es gab in Köln noch eine weitere Brauerei mit „Kaiser“ im Namen. Die „Brauerei Kaiser“ war am Ursulakloster 1 gelegen und bestand in den 1920er Jahren.

Brauereiwerbemittel
Bierdeckel
(002) [unbekannt]
"J. Gierlich", diese Firmierung gab es von 1937 bis 1944 
 
(003) [unbekannt]
"Joh. Gierlich", diese Firmierung gab es von 1937 bis 1944. Da Pils im Angebot ist, muss die Brauerei in dieser Zeit auch untergärige Biere gebraut haben.
 
(001)
Bierdeckel aus den 1960er Jahren
(S036) [Sammlung Hildner]
Sester und Brauhaus im Kaiser auf einem Deckel. Ggf. wurde das Bier nicht nur bei Sester gebraut, sondern auch als Sester Kölsch ausgeschenkt

Etiketten
   
(E001) [unbekannt]
Flaschenetikett, Alter unklar
                                                                                                                          

Gläser
   
(K001)
Kölschglas aus den 1960er Jahren
                                                                                                                                              

Quellenverzeichnis
 
1 Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2 "Trinkt Kölner Bier - Quer durch Kölner Brauhäuser", Artikel einer Sonderbeilage des Kölner Tageblattes vom Sonntag den 15. Dezember 1929
3 "Die ältesten Brauereien Kölns", Artikel im Kölner Sonntags-Anzeiger von Wilhelm Scheben aus dem Jahr 1888
4 "Kölner Lokal-Anzeiger", Ausgaben 12.09.1893, 02.09.1894, 02.09.1894, 04.09.1894, 28.10.1894, 01.01.1898, 16.04.1898, 31.08.1898, 06.10.1898, 08.01.1899, 23.08.1899, 04.11.1899, 12.11.1899, 26.01.1900, 20.04.1900, 07.11.1900, 24.03.1901, 21.04.1901, 08.05.1901, 21.06.1901, 07.08.1901, 04.11.1901, 29.11.1901, 01.01.1902, 07.03.1902, 16.07.1902, 17.07.1902, 01.01.1903, 07.03.1903, 16.05.1903, 28.10.1903, 31.10.1903, 24.11.1903, 20.12.1903, 01.01.1904, 16.01.1904, 24.03.1904, 08.10.1904, 30.10.1904, 12.11.1904, 18.12.1904, 01.01.1905, 01.01.1905, 18.03.1905, 08.04.1905, 09.05.1905, 30.03.1906, 02.10.1906, 07.10.1906, 01.12.1906, 07.01.1907, 09.02.1907, 20.02.1907, 02.03.1907, 01.06.1907, 03.09.1907, 23.11.1907, 12.12.1907, 14.12.1907, 31.12.1907, 22.02.1908, 25.05.1908, 29.07.1911, 23.06.1915, 24.06.1917, 18.06.1918, 05.10.1928, 15.10.1928, 28.09.1929, 29.09.1929, 13.11.1929, 15.09.1930, 10.10.1932, 04.03.1934, 22.12.1934, 29.03.1936, 01.05.1937, 01.06.1939
5 Seite „Wilhelm Scheben“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. Juli 2022, 22:08 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wilhelm_Scheben&oldid=224664182 (Abgerufen: 2. August 2022, 08:09 UTC)
6 Artikel „Der Neubau Zum neuen Kaiser“, erschienen am 28.10.1894 im Kölner Lokal-Anzeiger
7 https://bz-ticket.de/hintergrund-das-blatzheim-imperium--185419476.html
8 Seite „Hans Herbert Blatzheim“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 6. Juli 2022, 00:50 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hans_Herbert_Blatzheim&oldid=224266855 (Abgerufen: 3. August 2022, 15:52 UTC)
9 https://www.moma.org/collection/works/193990
10 Bachem's Branchen Adreßbuch, Verlag J. P. Bachem, Verlagsbuchhandlung G.m.b.H. Köln/Rhein, 1948
11 "Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
12 © Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons), Wohn- und Geschäftshaus Ehrenstraße 74-7532
13 "Kölsche Bier- und Brauhäuser", Franz Mathar & Rudolf Spiegel, Greven Verlag Köln, 1989
14 "Der Neue Tag", Ausgaben 29.03.1936, 01.05.1937, 08.04.1938, 20.01.1939, 31.12.1939, 24.05.1940, 08.08.1941, 01.10.1941
15 https://altes-koeln.de/wiki/Datei:Kreuter_017.jpg
16 "Prosit Colonia: Die vergessenen und unvergessenen Brauereien, Bier- und Brauhäuser Kölns", Autor: Franz Mathar, Greven Verlag, 1999
17 "Bonner Generalanzeiger für Bonn und Umgegend", Ausgaben 02.11.1892, 15.11.1892, 17.07.1895, 14.04.1906, 17.11.1949, 29.08.1907
18 "Gladbacher Volkszeitung, Ausgabe 18.08.1921
19 "Kölner Nachrichten", Ausgabe 11.07.1885, 06.09.1886, 28.09.1886, 07.05.1887, 01.10.1887, 24.06.1890
20 "Bergische Zeitung", Ausgaben 17.02.1898, 24.02.1898, 09.03.1898, 30.04.1898
21 "Walder Zeitung", Ausgabe: 10.10.1895
22 "Hagener Zeitung", Ausgaben 16.03.1899, 29.09.1900
23 "Aachener Anzeiger", Ausgabe 22.11.1908
24 "Rhein- und Ruhrzeitung", Ausgaben 09.04.1924, 01.01.1925
25 Kölner Adressbuch, Verlag Greven, Ausgaben: 1866-1941/42 und 1950-1973
26 "Bergische Post", Ausgabe 05.06.1925
27 "Westfälische Zeitung", Ausgabe: 26.05.1920
28 "Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger", Berlin, Ausgaben 04.01.1899, 09.06.1899, 13.09.1901, 13.12.1901, 31.12.1903, 15.08.1928, 04.04.1934
29 "Kölner Sonntags-Anzeiger", Ausgaben 10.10.1880, 24.10.1880, 30.06.1895
30 "Kölnische Zeitung", Ausgaben 05.07.1827, 08.05.1833, 03.05.1835, 10.12.1835, 23.10.1836, 13.04.1837, 06.06.1837, 06.12.1837, 28.01.1838, 30.05.1839, 13.03.1840, 19.09.1840, 21.10.1840, 05.03.1843, 19.11.1843, 23.12.1843, 26.04.1844, 08.12.1844, 16.04.1845, 05.05.1845, 07.05.1845, 25.05.1845, 26.05.1845, 27.07.1845, 31.07.1845, 18.09.1845, 15.11.1846, 11.04.1847, 17.04.1847, 19.12.1847, 07.05.1848, 18.07.1848, 28.01.1849, 02.12.1849, 22.09.1850, 14.09.1851, 22.02.1852, 16.12.1853, 29.01.1855, 08.02.1855, 16.03.1855, 19.08.1855, 04.11.1855, 17.02.1856, 06.11.1858, 03.01.1859, 06.05.1859, 02.10.1859, 19.03.1860, 07.04.1860, 22.10.1860, 23.12.1860, 12.01.1861, 20.01.1861, 27.03.1861, 31.03.1861, 18.11.1861, 28.12.1861, 19.04.1862, 18.05.1862, 01.08.1862, 22.08.1862, 23.08.1863, 18.10.1863, 03.01.1864, 22.01.1865, 08.06.1867, 22.06.1867, 23.06.1867, 02.07.1867, 27.09.1867, 17.12.1867, 21.12.1867, 21.12.1867, 31.12.1867, 11.04.1868, 16.05.1868, 13.12.1868, 06.02.1869, 17.10.1869, 22.10.1869, 03.11.1869, 04.11.1869, 20.03.1870, 16.04.1870, 22.10.1870, 31.12.1870, 30.04.1872, 03.07.1872, 17.03.1873, 23.06.1873, 13.09.1873, 27.09.1873, 04.10.1873, 19.10.1873, 31.10.1873, 23.05.1874, 19.12.1874, 10.03.1875, 23.06.1875, 09.07.1875, 25.08.1875, 05.10.1875, 11.12.1875, 15.02.1876, 17.06.1876, 22.04.1878, 26.10.1878, 03.11.1879, 26.07.1880, 16.11.1880, 06.06.1882, 23.10.1884, 15.11.1884, 30.11.1884, 20.09.1885, 23.10.1888, 30.01.1890, 26.12.1890, 07.03.1891, 14.11.1891, 18.09.1895, 07.04.1898, 31.07.1900, 06.05.1902, 23.12.1905, 25.01.1906, 15.02.1909, 30.07.1924, 23.12.1926, 22.07.1935, 08.04.1936, 26.03.1937, 13.02.1942, 24.02.1943, 01.07.1943, 22.07.1943, 04.08.1944
31 "Kölner Stadtboth", Ausgabe 03.12.1820
32 "Verzeichnis der Stadt-Kölnischen Einwohner, nebst Bemerkung", Thiriart und Compagnie, 1797
33 "Itinéraire de Cologne", Th. F. Thiriart, 1813
34 "Adreß=Buch oder Verzeichnis der Einwohner der Stadt Köln", Th. F. Thiriart, 1822
35 "Kölner Adress-Buch", Herausgegeben von J.G. Heyn, Köln, Ausgaben 1841, 1844, 1846, 1849
36 "Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westfalen", Ausgabe 26.07.1849, 07.05.1850, 10.01.1854, 12.08.1855
37 "Adreßbuch für Köln, Deutz und Mülheim am Rhein", Herausgegeben von E. Kluge, , Verlag von Wilhelm Greven, Ausgaben 1854, 1855, 1857, 1859, 1860, 1861, 1862, 1863, 1864, 1865
38 "Der Kölnische Correspondent, Ausgabe: 08.05.1833
39 "Kölner General-Anzeiger", Ausgaben 24.06.1896, 07.02.1897, 30.04.1897
40 "Rheinische Volkswacht", Ausgaben: 16.01.1919, 03.06.1920
41 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 8. Jahrgang, 1910, Verlag von Eisenschmidt & Schulze GmbH, Leipzig
42 "Bonner Volkszeitung", Ausgabe 06.09.1894
43 "Honnefer Volkszeitung", Ausgabe 18.09.1961
44 "Adreß-Buch oder Verzeichniß der Einwohner der Stadt Köln", Buchdruckerei von Fr. J. Greven, Ausgaben 1831, 1835, 1838
45 "Firmen-Handbuch Großraum Köln", Greven's Adreßbuch-Verlag, Köln, Ausgabe 1975/76

Die Entstehung von Ehrenfeld
„Die Gründung der Kölner Vorstadt Ehrenfeld“, Artikel im Kölner Lokal-Anzeiger vom 27. Januar 1907.
Das Terrain, auf dem sich heute Ehrenfeld, eine der blühendsten und größten der Kölner Vorstädte ausdehnt, war bis vor ungefähr 60 Jahren noch größtenteils unbebautes Land, das teils zum Ackerbau. teils zum Ausziegeln benutzt wurde. Auf der ganzen Strecke zwischen Köln und Bickendorf standen nur zwei Hauser nämlich das Gut Ziegelfeld, früher Eigentum des Bauunternehmers Th. Wilh. Ewers, und das sogen. „rote Haus“, bewohnt von Gastwirt Maus. Die ganze Gegend hatte von den vielen dort angelegten Ziegeleien den Namen Ziegelfeld. Am südlichen Ende des Terrains lag der alte Mechterner Hof, ein Ueberbleibsel des im Jahre 1474 beim Heranrücken der burgundischen Kriegstruppen des Herzogs Karl des Kuhnen im Auftrage des Kölner Rates wegen Kriegsgefahr zerstörten Klosters Mechtern (ad sanctos Martyres); am nördlichen Ende lag der Subbelrather Hof.
In der ersten Hälfte der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts tagte in der altbekannten Brauerei Zum Kaiser auf der Ehrenstraße eine Stammgesellschaft, an deren Spitze der durch seine lokalhistorischen Arbeiten bekannte Antiquar Franz Anton Kreuter, der Verfasser der Wanderungen durch das mittelalterliche Köln, der Kölner Sagen und Legenden usw. stand. Um die Mitte Januar 1845 machte er seiner Gesellschaft den zuerst allgemein herzhaft belachten Vorschlag, eine neue Stadt zu gründen. Er entwickelte in einer längeren Rede den Anwesenden, wie seit dem Jahre 1830 die Bautätigkeit in Köln einen überraschenden Aufschwung genommen habe, streifte auch dabei die Erfolge der berüchtigten Baugesellschaften, der sogenannten schwarzen, weißen und der Wurstbrigade (letztere so genannt, weil sie zum größten Teil aus Metzgern bestand) und machte den Vorschlag, eine Gesellschaft auf Gegenseitigkeit zu gründen, die den Zweck verfolge, außerhalb der Stadt, doch in so nächster Nähe, als es der Festungsrayon gestatte, billige Grundstücke zu erwerben. Sein Vorschlag ging dahin, jeder Zeichner einer Parzelle, die 20 Fuß Front und 100 Fuß Tiefe haben würde, solle wöchentlich einen Beitrag von 15 Silbergroschen entrichten; gleichzeitig teilte er mit, daß er schon wegen Ankauf des nötigen Grundstuckes Verhandlungen angeknüpft habe und daß der Eigentümer des in Aussicht genommenen Terrains sich mit diesen wöchentlichen Zahlungen ohne jede weitere Garantie einverstanden erklärt hatte, wenn der Stammwirt Lölgen Kassierer würde und sich die in Aussicht genommene Zahl von 224 Teilnehmern fände.
Kreuter wußte die Anwesenden so von der Rentabilität seines Planes zu überzeugen, daß er langsam Beifall fand. Er wurde beauftragt, von dem Eigentümer, dem Ziegeleibesitzer Joh. Wahlen auf der St. Apernstraße wohnend, ein Grundstück von 18 Morgen unter den obigen Bedingungen zum Preise von 500 Talern pro Morgen zu kaufen. Das Stück Land, das nach vorn an die Venloerstraße und nach hinten an den Mechternhof stieß und von Wahlen als Ziegelfeld benutzt worden war, wurde von dem Geometer Eschweiler ausgemessen und in 224 Parzellen in der oben angegebenen Größe abgeteilt. Nachdem außer bei dem Stammwirt Matth..Jos. Lölgen auch noch bei dem Bierbrauer Michael Feith auf der Hahnenstraße eine Liste zur Zeichnung ausgelegt worden, waren sämtliche 224 Parzellen nach Ablauf einer Woche schon verkauft, und viele, die noch zeichnen wollten, mußten abgewiesen werden. Bereits am 5. März 1845 fand die erste Zahlung von 15 Silbergroschen pro Parzelle an die beiden Kassierer Lölgen und Feith statt. In einer der nächsten Versammlungen wählte man zur Wahrung der Interessen der Gesellschaft einen Vorstand, bestehend aus folgenden fünf Mitgliedern: Wagenfabrikant Frz. Jos. Welter, Rentner Matth. Breuer, Frz. Jos. Blatzbecker, Thom. Flüggen und Pet. Bensberg.
Die wöchentlichen Einzahlungen waren ordnungsmäßig weiter erfolgt und schon wies die Kasse einen ziemlichen Barbestand auf, als Differenzen mit dem Grundstückseigentümer Wahlen entstanden, die sich nicht ausgleichen ließen und die gänzliche Auflösung des Vertrages zur Folge hatten. Ein Aufgeben des Unternehmens war aber nicht beabsichtigt; deshalb trat der Vorstand mit drei andern Grundbesitzern Joh. Seb. Jak. Schlösser, Frz. Weyer und Peter Wahlen in Unterhandlung. Die Generalversammlung beauftragte dann die Vorstandsmitglieder Welter und Breuer mit den genannten Eigentümern die nötigen, notariellen Verträge abzuschließen. Da letztere jedoch sich nicht zu einem Verkauf an eine Gesellschaft verstehen wollten übernahmen die beiden genannten Vorstandsmitglieder den Ankauf unter ihrer persönlichen Garantie, ohne den geringsten Nutzen dafür zu beanspruchen. Es wurden angekauft dem ursprünglichen Projekte gerade gegenüber: Von Schlösser, 6 Morgen, 18 Ruten, 25 Fuß, per Morgen zu 800 Taler, zusammen 4881 Taler, 3 Silbergroschen, 3 Pfennige; von Weyer 7 Morgen, 7 Nuten, 75 Fuß, per Morgen zu 700 Taler, zusammen 4930 Taler, 4 Silbergroschen, 3 Pfennige; von P. Wahlen 2 Morgen, 21 Ruten, 58 Fuß, per Morgen 800 Taler, und 4 Morgen, 15 Ruten, 15 Fuß, per Morgen 500 Taler (weil ausgeziegelt), zusammen 13549 Taler, 7 Silbergroschen, 8 Pfennige.
Dieses Terrain wurde wiederum durch den Geometer Eschweiler in 224 Parzellen gleicher Größe wie oben abgeteilt, und nachdem Geometer Bellingrath die Straßen abgesteckt hatte, wurde der sehr unebene Boden planiert und die ausgeziegelten Grundstucke durch etwa 5000 Karren Sand ausgefüllt. Nun galt es aber auch, der neuen Gründung einen passenden Namen zu geben. Die einigte sich auf den Vorschlag des Vorstandsmitgliedes Blaßbecker hin auf den Namen Ehrenfeld, da einesteils der ganze Plan in einem Hause auf der Ehrenstraße gefaßt worden sei; dann auch, weil die Grundstücke vor dem Ehrentor lagen. Die Straßen der neuen Kolonie waren auf eine Breite von 30 Fuß abgesteckt, wovon 18 Fuß auf die Fahrbahn und je 6 Fuß auf die Trottoirs entfielen. Die ersten Straßennamen in Ehrenfeld lauteten: Heribertusstraße, Karlstraße, Vereinstraße, Bahnstraße und Subbelratherstraße. Nachdem auch noch für die Anlage von vier Brunnen gesorgt worden war, ging man dazu über, den einzelnen Teilnehmern ihre Baustelle zuzuweisen, und zwar geschah dies durch Verlosung vor Notar Landwehr. Es wurde für die Verlosung festgesetzt, daß die Namen sämtlicher Zeichner ins Ziehungsrad gelegt werden sollten, und zwar sowohl die Zeichner auf einzelne Parzellen als auch diejenigen auf mehrere, so daß die Namen dieser Mehrzeichner auch nur so oft, als diese auf zwei Parzellen gezeichnet hatten, in die Urne kamen; ferner, daß am oberen Ende der Kolonie mit Nr. 1 angefangen und falls ein Name gezogen würde, der auf zwei Parzellen gezeichnet, demselben stillschweigend die folgende Nummer, also zwei nebeneinanderliegende Parzellen, zugeschrieben werden sollten. In dieser Weise sollte fortgefahren werden, bis sämtliche 224 Nummern gezogen worden seien. Die Verlosung fand statt durch Notar Landwehr im Neuen Kuhberg auf der Ehrenstraße Ende März 1846 bei gänzlich überfülltem Saale. Um der neuen Kolonie auch ein städtisches Aussehen zu geben, wurde in mehreren Sitzungen, die im Hause des Notars Landwehr auf der Hohestraße abgehalten wurden, von dem Vorstande ein in allen Punkten mustergültiges Baureglement aufgestellt, das den einzelnen Teilnehmern zugestellt wurde und das auch bis zum Abschluß des Unternehmens strenge durchgeführt worden ist.
Schon im Jahre 1846 lagen bei der zuständigen Baupolizeibehörde, dem Landrat Simons auf Vogelsang über 30 Baugesuche vor. Da trat plötzlich in dieses aufblühende Unternehmen der Fiskus hindernd ein. Seitens der Fortifikation wurde der Vorstand aufgefordert, die Richtung der Straßen derart abzuändern, daß dieselben von dem am Stadtgarten gelegenen Fort aus in gerader Richtung mit Kanonen könnten bestrichen werden. Dies war jedoch wegen der Schmalheit des Terrains nicht möglich, und vom Vorstande unternommenen Schritte, sogar eine Eingabe ans Kriegsministerium, blieben einige Jahre lang erfolglos. Es dauerte bis zum Jahre 1849, daß diese Bestimmungen aufgehoben wurden, und die Folge war, daß in der Zwischenzeit einzelne Parzelleninhaber ihre Grundstücke sogar zu 40 Taler schon wieder verkauften.
Jahre 1849 wurden dann neue Baugesuche eingereicht; die im Jahre 1846 nachgesuchten waren wegen des Einspruches der Fortifikation unerledigt geblieben. Die Baupolizeibehörde schien auch von dem neuen Namen der Kolonie keine Kenntnis nehmen zu wollen, denn die Antwortschreiben auf die Baugesuche hatten alle den gleichmäßigen Anfang: „Mit Bezug auf Ihre Eingabe betreffend ein Baugesuch auf dem Terrain Ehrenfeld Flur— Nr.— bemerken wir Ihnen, daß uns ein Terrain Ehrenfeld gänzlich unbekannt ist; sollten sie jedoch die Stelle in der Nähe des Ziegelfeldes gemeint haben, so eröffnen wir Ihnen folgendes: usw.“ Da jedoch der Vorstand und die Beteiligten mit dem Gebrauch des neuen Namens fortfuhren, verstand man sich endlich dazu, diese Bezeichnung auch amtlich gelten zu lassen. Nach Zahlung von 136 Wochenbeiträgen, die am 6. Oktober 1847 ihren Abschluß fanden, war jeder im Besitze einer hypothekenfreien Parzelle. Zu diesen Wochenbeiträgen, die zusammen 68 Taler ausmachten, mußten dann nach 14 Taler 8 Silbergroschen 7 Pfennig für Wegebauten nachgezahlt werden. Nachdem diese Nachzahlungen erfolgt waren, wurden im Jahre 1850 in einer Generalversammlung seitens der beiden nominellen Ankäufer Welter und Breuer Rechnung gelegt und diesen für ihre uneigennützige Tätigkeit sowie dem Vorstande der gebührende Dank ausgesprochen. Die sämtlichen auf das Unternehmen bezüglichen Akten und Quittungen lagen zu jedermanns Einsicht auf. Dem Kassierer Lölgen wurde am 15. August 1850 Decharge erteilt.
Die an dem Unternehmen Beteiligten waren folgende: Aenstots. G., Bayer, Beckers, Bensberg, Bertram, J.G., Blatzbecher, F.J., Blumacher, Boehmer, C., Bornheim, Breuer, Math., Braun, A., Brendamour, Brichot, Broelsch, Brusselbach, Cremer, Nik., Daners J.P., Decker, Dünkel, Dahlmeyer, Elkendorf, J.J., Eschweiler, G., Esken, H.J., Flüggen, Thom., Fluß, Frank, A., Friedler, Friedrichs, J.V., Glasmacher, Gronen, A., Hamacher, Hamm, J.W., Hebel, Hemmerich, Höver,V., Huppertz, P.J., Kirsch, C., Koch F., Kraus, M., Kreuter, H.J., Kreuter, F.J., Kuchenberg, Lölgen, M.J., Lommer, Lommertzheim, Mahrhofen, Merkel, J.., Moyr, J.H., Munk, C., Musch, C., Nacatenus, J., Neuß, J., Oedenkoven, V., Offenberg, Raveaux, Fr., Riffart. C.J., Rösler, F.W., Rosenbaum, Rollin, A., Schaefer, Jos., Scherf, H.J., Schippers, Schmidding, H. J. Schmitt, C., Schmitz, Stelzmann, Ch., Sittmann, Spiegel, Strauß, Tils, Töller, C., Veith Mich., Wahlen, A., Wagner, J.H., Welter, F.J., Wintz, Ch., Wirtz, A.J., Wirtzfeld, Wolf, A., Wolfs, W., Woringen, P.J., Wurm, A., Wülfrath.
Wir finden darunter manchen Namen der heute noch in Ehrenfeld ansässigen Familien.
Schon im Jahre 1845 war auch in Ehrenfeld die erste Fabrikanlage entstanden, es war die Tapetenfabrik von Phil. Hoffmann, dessen Wohnhaus sich auch besonders durch seinen burgähnlichen Stil auszeichnete. Mittlerweile hatte auch der schon genannte Ziegeleibesitzer I. Wahlen angefangen, auf seinem südlich der heutigen Venloerstraße gelegenen Ziegelfelde Straßen und Häuser zu bauen sodaß die Gegend auch nach dieser südlichen Richtung hin sich bald bevölkerte; u. a. verdanken die frühere Johann= und Cäcilienstraße Wahlen ihren Ursprung, der sie nach seinem und seiner Frau Namen benannte. Auf seinem Grundstück baute er ferner die erste Kapelle, die 1863 eingeweiht und der Pfarrkirche in Bickendorf unterstellt wurde.
Der neue Ort gedieh rasch; schon im Jahre 1867 zählte er über 4000 Einwohner. Eine Anzahl Fabriken und andere gewerbliche Anlagen entstanden in rascher Folge. Ein weiterer bedeutender Fortschritt in der Entwickelung Ehrenfelds war dann die 1888 erfolgte Eingemeindung in die Stadtgemeinde Köln.