Unternehmensgeschichte der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer
sowie der Brauereien von Wilhelm Joseph Badorff, Ferdinand Magdeburg, Johann Peter Weinreis, Lambert Daniels und Jonas Kreutzer
 
 
 
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Unternehmensgeschichte
Die Ursprünge der Brauerei in der Wallstraße 54/56, die Steingassische Bierbrauerei, Wilhelm Josef Badorff ((1835)-1837)                              
Die Brauerei unter Ferdinand Magdeburg (1837-1840)
Die Brauerei unter Johann Peter Weinreis (1840-1864)
Die Brauerei „Daniels & Kreutzer“ (1864 - 1866)
Die Bayierische Bierbrauerei „zum Pavillon“ von Jonas Kreutzer (1866-1896)
Die Mülheimer Brauereigesellschaft vorm. Jonas Kreutzer (1892-1904)
Die Fusion mit der Germania-Brauerei und das Ende
Übersicht der Firmierungen
Anmerkungen
Brauereiwerbemittel
Bierdeckel                                             
Quellen
Quellenverzeichnis                                             

Die Ursprünge der Brauerei in der Wallstraße 54/56, die Steingassische Bierbrauerei, Wilhelm Josef Badorff ((1835)-1837)
Im Standard-Brauereiverzeichnis [6] wird als Gründer der Brauerei in der Wallstraße 54/56 Peter Weinreis und als Gründungsjahr das Jahr 1857 angegeben. Beides stimmt aber nicht, die Geschichte der Brauerei beginnt wesentlich früher.
Die erste bekannte Nennung einer Brauerei stammt aus dem Jahr 1835. In einer Anzeige des Bierbrauers Wilhelm Joseph Badorff ist zu lesen:
[7, 22.03.1835] „…Baierisches Bier. Vorzüglich per Ohm 5 Thlr, in der vormaligen Steingassischen Brauerei in Mülheim a. R. bei Wilhelm Joseph Badorff…“
 
Aus der Anzeige lässt sich schließen, dass Wilhelm Josef Badorff zuvor eine bestehende Brauerei, die „Steingassische Brauzerei“ übernommen haben muss. Diese muss also schon vor dem Jahr 1835 bestanden haben, leider gibt es hierüber aber keine weiteren Informationen. Die in der damaligen Zeit verwendete Maßeinheit „Ohm“ entsprach ungefähr 137 Litern. Weiter wird "Baierisches Bier" angeboten, was auf untergäriges Bier schließen lässt.
Das Gebäude in der Wallstraße 56 war im Jahr 1775 von dem damaligen Mülheimer Stadtbaumeister Johann Georg Leydel für den Fabrikanten Carl Friedrich Bräunlich erbaut worden. Carl Friedrich Bäumlich war zu dieser Zeit Betriebsleiter in der Andreaeschen Fabrik, einer Tuchmacherei und Färberei im industriellem Maßstab, in der etwa 500 Personen beschäftigt waren. Die Gebäude der im Jahr 1765 ebenfalls von Johann Georg Leydel erbauten Fabrik, lagen ebenfalls in der Wallstraße und hatten eine 130 Meter lange Straßenfront [8,9].
Wilhelm Joseph Badorff führte die Brauerei bis in Jahr 1837.
(W001) [7, 22.03.1835]
Anzeige von Wilhelm Joseff Badorff aus dem Jahr 1835. Das Ohm Baierisches Bier für nur 5 Thaler. Ebenfalls nimmt er Bezug auf die "vormalige Steingassische Brauerei"
(W002) [7, 25.05.1835]
Weitere Anzeige gleichen Inhalts wie W001 aus dem Jahr 1835

Die Brauerei unter Ferdinand Magdeburg (1837-1840)
Im Jahr 1837 übernimmt Ferdinand Magdeburg die Brauerei von Wilhelm Joseph Badorff und bezieht sich ebenfalls noch auf die alte Steingassische Brauerei:
[7, 01.04.1837] „…Unterzeichneter beehrt sich, hiermit ergebenst anzuzeigen, daß er die ehemalige Steingassische Bierbrauerei käuflich übernommen hat und darin dieses Geschäft fortsetzen wird. Indem er dieses zur Kenntniß eines geehrten Publikums bringt, bietet er um gefällige Aufträge, und wird es stets sein Bestreben sein, durch gute und reelle Bedienung sich vollkommene Zufriedenheit zu erwerben. Mülheim am Rhein, im März 1837. Ferdinand Magdeburg…“
 
Kaum 3 Jahre später, im Jahr 1840, verkaufte Ferdinand Magdeburg die Brauerei an Johann Peter Weinreis. Ferdinand Magdeburg starb im Jahr 1843. Er hinterließ 2 minderjährige Kinder.
(W007) [7, 01.04.1837]
Übernahme-Anzeige von Ferdinand Magdeburg aus dem Jahr 1837. Auch er bezieht sich noch auf die ehemalige Steingassische Bierbrauerei
 
(W001) [7, 14.09.1839]
Anzeige von Ferdinand Magdeburg anlässlich der Buchheimer Kirmes aus dem Jahr 1839
(W002) [7, 18.09.1839]
Weitere Anzeige zur Buchheimer Kirmes aus dem Jahr 1839 
(W003) [7, 21.09.1839]
Weitere Anzeige zur Buchheimer Kirmes aus dem Jahr 1839 
 
(W005) [7, 19.09.1839]
Weitere Anzeige zur Buchheimer Kirmes aus dem Jahr 1839  
(W006) [7, 01.10.1839]
Anzeige anlässlich eines Konzertes und eines Balls zur Buchheimer Nachkirmes im Jahr 1839. Die Einnahmen werden den Armen aus Mülheim, Buchheim und Köln gespendet
 
(W004) [7, 07.09.1843]
Nach dem Tod von Ferdinand Magdeburg wurde seine Nachlassenschaft versteigert. Anzeige aus dem Jahr 1843
                                                                

Die Brauerei unter Johann Peter Weinreis (1840-1864)
Johann Peter Weinreis erwarb die Brauerei an der Wallstraße 54/56 im Jahr 1840 von Ferdinand Magdeburg. Auch er bezog sich in seiner Übernahmeanzeige noch auf die alte Steingassische Bierbrauerei:
[7, 21.02.1840] „…Anzeige und Empfehlung. Unterzeichneter beehrt sich hiermit, die ergebene Anzeige zu machen, daß er die ehemalige Steingassische Bierbrauerei von Herrn Ferdinand Magdeburg käuflich an sich gebracht hat, und dieses Geschaft für eigne Rechnung fortsetzt. Indem ich um geneigten Zuspruch bitte, wird es mein eifrigstes Bestreben sein, das mir geschenkte Zutrauen zu rechtfertigen. Die Eröffnung der Schenkwirthschaft geschieht am 22. dieses. Mülheim a/Rhein, den 19. Februar 1840. Joh. Pet. Weinreis…“]
 
Johann Peter Weinreis stammte ursprünglich aus Lechenich. Im Jahr 1846 heiratete er Anna Maria Catharina Nakatenus aus Köln. Vermutlich stammte diese aus der Brauerfamilie Nakatenus, welche zeitgleich die Brauerei „Zum halben Mond“ am Eigelstein 90 in Köln betrieb.
Im Jahr 1853 musste Johann Peter Weinreis einen Schicksalsschlag hinnehmen, sein Sohn Christian starb im Alter von nur 22 Monaten.
Im Jahr 1864 übergibt Johann Peter Weinreis die Brauerei an Lambert Daniels und Theodor Jonas Kreutzer, welche die Brauerei unter der Firmierung „Daniels und Kreutzer“ weiterführen.
Johann Peter Weinreis selbst tritt aber noch weiter in Erscheinung. Bereits im Jahr 1862 ist er Stadtverodneter der Stadt Köln. Weiter führt von 1871 bis 1874 eine Brauerei in der Holweider Straße 13. Aus dieser Brauerei entsteht später die Germania-Brauerei, also die Brauerei, mit der die Brauerei in der Wallstraße 54/56 im Jahr 1904 fusionierte. Und bei Erweiterungsbauten der Brauerei im Jahr 1871 fand er sogar einen Goldschatz:
[7, 23.06.1871] „…Kölner Local-Nachrichten. Aus unserer Nachbarstadt Mülheim wird uns mitgetheilt, daß daselbst gestern Nachmittag beim Ausschachten eines von dem Brauereibesitzer Joh. Pet. Weinreis projectirten Lagerbierkellers ein mit Goldstücken gefülltes, ziemlich umfangreiches Gefäß gefunden worden sei. Der Werth des muthmaßlich nach langen Jahren wieder an das Tageslicht gekommenen Schatzes wird, wie man uns schreibt, auf 10,000 Thaler geschätzt…“
 
Die nächste Erwähnung von Johann Peter Weinreis erfolgt im Rahmen einer Klage seiner Frau auf Gütertrennung aus dem Jahr 1875. Sehr weit scheint der Goldschatz nicht gereicht zu haben.
Vermutlich starb Johann Peter Weinreis kurze Zeit später. Bekannt ist, dass sein Frau Catharina Nakatenus im Jahr 1880 verstarb, allerdings zweiter Ehe und bereits verwitwet in erster Ehe („…Frau Catharina Hoeffling, geb. Nakatenus, Witwe erster Ehe von Joh. Peter Weinreis…“)
(W001) [7, 21.02.1840]
Anzeige von Johann Peter Weinreis zur Übernahme der Brauerei von Ferdinand Magdeburg aus dem Jahr 1840. Auch Johann Peter Weinreis bezieht sich immer noch auf die ehemalige Steingassische Bierbrauerei
(W002) [7, 24.08.1853]
Anzeige von Peter Weinreis zum Tod seines Sohne Christian, welcher im Jahr 1853 im Alter von nur 22 Monaten verstorben war.
(W003) [7, 29.06.1861]
Vivat Peter! Ein Lebehoch von einem Unbekannten für Peter Weinreis, dem Freund und Gönner.
Anzeige aus dem Jahr 1861

Die Brauerei „Daniels & Kreutzer“ (1864 - 1866)
Lambert Daniels war bereits vor Übernahme der Brauerei ein bekannter Kaufmann in Mülheim. Ihm gehörte der Gasthof „Zum Pavillon“, vermutlich der Brauereiausschank, da wie die Brauerei selbst in der Wallstraße 56 gelegen.
Auch schon vorher gab es in der Familie Daniels Beziehungen zu Brauereien. Die Brauerei „Linden & Daniels“ aus Bonn, aus der später die Bonner Aktienbrauerei hervorging , wurde von Ludwig Daniels, vermutlich einem Bruder von Lambert Daniels, und von Wilhelm Linden, vermutlich dem Schwager von Lambert Daniels (verheiratet mit Johanna Daniels), geführt. Die Konstellation lässt sich gut aus folgender Gerichtssache erkennen, in der 1 Haus und 10 Grundstücke im Besitz der Familie Daniels versteigert werden sollten:
[7, 11.07.1861] „… In der gerichtlichen Theilungssache von 1) Eheleuten Wilhelm Bährens, Bäcker und Elisabeth geborne Daniels ohne besonderes Geschäft in Mülheim am Rhein; 2) Lambert Daniels, Kaufmann daselbst wohnhaft; 3) Eheleuten Peter Wilhelm Linden, Bierbrauereibesitzer und Johanna geborene Daniels, ohne besonderes Gewerbe zu Bonn; 4) Ludwig Daniels, Kaufmann daselbst; 5) Eheleuten Johann Gustav Schorn, Bierbrauereibesitzer und Margaretha geborene Daniels, ohne Geschäft, daselbst wohnhaft und 6) Anna Gudula Keller, Witwe von Christian Daniels, Rentnerin zu Mülheim am Rhein wohnend, Kläger, vertreten durch Advocat-Anwalt Harzfeld; - gegen den zu Mülheim am Rhein wohnenden Kaufmann Theodor Daniels … öffentlich zur Versteigerung ausgestellt werden …“
 
In der Aufzählung der Personen ist mit Gustav Schorn ein weiterer Schwager von Lambert Daniels aufgeführt, welcher zu dieser Zeit ebenfalls Teilhaber der Brauerei „Linden & Daniels“ in Bonn war.
Im Jahr 1862 ist im „Allgemeinen Anzeiger und Kunst-, Handels- u. Gewerbezeitung für den Regierungsbezirk Trier" zu lesen, dass Lambert Daniels eine Brauereigründung plante:
[15, 13.08.1861] „…Neue industrielle Unternehmungen in der Rheinprovinz und der Provinz Westphalen. … Kaufmann Lambert Daniels zu Mülheim a. Rh. legt daselbst eine Bierbrauerei an. ...“
 
Mit der Modernisierung der Brauerei wurde auch die Restauration zum Pavillon renoviert und im Jahr 1862 wieder eröffnet, was der Kölnischen Zeitung der folgende Artikel wert war:
[7, 13.05.1862] „…Kölner Local-Nachrichten. Das bei dem hiesigen Publicum in gutem Andenken stehende Gartenlocal des früheren Sommertheaters zu Mülheim,„Zum Pavillon“ genannt, ist einem Theile seiner früheren Bestimmung wiedergegeben worden. Herr Lambert Daniels zu Mülheim hat dasselbe übernommen und, wie wir rühmen hören, zu einer Sommerwirthschaft sehr geschmackvoll eingerichtet…“
 
Weiter bestand zu dieser Zeit auch bereits die Firma „Lambert Daniels“, deren Geschäftszweck nicht bekannt ist. Und zu guter Letzt war Labert Daniels bereits Teilhaber und Geschäftsführer der Firma „Peter Christian Forsbach & Comp.“, welche feuerfeste Steine herstellte.
Über Jonas Kreutzer hingegen ist wenig bekannt. Jonas Kreutzer heiratete im September 1864 Clara Stock. Beide schlossen kurz darauf einen Ehevertrag ab, in dem eine Zugewinngemeinschaft vereinbart wurde.
Woher sich Lambert Daniels und Jonas Kreutzer kannten, ist unklar.
Im Oktober 1864 wurde die Brauerei und Mälzerei „Daniels & Kreutzer“ offiziell gegründet.
[7, 31.10.1864] „…Auf Anmeldung ist heute in das hiesige Handels=(Gesellschafts=) Register unter Nr. 637 eingetragen worden die Handels=Gesellschaft zum Betriebe einer Bierbrauerei und der Malzfabrication unter der Firma: "Daniels & Kreutzer“, welche ihren Sitz in Mülheim am Rhein und mit dem 1. October d. J. begonnen hat. Die Gesellschafter sind die in Mülheim am Rhein wohnenden Kaufleute Lambert Daniels und Theodor Jonas Kreutzer, und ist jeder derselben berechtigt, die Gesellschaft zu vertreten. Köln, den 29. October 1864. Der Handelsgerichts=Secretair, Kanzleirath Lindlau…“
 
Nach nur 2 Jahren, im Jahr 1866, zog sich Lambert Daniels aus der Brauerei zurück. Bereits im Jahr 1865 und in den Folgejahren hatte Lambert Daniels einige Schicksalsschläge zu verkraften. Im Jahr 1865 verstarb sein ältester Sohn Theodor im Alter von nur 24 Jahren. Im Jahr 1868 verstarb sein gleichnamiger Sohn Lambert im Alter von nur 19 Jahren, im Jahr 1870 verstarb seine Frau Ottilie im Alter von 54 Jahren und, als wäre das noch nicht genug, verstarb sein letzter Sohn Christian Daniel im Jahr 1871 im Alter von 30 Jahren und hinterließ 2 Kinder.
Trotz dieser Schicksalsschläge war Lambert Daniels geschäftlich weiter aktiv, wenn auch nicht im Brauerei-Business. U.a. war er als Versicherungs-Agent für die Feuer-Versicherungs-Bank zu Gotha tätig. Das Geschäft war anscheinend so lukrativ, so dass Lambert Daniels im Jahr 1878 mit 10 weiteren Gleichgesinnten die Feuerversicherungs=Aktiengesellschaft „Rheinland“ gründete [19].
Nach dem nächsten Schicksalsschlag im Jahr 1884, dem Tod seiner zweiten Frau Anna Catharina im Alter von 57 Jahren, gründete Lambert Daniels im Jahr 1885 mit 10 weiteren Personen die "Hochdahler Kalk Industrie" Aktiengesellschaft.
Lambert Daniels verstarb im Jahr 1887 [16].
(W001) [7, 14.09.1864]
Heiratsanzeige von Jonas Kreutzer und Clara Stock aus dem Jahr 1864
 
(W002) [7, 02.10.1864]
Übernahme-Anzeige von Jonas Kreutzer, das er am 1. Oktober 1864 die baierische Bierbrauerei und Restauration "Zum Pavillon" übernommen hat
(W003) [7, 31.10.1864]
Handelsregister-Eintrag der Firma "Daniels & Kreutzer" vom 29. Oktober 1864. Geschäftzweck: Bierbrauerei und Malzfabrikation
   
(W037) [7, 06.05.1866]
Anzeige der Lebens-Versicherungsbank in Gotha aus dem Jahr 1866. Für die Vermittlung der Versicherung in Mülheim zeichnet Lambert Daniels verantwortlich
(W038) [7, 21.01.1868]
Anzeige der Feuer-Versicherungs-Bank zu Gotha. Versicherungs-Agent für Mülheim ist Lambert Daniels
                                                

Die Bayierische Bierbrauerei „zum Pavillon“ von Jonas Kreutzer (1866-1896)
Nach dem Ausscheiden von Lambert Daniels aus der Brauerei im Jahr 1866 führte Jonas Kreutzer die Brauerei alleine weiter und firmierte sie in „Baierische Bierbrauerei Jonas Kreutzer“ um, wobei auf Anzeigen der Brauerei auch der Zusatz „zum Pavillon“ verwendet wurde.
Aus den ersten Jahren ist außer einigen Anzeigen wenig bekannt. Im Jahr 1870 wird ein Maschinist für ein Locomobil gesucht, also war die Brauerei schon zu dieser Zeit mit einer Dampfmaschine ausgestattet.
Offiziell aufgelöst wurde die Vorgänger-Firma „Daniels & Kreutzer“ erst rückwirkend im Jahre 1871:
[7, 27.04.1871] „…Auf Anmeldung ist heute in das hieisige Handels=(Gesellschafts=) Register bei Nr. 637 eingetragen worden, daß die zwischen den Kaufleuten Lambert Daniels und Theodor Jonas Kreutzer, beide in Mülheim am Rhein wohnend, daselbst bestandene Handelsgesellschaft unter der Firma: „Daniels & Kreutzer“ am 1. October 1866 aufgelöst worden ist. Köln, den 25. April 1871…“
 
Im Zeitraum von 1867 bis 1878 bekamen Jonas Kreutzer und seine Frau Clara geb. Stock, welche er im Jahr 1864 geheiratet hatte, mindestens 7 gemeinsame Kinder.
Von 1880 bis zum Jahr 1895 betrieb Jonas Kreutzer, wie viele andere Kölner Brauereien auch, eine Zweigniederlassung in Niedermendig. Eine Anzeige von Jonas Kreutzer aus dem Jahr 1887 über den Verkauf einer kompletten Brauereieinrichtung (W019) lässt vermuten, dass ab diesem Jahr in Niedermendig nicht mehr gebraut wurde. Ggf. wurde die Zweigniederlassung auch komplett aufgegeben. In einer Anzeige aus dem Jahr 1888 wird ein Maschinist gesucht, der mit der Lindeschen Eismaschine vertraut ist. Mit einer Eismaschine in Mülheim wurde die Brauerei unabhängig von den Lagerkellern in Niedermendig.
[7, 14.09.1887] „…Brauerei-Einrichtung in Niedermendig, 40 hect. große Braupfanne, Maischbottich, Schrotmühle, Transmission, Locomobile etc. …“ billig zu verkaufen. Näheres durch Jonas Kreutzer, Mülheim a. Rhein..."
 
[7, 06.09.1888] „…Maschinist gesucht, selbiger muß mit der Lindeschen Eismaschine vertraut sein und kleinere Reparaturen selbst ausführen können. Jonas Kreutzer, Brauerei, Mülheim-Rhein..."
 
Im Jahr 1890 weitete Jonas Kreutzer sein Absatzgebiet, welches bis dahin auf den Kölner Raum beschränkt war, nach Bonn aus. Das Bier-Export Geschäft der Herren Schäfer und Mayer erhielt die exklusiven Vertriebsrechte für den Bonner Raum. Für 3 Mark konnte man damals 30 Halbliter-Flaschen Bier der Brauerei Jonas Kreutzer kaufen, sogar mit Lieferung frei Haus.
Im Jahr 1892 starb Jonas Kreutzer und seine Witwe Clara führte das Geschäft unter gleicher Firma weiter mit Unterstützung ihrer Söhne weiter:
[5, 15.07.1892[ „…Mülheim a. Rhein. Handelsregister des Königl. Amtsgerichts Mülheim a. Rhein. Das von dem zu Mülheim am Rhein verstorbenen Bierbrauereibesitzers Jonas Kreutzer daselbst unter der Firma: "Jonas Kreutzer" betriebenen Handelsgeschäft ist auf die zu Mülheim am Rhein wohnende Wittwe Jonas Kreutzer übergegangen und wird von derselben unter der bisherigen Firma weitergeführt. Dem Kaufmann Theodor Kreutzer daselbst ist für die Firma Procura ertheilt. Eingetragen am 9. Juli 1892 unter Nr. 92 des Procurenregisters…]
 
(W010) [7, 08.05.1869]
Anzeige der beierischen Bierbrauerei und Restauration zum Pavillon von Jonas Kreutzer aus dem Jahr 1869
(W012) [7, 04.03.1870]
Gesucht wird ein Maschinist zur Führung einer Locomobile. Die Brauerei war also bereits im Jahr 1870 mit einer Dampfmaschine ausgestattet
(W016) [7, 29.01.1876]
Der größte Billardsalon in Köln von Herrn Rodenbusch rühmt sich nicht nur mit 9 Billards, sondern auch mit dem wohlbekannten baierischen Bier aus der Brauerei von Herrn Jonas Kreutzer
 
 
(W033) [7, 18.04.1874]
Anzeige des Restaurant Walbeck aus dem Jahr 1874. Empfohlen wird "ein ausgezeichnetes Glas baier. Bier aus der Brauerei von J. Kreutzer in Mülheim am Rhein"
(W035) [7, 06.02.1876]
Anzeige des Restaurant Bodenstein aus dem Jahr 1876. Empfohlen wird "ein feines Bier aus der Brauerei von J. Kreutzer, Mülheim"
(W025) [10, 10.01.1889]
Anzeige von Jonas Kreutzer aus dem Jahr 1890. Angekündigt wird ein Wechsel der Flaschenbier-Verkaufstelle von Louis Haas zu Carl Pfeffer
     
 
(W018) [7, 18.09.1881]
Anzeige der Restauration Dahlmeyer aus dem Jahr 1881. Neben Münchener Bier ist im Kleingedruckten noch "Exportbier aus der Brauerei von Jonas Kreutzer in Mülheim und Niedermendig" zu finden
 
(W019) [7, 14.09.1887]
Anzeige von Jonas Kreutzer aus dem Jahr 1887. Zum Verkauf steht die komplette Einrichtung der Brauerei in Niedermendig. Vermutlich wurde die Zweigniederlassung in Niedermendig ab diesem Zeitpunkt nur noch als Lager genutzt
(W024) [7, 06.09.1888]
Anzeige von Jonas Kreutzer aus dem Jahr 1888. Gesucht wird ein Maschinist, welcher mit der Lindeschen Eismaschine vertraut ist. Vermutlich ist kurz vorher eine Eismaschine angeschafft worden. Ggf. hängt dies auch mit dem Verkauf der Brauereieinrichtung in Niedermendig ein Jahr zuvor zusammen
 
                                                
(W026) [11, 03.05.1890]
Anzeige von Jonas Kreutzer aus dem Jahr 1890. Angekündigt wird die Eröffnung einer Flaschenbier-Vertriebsstelle in Bonn
(W027)[11, 12.11.1890]
Anzeige des Bonner-Flaschenbier-Vertriebs von Schäfer und Mayer aus dem Jahr 1890
(W029)[11, 10.07.1891]
Anzeige des Bonner-Flaschenbier-Vertriebs von Schäfer und Mayer aus dem Jahr 1891 
(W030) [11, 30.09.1892]
Anzeige des Bonner-Flaschenbier-Vertriebs von H. Tünesmeyer aus dem Jahr 1892 
(W031) [21, 28.06.1894]
Post von der Oberpostdirektion. Den Mülheimer Brauereien Anton Balsam und Jonas Kreuzer wird die Telefon-Verbindung nach Köln genommen, da sie anscheinen auch Gäste telefonieren ließen. Unklar, was daran so schlimm war, weiß wohl nur die Oberpostdirektion
 
(BK001) [unbekannt]
Briefkopf der "Bayerischen Bierbrauerei, Mälzerei und Eisfabrik Jonas Kreuzer" aus dem Jahr 1893
                                                       

Die Kölner Restauration "Zum Panneschläger"
Nachfolgende sind Anzeigen der Kölner Restauration "Zum Panneschläger" in der Hohestraße 12, welche ab dem Jahr 1885 Bier von Jonas Kreutzer im Ausschank hatte.
Die Restauration wurde im Jahr 1884 von Jean Bungarten übernommen, der sie in "Bierbrauerei Zum Panneschläger" umbenannte. Jean Bungarten führte parallel eine Brauerei im Perlengraben 38 und schenkte im Panneschläger neben seinem eigenen Kölner Lagerbier auch auswärtige Biere sowie ab dem Jahr 1885 auch Bier von Jonas Kreutzer aus. Im Jahr 1885 schloss die Brauerei im Perlengraben und auch die Führung im Panneschläger wechselte zu Ludwig Britz. Dieser strich die auswärtigen Biere von seiner Karte und schenkte zuerst nur noch Bier von Jonas Kreutzer aus, ab 1889 dann aber zusätzlich auch wieder Münchener Biere.
(WB002) [7, 03.02.1884]
Anzeige zur Übernahme der Restauration durch Jean Bungarten. Dieser benannte sie in "Bierbrauerei Zum Panneschläger" um und schenkte dort neben eigenem Lagerbier aus seiner Brauerei im Perlengraben aus auswärtige Biere aus
 
(WB001) [7, 30.03.1884]
Im Jahr 1885 übernimmt Jean Bungarten in seiner jetzt nur noch Restauration genannten "Zum Panneschläger" den Alleinverkauf für Augustiner Bier aus Münschen.
(W040) [01.02.1885]
Anzeige der Restauration zum Panneschläger aus dem Jahr 1885. Neben Nürnberger Exportbier und seinem eigenen Kölner Lagerbier ist jetzt auch helles Exportbier von Jonas Kreutzer im Ausschank
(W021) [7, 12.09.1886]
Die Restauration zum Panneschläger empfiehlt ein hochfeines Glas Bayerisch Bier aus der Brauerei von Jonas Kreutzer
(W020) [7, 03.03.1888]
Anzeige der Restauration zum Panneschläger aus dem Jahr 1888. Im Angebot: "hochfeines Baierisch Bier aus der Brauerei von Jonas Kreutzer"
 (W022) [7, 08.11.1888]
Anzeige der Restauration zum Panneschläger aus dem Jahr 1888. "Ausschank des anerkannt guten Export-Bieres der Bierbrauerei von Jonas Kreutzer" 
 
 
(W023) [7, 13.06.1888]
Die Restauration zum Panneschläger empfiehlt ein hochfeines Glas Bayerisch Bier aus der Brauerei von Jonas Kreutzer  
(W039) [20, 21.04.1889]
Anzeige der Restauration zum Panneschläger aus dem Jahr 1888. "Ausschank des anerkannt guten Export-Bieres der Bierbrauerei von Jonas Kreutzer" 
(W041) [22]
Anzeige der Restauration "Zum Panneschläger" aus einem Fremdenführer für Köln aus dem Jahr 1889
                                          

Die Mülheimer Brauereigesellschaft vorm. Jonas Kreutzer (1896-1904)
Im Jahr 1896 wurde, typisch zu dieser Zeit und vermutlich zur Kapitalbeschaffung, die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umfirmiert. Der Reichsanzeiger berichtet wie folgt:
[5, 22.08.1896] „…Mülheim, Rhein, Bekanntmachung. In unser Gesellschaftsregister ist am heutigen Tage unter Nr. 132 die Aktiengesellschaft in Firma "Mülheimer Brauereigesellschaft vormals Jonas Kreutzer" mit dem Sitze in Mülheim am Rhein eingetragen und dabei Folgendes vermerkt worden: A. Das notariell aufgenommene Statut lautet vom 25. Juli 1896. B. Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung von Bier und dessen Verwerthung und insbesondere der Erwerb und Fortbetrieb der Brauerei und des Wirthschaftsanwesens der Firma Jonas Kreutzer in Mülheim am Rhein. Die Dauer der Gesellschaft ist nicht beschränkt. C. Das Grundkapital beträgt 600.000 Mark und ist in 600 auf den Inhaber lautende Aktien zerlegt. D. Der Vorstand der Gesellschaft besteht aus zwei Mitgliedern, welche von dem Aufsichtsrath bestellt werden. E. Die Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen durch den Deutschen Reichs-Anzeiger. F. Die Berufung der Generalversammlung der Aktionäre erfolgt mittels einmaliger Bekanntmachung, welche 17 Tage vor dem Tage der Versammlung zu geschehen hat, durch den Vorstand oder den Aufsichtsrath unter der zu unterzeichnenden Firma der Gesellschaft. G. Die Gründer der Gesellschaft sind: 1) Frau Wittwe Jonas Kreutzer, Clara, geb. Stock, Wirthin und Bierbrauereibesitzerin zu Mülheim a. Rhein, 2) Kaufmann Theodor Kreutzer daselbst, 3) Braumeister Barthel Simons daselbst, 4) Fabrikbesitzer Gustav Martin daselbst, 5) Direktor Jean Dietz in Köln, 6) Rentner Gustav Becker daselbst. Diese 6 Gründer haben sämtliche Aktien übernommen. H. Die Mitglieder des Vorstandes sind: 1) der Kaufmann Theodor Kreutzer zu Mülheim am Rhein, 2) der Braumeister Barthel Simons daselbst. Die Firma der Gesellschaft wird gültig durch beide Vorstandsmitglieder gemeinschaftlich oder durch ein Vorstandsmitglied in Verbindung mit einem Stellvertreter oder einem Prokuristen gezeichnet. Die Mitglieder des Aufsichtsrathes sind: 1) Direktor Jean Dietz in Köln, 2) Fabrikbesitzer Gustav Martin in Mülheim am Rhein, 3) Rentner Gustav Becker zu Köln. K. Als Revisoren zur Prüfung des Gründungsherganges haben fungiert: 1) Dr. jur. Engelmann, Sekretär der Handelskammer zu Mülheim am Rhein, zu Köln wohnend, 2) J. Schmitz, Mitglied der Handelskammer zu Mülheim am Rhein, daselbst wohnend. Mülheim am Rhein, den 17. August 1896. Königliches Amtsgericht…“
 
Das Aktienkapital betrug 600.000 Mark in 100 Aktien à 1.000 Mark. Theodor Kreutzer, ein Sohn des verstorbenen Jonas Kreutzer und der Braumeister Barthel Simon bildeten die Direktion. Kurz nach Gründung der Aktiengesellschaft wird im September 1896 einem weiteren Mitglied der Familie Kreutzer, Peter Kreutzer, Prokura erteilt [5].
Die Geschäfte liefen zu Beginn gut. Die erste Bilanz im Geschäftsjahr1896/97 weist einen Saldo von 937.878 Mark, einen Bierumsatz von 372.487 Mark uns einen Gewinn von 48.671 Mark aus. Hypotheken und Kredite betragen zusammen ca. 290.000 Mark, es wird eine Dividende von 5% ausgeschüttet. Sehr passable Zahlen. Die Bierproduktion betrug ungefähr 25.000 hl.
Kurz danach ging es aber schon bergab. Konsequenz war ein Wechsel im Vorstand. Im Jahr 1898 schied Theodor Kreutzer aus dem Vorstand aus und wurde durch Josef Carl Gsottschneider ersetzt.
Die Kölner Zeitung berichtet über das Geschäftsjahr 1888/89 wie folgt:
[7, 14.09.1899] „…Mülheimer Brauerei- Gesellschaft (vormals Jonas Kreutzer). Nach dem Geschäftsbericht erbrachte das abgelaufene Betriebsjahr bei einem Bierabsatz von 19 518 hl einen Rohgewinn von 67 431 M. Nach 43 966 M. Abschreibungen und Hinzurechnung des Vortrags aus dem Vorjahr verbleibt ein Reingewinn von 23 983 M., wovon 1200 M. zu Belohnungen verwandt werden, während der Rest von 22 783 M. den Vorschlägen der Verwaltung vorgetragen werden sollte. Auf Antrag eines Actionärs wurde jedoch in gestrigen Hauptversammlung beschlossen, hieraus eine Dividende von 2% auszuschütten, sodaß nur 10 783 M. vorgetragen werden. Ein ausscheidendes Aufsichtsratsmitglied wurde wiedergewählt. Von dem Vorsitzenden wurde mitgeteilt, daß durch die neue Leitung eine Wendung zum Bessern geschaffen und die Hoffnung auf eine angemessene Verzinsung des Capitals der Gesellschaft eröffnet sei
 
Mit Josef Carl Gsottschneider an der Spitze liefen die Geschäfte erst einmal besser, so schien es wenigstens. Im Geschäftsjahr 1901/1902 wurde ein Gewinn von 79.062 Mark erwirtschaftet und eine Dividende in Höhe von 7% ausgeschüttet. Dennoch bezeichnet der Bericht der Kölner Zeitung das Geschäftsjahr nur als befriedigend:
[7, 01.10.1902] „…Mülheimer Brauerei-Gesellschaft (vorm. Jonas Kreutzer) Mülheim a. Rhein. Nach dem Geschäftsbericht konnte das Ergebnis, das als befriedigend bezeichnet wird, nur durch Anspannung aller Mittel erreicht werden; denn der wirtschaftliche Rückgang sowie das ungünstige Wetter des Frühjahrs und des Sommers blieb nicht ohne Einfluß auf den Absatz. Die vorjährige Zuweisung von 5000 M. brachte die Sonderrücklage auf 6000 M.; diese Zuweisung erfolgte mit Rücksicht auf einen schwebenden Rechtsstreit, der durch Vergleich endigte. Die Sonderrücklage enthielt am 1 Juli d. J. noch 1033 M. Der Rohgewinn ohne Vortrag betrug 98 888 M. (i.V. 97 787 M.), wovon zu Abschreibungen 22 548 M. (34 369 M.) verwandt werden. Die wieder mit 7% vorgeschlagene Dividende nimmt 42 000 M. in Anspruch. Die gestrige Hauptversammlung erledigte die Tagesordnung nach den Anträgen der Verwaltung…“
 
Der genannte schwebende Rechtsstreit hatte vermutlich mit dem Ausscheiden des Braumeister Barthel Simons aus dem Vorstand zu tun.
Im Mai 1903 erwarb die Mülheimer Brauereigesellschaft auf einer Versteigerung das Bonner Hotel „Kaiser Friedrich“, welches schon seit längerem eine Absatzstätte für das Bier der Mülheimer Brauereigesellschaft in Bonn gewesen war. Bei einem Schätzwert von 192.000 Mark war das Hotel mit Hypotheken in Höhe von 350.000 Mark belastet. Eine Hypothekenforderung in Höhe von 35 - 40.000 Mark besaß auch die Mülheimer Brauereigesellschaft. Der Kaufpreis für das Hotel betrug 226.100 Mark [17].
Im Geschäftsjahr 1902/03 zeigte sich die Folgen der Misswirtschaft durch den Vorstand. Der Gewinn war eigentlich ein Verlust und nur durch den Vortrag des Vorjahres noch positiv und der Bierabsatz war auf 16.013 hl (Vorjahr: 20.921 hl) eingebrochen. Auf der Generalversammlung wurde dem Vorstand Josef Carl Gsottschneider einstimmig die Entlastung verweigert. Dieser hatte wohl mit buchhalterischen Tricks gearbeitet, um die Bilanz zu frisieren. Immobilien im Besitz der Brauerei waren mit zu hohen Werten aufgeführt worden und nicht mehr eintreibbare Außenstände waren weiterhin mit aufgeführt worden. Auf Grund der Zahlen und der mangelnden Perspektive wurde eine schon im Vorfeld ausgehandelte Vereinigung mit der Germania Brauerei aus Mülheim vorgeschlagen und einstimmig genehmigt.
[7, 16.12.1903] „…Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer in Mülheim a. Rh. Der in der heutigen Hauptversammlung vorgelegte Geschäftsbericht ergibt einen Bierabsatz von 16 013 hl gegen 20 921 hl im Vorjahr. Das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres ist ein Verlust von 10 544 M. Nach Berücksichtigung von 14917 M. Vortrag aus dem Vorjahr ergibt sich jedoch ein Gewinn von 4373 M., der vorgetragen wird. Auf ausstehende Forderungen wurden 21089 M. abgeschrieben, wozu 11 720 M. (einschließlich der vorjährigen Zuweisung) dem Sicherheitsbestand entnommen wurden. Der Bericht bemerkt jedoch, daß noch weitere größere Verluste entstanden seien, deren Höhe sich bei Aufstellung des Abschlusses noch nicht feststellen ließ. Für die mit 155 087 M. aufgeführte Liegenschaftsrechnung II seien beträchtliche Rückstellungen nötig, da eine genaue Prüfung einen bedeutenden Minderwert gegen den Buchwert ergeben habe. Außerdem seien auf die mit 101 479 M. aufgeführten Ausstände und die mit 213745 M. bewerteten Darlehen größere Ausfälle zu befürchten. Die früher erwogene Vereinigung der Brauerei mit der Lagerkeller-Anlage zu einem Betrieb habe sich als untunlich erwiesen. Die Verwaltung schlägt daher die Vereinigung mit der Germaniabrauerei-Aktiengesellschaft in Mülheim a. Rh. auf der Grundlage vor, daß 10 Aktien der Mülheimer Brauerei gegen 7 der Germaniabrauerei gegeben werden. Da das Aktienkapital Mülheimer Brauerei-Gesellschaft 600000 M. beträgt, so werden bei diesem Umtauschverhältnis 180 000 M. zu Abschreibungen frei.— In der Hauptversammlung, in der 16 Aktionäre 556 Aktien vertraten, wurden wegen der großen Verluste verschiedene Anfragen gestellt, aus deren Beantwortung sich ergab, daß der frühere Vorstand anscheinend recht leichtherzig gewirtschaftet hat. Auch der Aufsichtsrat ist anscheinend nicht von einer Schuld freizusprechen, denn die Auskünfte, die in einzelnen Fällen über seine Mitwirkung bei der Gewährung von Krediten gegen wurden, lauteten zum Teil recht unzulänglich. Wie erklärt wurde, befaßt sich der Aufsichtsrat mit der Prüfung der Frage, ob und inwieweit der frühere Vorstand Gsottschneider für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden kann. Nach längerer Erörterung wurde schließlich der Vermögensausweis mit 412 gegen 144 Stimmen und die Gewinn- und Verlustrechnung einstimmig genehmigt. Dem früheren Vorstand Gsottschneider wurde die Entlastung einstimmig verweigert, dem Aufsichtsrat mit 517 gegen 8 Stimmen erteilt. De Antrag der Verwaltung auf Verschmelzung mit der Germaniabrauerei Aktiengesellschaft, durch Austausch der Aktien im Verhältnis von 10 zu 7 wurde einstimmig genehmigt, nachdem wiederholt erklärt worden war, daß bessere Bedingungen für den Umtausch nicht zu erzielen waren. Nach Maßgabe der Vorschläge der Verwaltung geht mit diesem Umtausch das Vermögen der Mülheimer Brauereigesellschaft als Ganzes unter Ausschluß der Liquidation auf die Germaniabrauerei über. Letztere die zu dem Umtausch nur 420 000 M. neuer Aktien auszugeben braucht; erhöht ihr Kapital noch um weitere 180000 M., also um insgesamt 600 000 auf 1600000 M. Die erwähnten 180000 M. werden von Pfälzischen Bank in Ludwigshafen zum Nennwert fest übernommen. Für später ist die Einführung der Germania-Aktien in den Börsenverkehr in Aussicht genommen.
 
Anstelle des nicht wiedergewählten Josef Carl Gsottschneider wurde Georg Scherlenzky zum Vorstand gewählt
(BK002) [unbekannt]
Briefkopf der "Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer" aus dem Jahr 1903
(unbekannte Sammlung)
(W032) [11, 14.08.1897]
Anzeige des Bierhaus A. Clasen aus Bonn. Im Ausschank sind die beliebten Biere aus der Brauerei von Jonas Kreutzer 
(WJ009) [05.06.1901]
Anzeige (Ausschnitt) der Bonner Restauration "Kaiser Friedrich". Im Ausschank u.a. "Helle Biere von Jonas Kreuzer, Mülheim". Was sich heute viele Wünschen war schon damals realität. Der Kaiser Friedrich warb mit einer "Ladestelle für Accumulatorwagen"
 
(PK001) [13, 1890]
Postkarte des Restaurant zum Pavillon in der Wallstraße aus dem Jahr 1890
                                                                                                                                                 

Die Fusion mit der Germania-Brauerei und das Ende
Auf der parallel am 16. Dezember stattfindenden Generalversammlung der Germania-Brauerei wurde die Verschmelzung mit der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer ebenfalls genehmigt. Am 20. Februar wurde der Verschmelzungsvertrag offiziell wirksam und damit auch die Mülheimer Brauerei-Gesellschaft offiziell aufgelöst.
[5, 29.04.1904] „…Germania-Brauerei Actien-Gesellschaft, Mülheim (Rhein). Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer, Mülheim (Rhein). Auf Grund des Beschlusses der Generalversammlungen beider Gesellschaften vom 16. Dezember 1903 und Vertrages vom 20. Februar 1904 ist die Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer, Mülheim (Rhein) aufgelöst und ihr Vermögen als Ganzes unter Ausschluß der Liquidation an uns übergegangen. Wir haben dagegen den Aktionären der früheren Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer Aktien unserer Gesellschaft derart zu gewähren, daß auf je nominal 10.000 Mark Aktien der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft vorm. Jonas Kreutzer mit Dividendenschein Nr. 7 und folgenden je nominal 7.999 Mark Aktien unserer Gesellschaft mit Dividendenberechtigung ab 1. Juli 1903 entfallen. Die Aktionäre der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft werden unter Androhung der Verluste ihrer Rechte aufgefordert, innerhalb einer Ausschlußfrist von vier Monaten von heute an ihre Aktien behufs Umtausch in Aktien der Germania Brauerei Actien-Gesellschaft anzumelden und einzuliefern. … Mülheim (Rhein), den 27. April 1904. Germania-Brauerei Actien-Gesellschaft. Der Vorstand…“
 
Die fusionierten Brauereien firmierten weiter als „Germania-Brauerei“, der Name der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft fand keinen Eingang in die Namensgebung. In einem Geschäftsbericht der Germania-Brauerei aus den folgenden Jahren ist zu lesen, dass „die getrennten Betriebe vereinigt wurden“. Dies dürfte so interpretiert werden, dass die Braustätte der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft im Jahr 1904 stillgelegt wurde.
Im Geschäftsbericht der Germania-Brauerei für das Geschäftsjahr 1909 tauchen die ehemaligen Direktoren der Mülheimer-Brauereigesellschaft, die Herren Kreutzer und Simon, weder in der Direktion noch im Aufsichtsrat auf. Auch die Brauerei taucht nur noch als Buchwert der Immobilie auf.
Vermutlich endete das Kapitel der Brauerei damit im Jahr 1904. Die Fusion diente aus Sicht der Germania-Brauerei wahrscheinlich als Markbereinigung (Konkurrenz übernehmen und stilllegen, Kunden übernehmen) und vermutlich auch zur Übernahme der Brau- und Malzkontingente der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft. Besonders erfolgreich war die Germania-Brauerei in den Folgejahren aber nicht. Der Bierausstoß konnte durch die Übernahme der Mülheimer Brauereigesellschaft kaum gesteigert werden und die überschuldete Germania-Brauerei schaffte die Wende nicht und wurde selbst im Jahr 1920 geschlossen.
 
(BK005)
Briefkopf der Germania-Brauerei von September 1904. Mit der Schreibmaschine ist unter "vorm. L. Fix & Co" noch "und Jonas Kreutzer" ergänzt.
(unbekannte Sammlung)
 

                                                                                                                       
(F002) [13, 1958]
Foto des im zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstörten Haus zum Pavillon in der Wallstraße 56 aus dem Jahr 1958
(F003) [13, 1968]
Foto des halbwegs originalgetreu wieder aufgebauten Haus zum Pavillon aus dem Jahr 1968
(F001) [14]
Foto des aktuellen Zustandes (ca. 2020) des Haus zum Pavillon in der Wallstraße 56

Übersicht der Firmierungen
Zeitraum        Firmierung Anmerkung
??? Steingassische Brauerei Wallstraße 54/56
(1835) - 1837 Brauerei Wilhelm Joseph Badorff  
1837 - 1840 Brauerei Ferdinand Magdeburg  
1840 - 1864 Brauerei Peter Weinreis.  
1864 – 1866 Brauerei Daniels & Kreutzer  
1866 – 1896 Baierische Bierbrauerei Jonas Kreutzer Auch als Brauerei "Zum Pavillon" bezeichnet
1896 – 1904 Mülheimer Brauerei-Gesellschaft  
 

Übernommene / Vorgänger- / Nachfolger - Brauereien:
In der nachfolgenden Tabelle sind Brauereien, die eine Verbindung zur Brauerei in der Wallstraße 54/56 hatten.
Brauerei von - bis / übernommen von / Anmerkungen Brauereihistorie
Germania-Brauerei 1869-1920, fusioniert 1904 mit der Mülheimer Brauerei-Gesellschaft
Brauerei Linden & Daniels 1852-1920, spätere Bonner-Aktienbrauerei. Ludwig Daniels (Bonn) war vermutlich ein Bruder von Lambert Daniels (Mülheim)
 

Anmerkungen
» Auf dem abgebildeten Briefbogen BK001 ist als Gründungsjahr der Brauerei von Jonas Kreutzer das Jahr 1862 aufgeführt. Was es mit diesem Jahr auf sich hat, ist nicht ganz klar. Der Einstieg der Familie Kreutzer ist erst in der Firmierung „Brauerei Daniels & Kreutzer“ ab 1864 sichtbar. Ggf. bezieht sich das Jahr auf die Eröffnung der Restauration "Zum Pavillon" durch Lambert Daniels im Jahr 1862.

Brauereiwerbemittel
Etiketten
   
(E001) [Sammlung Mittenzwey]
"Helles Export-Bier aus der Bierbrauerei von: Jonas Kreutzer Mülheim a/Rhein."
                                                                                                                         
       
       

Bierflaschen
     
(1037) (1064)      
vermutlich ca. 0,5 l
(unbekannte Sammlung)
ca. 0,3 l
(Sammlung Wohlan)
     

Quellenverzeichnis
 
1 Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 1898, Verlag von Eisenschmidt & Schulze, Leipzig
3 Die Deutschen Brauereien im Besitze von Aktien-Gesellschaften, Verlag für Börsen- und Finanzliteratur A.-G., 1902
4 Die Deutschen Brauereien im Besitze von Aktien-Gesellschaften, Verlag für Börsen- und Finanzliteratur A.-G., 1911
5 "Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger", Berlin, Ausgaben 15.07.1892, 22.08.1896, 02.10.1896, 27.07.1898, 15.08.1898, 11.05.1900, 23.11.1903, 31.12.1903, 19.04.1904, 29.04.1904, 04.05.1904, 25.05.1904
6 "Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
7 "Kölnische Zeitung", Ausgaben 22.03.1835, 25.05.1835, 01.04.1837, 14.09.1839, 18.09.1839, 19.09.1839, 21.09.1839, 01.10.1839, 21.02.1840, 07.09.1843, 18.03.1844, 04.07.1844, 10.12.1846, 11.07.1850, 23.01.1853, 24.08.1853, 28.04.1854, 22.08.1857, 22.03.1858, 22.06.1860, 29.06.1861, 11.07.1861, 22.01.1862, 13.05.1862, 18.08.1862, 28.10.1862, 09.01.1864, 09.01.1864, 12.09.1864, 14.09.1864, 18.09.1864, 02.10.1864, 31.10.1864, 12.03.1865, 06.05.1866, 22.02.1867, 24.02.1867, 07.01.1868, 21.01.1868, 13.03.1868, 20.03.1868, 15.08.1868, 07.01.1869, 25.03.1869, 24.04.1869, 08.05.1869, 13.08.1869, 04.03.1870, 16.04.1870, 28.08.1870, 17.04.1871, 27.04.1871, 17.05.1871, 23.06.1871, 13.09.1872, 06.11.1872, 01.02.1874, 27.05.1875, 29.01.1876, 18.04.1874, 06.02.1876, 11.01.1878, 30.05.1878, 09.01.1880, 18.09.1881, 23.06.1884, 18.03.1885, 31.01.1895, 14.09.1887, 03.03.1888, 13.06.1888, 06.09.1888, 07.12.1889, 21.03.1894, 14.09.1899, 30.12.1899, 15.11.1901, 21.09.1902, 01.10.1902, 23.11.1903, 16.12.1903, 28.04.1904
8 Seite „Christoph Andreae“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. November 2021, 17:19 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christoph_Andreae&oldid=216940964 (Abgerufen: 23. Dezember 2021, 10:22 UTC)
9 "100 Jahre KÖLN-MÜLHEIM", Herausgeber: Geschichtswerkstatt Mülheim, 2014
10 "Kölner Lokal-Anzeiger, Ausgabe 10.01.1889, 28.05.1891
11 "Bonner General-Anzeiger", Ausgaben: 03.05.1890, 12.11.1890, 10.07.1891, 30.09.1892, 27.07.1896, 14.08.1897, 23.01.1898, 16.01.1901, 26.01.1901
12 "Rhein- und Ruhrzeitung", Ausgabe 28.06.1894
13 "100 Jahre KÖLN-MÜLHEIM", Herausgeber: Geschichtswerkstatt Mülheim, 2014
14 https://mapio.net/pic/p-61491962/
15 "Allgemeiner Anzeiger und Kunst-, Handels- u. Gewerbezeitung für den Regierungsbezirk Trier", Ausgabe 13.08.1861
16 "Aachener Zeitung", Ausgabe 06.01.1887
17 "Duisburger General-Anzeiger", Ausgabe 16.05.1903
18 "Dortmunder Zeitung", Ausgabe 31.10.1885, 25.11.1903, 17.12.1903
19 "Echo der Gegenwart", Ausgabe 03.11.1878
20 "Kölner Sonntags-Anzeiger, Ausgaben 03.02.1884, 30.03.1884, 01.02.1885, 08.11.1885, 12.09.1886, 21.04.1889
21 "Rhein- und Ruhrzeitung", Ausgabe 28.06.1894
22 "Illustrirter Allgemeiner Führer durch Köln", 1889, Druck von Römer & Gau, Köln