Unternehmensgeschichte des Brauhaus Lölgen / Bank-Lölgen
sowie der Brauereien von J.B. Blümling, Joseph Tils, Bartholomeus Köhler, Johannes Wilhelm Lölgen und Robert Becker
 
 
 
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Unternehmensgeschichte
Die historischen Ursprünge der Brauerei
Die Brauerei unter H. Brölsch
Die Brauerei unter J.B. Blümling / Maria Anna Blümling Wwe.
Die Brauerei unter Joseph Tils
Die Brauerei unter Bartholomeus Köhler
Die Brauerei unter der Führung von Johannes Wilhelm Lölgen
Die Brauerei unter Robert Becker                              
Die Jahre als Restauration (Brauhaus Lölgen, Brauhaus Bank-Lölgen)
Übersicht der Firmierungen
Anmerkungen / Quellen

Die historischen Ursprünge der Brauerei
Die erste Überlieferung des späteren Brauhauses in der „Hohe Pforte 8“, damals „Zur Grin“ genannt, stammt aus dem Jahr 1538, in dem es für 800 Thaler verkauft wurde. Weiter bekannt ist, dass es im Jahr 1610 neu erbaut wurde und im Jahr 1641 im Rahmen eines Umbaus u.a. den markanten Torbogen erhielt.

Die Brauerei unter H. Brölsch
Die erste Nennung einer Brauerei in der Hohe Pforte 8 stammt aus dem Jahr 1822. Im Kölner Adressbuch dieses Jahres ist unter der Rubrik Bierbrauereien „Brölsch (H.) Hohepforte n. 8“ aufgeführt. Vermutlich gab es diese Brauerei schon vor dem Jahr 1822, vermutlich aber nicht vor dem Jahr 1813. Das älteste Kölner Adressbuch mit einem Gewerbeverzeichnis stammt aus dem Jahr 1813 und in diesem ist keine Brauerei in der Hohe Pforte aufgeführt.

Die Brauerei unter J.B. Blümling / Maria Anna Blümling Wwe.
Die nächste Nennung der Brauerei stammt wiederum aus dem Kölner Adressbuch, diesmal aus dem Jahr 1835. Zu dieser Zeit war J.B. Blümling Besitzer der Brauerei. Seit wann genau ist nicht bekannt. J.B. Blümling starb Ende der 1830er Jahre, denn im Jahr 1838 wird als Firmierung im Kölner Adressbuch „Blümling, Maria Anna, Wwe.“ aufgeführt.
Es gibt eine weitere Erwähnung der Witwe Blümling aus der Kölnischen Zeitung, ebenfalls aus dem Jahr 1838. Die Erwähnung erfolgt im Kontext einer Anzeige des „Bäcker-Gesellen-Vereins“. Dort wird erwähnt, dass die Aufnahme-Listen für den Verein „bei Witwe Blümlings auf der Hohepforte“ ausliegen.
Im Jahr 1839 ging die Brauerei dann Joseph Tils über.
   
(W001) [4, 17.02.1838]
Anzeige des "Bäcker-Gesellen-Vereins"
                                                                                                                    

Die Brauerei unter Joseph Tils
Von der nur ca. 2-jährigen Zeit der Brauerei unter Joseph Tils ist außer den Eckdaten nichts bekannt. Joseph Tils übernahm die Brauerei im Jahr 1839 von der Witwe Blümling und übergab sie im Jahr 1841 an Bartholomeus Köhler.

Die Brauerei unter Bartholomeus Köhler
Bartholomeus Köhler übernahm die Brauerei im Jahr 1841. Über die kurze Zeit seiner Führung ist ebenfalls außer den Eckdaten nichts bekannt. Bereits im Jahr 1844 übergab er seinerseits die Brauerei an Johann Wilhelm Lölgen.
Bartholomeus Köhler taucht aber nach dieser Zeit mehrfach als Betreiber anderer Brauereien auf. In den Jahren 1849 bis 1852 betrieb er eine Brauerei in der Poststraße 52, in den Jahren 1852 bis 1859 eine Brauerei am großen Griechenmarkt 6-8 und schließlich von 1867 bis 1868 eine Brauerei in der Severinstraße 81.

Die Brauerei unter der Führung von Johannes Wilhelm Lölgen
Im Jahr 1844 übernahm Johannes Wilhelm Lölgen die Brauerei in der Hohe Pforte 8. Mit ihm kam auch Kontinuität, denn er führte die Brauerei über 30 Jahre.
Im Jahr 1845 heiratete Johannes Wilhelm Lölgen Sibilla Masson, die aber bereits 5 Jahre später verstarb. Im Jahr 1857 heiratete er erneut.
Johann Wilhelm Lölgen war sehr aktiv im Kölner Vereins- und Karnevals-Leben. Vermutlich war er Gründungsmitglied des im Jahr 1852 gegründeten und heute noch existierenden, drittältesten Kölner Karnevalsvereins „Gressberger“. Weiter war er vermutlich auch Mitglied im Kölner Männergesangs-Vereins „Germania“. Darüber hinaus fanden viele Sitzungen anderer Vereine in seinem Lokal statt. Unter anderem trafen sich dort die Mitglieder des „Rosenfarbenen Blau-Montags-Kränzchens“ sowie die des „freundschaftlichen Dombau-Vereins“. Heute gibt es nur noch den im Jahr 1842 gegründeten „Zentral-Dombau-Verein“. Damals gab es neben diesen noch den vorher erwähnten „freundschaftlichen Dombau-Verein“, den „geselligen Dombau-Verein“, den „bürgerlichen Dombau-Verein, die „Gesellschaft der Dombau-Freunde“ sowie den „Brüderlichen Dombau-Verein“. [4,5]
Auch politisch war Johannes Wilhelm Lölgen aktiv. Im Jahr 1855 war er Kandidat in der Wahl des Stadtrats, allerdings nur der dritten Klasse. Im der Kölnischen Zeitung wurde in Anzeigen die Werbetrommel für ihn gerührt, ob er auch zum Stadtrat gewählt wurde, ist nicht bekannt.
[4, 04.11.1855] Wahl=Angelegenheit! Zu einem Gemeinderath ist weder ein großes Rednertalent, noch ein reicher Kaufmann nothwendig, sondern ein ehrlicher, biederer Mann, der mitten im Volke lebt und Gelegenheit hat, sich nach allen Seiten hin umzusehen; der begabt mit gesundem, klarem Menschenverstande und, fern von Eigennutz und Klüngelei, ein treues, aufrichtiges Herz besitzt, das auch sicher für das Wohl der Bürgerschaft patriotisch schlagen würde. Wo finden wir diese seltenen Eigenschaften besser vereinigt, als bei unserm wackern Mitbürger, dem Bierbrauer Johann Wilhelm Lölgen, einem gebornen Kölner, Hochpforte Nr. 8. Deßhalb, Bürger von Köln, wählet diesen und keinen andern! ihr habt leider bisher Erfahrung genug gehabt; diese Wahl wird euch nicht gereuen!
 
Johann Wilhelm Lölgen stammte aus einer bekannten Kölner Brauer-Familie, wie folgender Liste zu entnehmen ist:
Mathias Lölgen 1797-1841 Brauerei „Zum Elefant“, Eigelstein 121/123
Mathias Lölgen 1839-1841 Brauerei „Zum Kranz“
Anton Lölgen 1879-1882 Johannisstr. 2
Anton Lölgen 1885-1889 Schildergasse 34
Johann Adam Lölgen 1838-1839 Johannisstr. 2
Johann Adam Lölgen 1849-1863 Johannisstr. 2
Georg & Michael Lölgen 1839-1849 Johannisstr. 2
J.A. Lölgen 1872-1876 Johannisstr. 2
Mathias Joseph Lölgen 1838-1839 Brauerei „Zum Kaiser Franz“, Ehrenstraße 74
Margarethe Theresa Lölgen Wwe. 1839-1844 Brauerei „Zum Kaiser Franz“, Ehrenstraße 74
Mathias Joseph Lölgen 1844-1861 Brauerei „Zum Kaiser Franz“, Ehrenstraße 74
Michael & Georg Lölgen 1867-1868 Holzmarkt 75/77
Michael Lölgen 1868-1885 Holzmarkt 75/77
 
Über das eigentliche Geschehen der Brauerei selbst ist wenig bekannt. Vermutlich im Jahr 1875 starb Johann Wilhelm Lölgen und im gleichen Jahr übergab seine Witwe die Brauerei an Robert Becker
(W002) [4, 26.05.1845]
Heiratsanzeige von Johann Wilhelm Lölgen aus dem Jahr 1845
(W010) [4, 23.02.1850]
Anzeige zum Tod der ersten Frau von Johann Wilhelm Lölgen aus dem Jahr 1850
 
(W005) [4, 31.05.1857]
Heiratsanzeige der zweiten Heirat von Johann Wilhelm Lölgen aus dem Jahr 1857
(W004) [4, 02.02.1855]
Anzeige der Karnevalsgesellschaft Greesberger (vollständige Anzeige durch klick auf die Grafik)
(W007) [4, 04.01.1858]
Anzeige des Rosenfarbenes Blau-Montags-Kränzchen, welches sich bei Wilhelm Lölgen traf (vollständige Anzeige durch klick auf die Grafik)
 
(W003) [4, 24.12.1854]
Weitere Anzeige des Rosenfarbenen Blau-Montags-Kränzchen (vollständige Anzeige durch klick auf die Grafik)
(W008) [4, 16.09.1857]
Anzeige der Brauerei, gesucht: ein erster Brauergehülfe
(W006) [4, 06.10.1869]
Anzeige des Männergesang-Verein Germania, bei dem Wilhelm Lölgen vermutlich Mitglied war
(W009) [4, 05.10.1845]
Anzeige mehrerer "Dombau-Vereine
(W011) [4, 17.11.1875]
Anzeige aus dem Jahr 1875 zwecks der Übergabe der Brauerei an Robert Becker

Die Brauerei unter Robert Becker
Robert Becker übernahm die Brauerei im Jahr 1875. Über die Zeit unter seiner Führung ist leider nichts bekannt. Im Jahr 1883 wurde die Brauerei geschlossen und von Hermann Josef Bank als Restauration weitergeführt.

Die Jahre als Restauration (Brauhaus Lölgen, Brauhaus Bank-Lölgen)
Im Jahr 1883 übernahm Herman Josef Bank Brauerei und Restauration, schloss aber die Brauerei und führte nur die Restauration, immer noch „Brauhaus Lölgen“ (teilweise auch „Brauhaus Bank-Lölgen“) genannt, weiter.
Im Jahr 1894 übernahmen dann die Gebrüder Lölgen das Brauhaus und führten es bis zum Jahr 1900. In diesem Jahr übernahm Josef U. Jean die Restauration, wobei die Familie Lölgen weiterhin Eigentümer des Brauhauses blieb. Bereits ein Jahr später, im Jahr 1901, übernahm Theodor Schlösser die Führung der Restauration und ab dem Jahr 1905 wurde er auch als Eigentümer geführt.
Im Jahr 1916 wurde das Brauhaus vom Apostelnbräu aus Köln-Lindenthal erworben und als Brauereiausschank genutzt .
In einem Bericht über Kölner Brauereien aus dem Jahr 1921 wird das Brauhaus Lölgen wie folgt dargestellt.
[1, 1921] Von der Hohen Straße bis Hohe Pforte sind sämtliche Hausbrauereien verschwunden, deren man in den 70er und 80er Jhren dort noch fünf zählte, von denen sich am längsten das Brauhaus Degraa „Em Bäumche“ neben der Ecke Schildergasse gehalten hat bis in das 20. Jahrhundert hinein, wo es in den Neubau Feinhals aufging. Unger Pannenschläger und Brauhaus Lölgen bestehen noch als Wirtschaftsbetriebe, jedoch ohne Hausbrauereien. Das vorerwähnte Brauhaus Lölgen Hohe Pforte 8, zählte seit jeher zu den bekanntesten Kölner gemütlichen Kneipen, wo stets ein starker Stammtisch für Stimmung sorgte. Ende der 70er Jahre war es auch die „Geburtsstätte des halven Hahn“, der seitdem Weltberühmtheit weit über Kölns Mauern hinaus gefunden und während der Drucklegung dieses Werkchens, am 18. April 1921, dem 57. Gedenktage der Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die früheren Kölner Regimenter: 7. Pioniere, 53er Kronprinzler usw., nach siebenjährigen „Kriegsschlaf“ seine Wiederauferstehung feierte. Der „halven Hahn“ – ein halbes Röggelchen mit eine Scheibe Holländer Käse – ist nämlich eine Erfindung des heute 80jährigen Vorsitzenden Vierkötter von der Vereinigung ehemaliger Düppelstürmer, der im Jahre 1877 gelegentlich einer frisch-fröhlichen Tafelrunde im Brauhaus Bank an seinem Namenstage seine Freunde „genarrt“ hat, die an eine Bestellung von „echten“ halben „knusperig“ gebratenem „Kikerikis“ geglaubt hatten. Weiter tagt in diesem „Bräues“ seit zwei Jahrzehnten der Vorstand des heute mehr als 2000 Mitglieder zählenden Vereins „Alt-Köln“, der sich unter seinem bewährten Vorsitzenden, Buchhändler Stauff und Arzt Dr. Joseph Bayer, so große Verdineste um die Erhaltung der Kölner Mundart erworben hat.
 
Mit dem Übergang des Apostelnbräu zur Westmark Brauerei von Christian Sünner im Jahr 1934 und der Übernahme der Westmark Brauerei durch die Dom-Brauerei Carl Funke AG im Jahr 1936 wechselten die Besitzer entsprechend. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in der Hohe Pforte 8 bei alliierten Bombenangriffen völlig zerstört und nicht wiederaufgebaut.
(F002) [7]
Foto der Brauerei Lölgen, um 1900
 
(PK001) [Sammlung Hildner]
Postkarte mit Innenansicht der Brauerei Lölgen, gelaufen 1903
(F001) [unbekannte Sammlung]
Foto des Brauhaus Lölgen aus dem Jahr 1931
     
(F003 [2]
Foto der Hohe Pforte (nach oben abgehende Straße) aus dem Jahr 1904. Das letzte Haus ist die Brauerei, gut zu erkennen am Torbogen der Eingangstür
                                                                                                                                                                          

Übersicht der Firmierungen
Zeitraum        Firmierung Anmerkung
(1822) - ??? Brauerei H. Brölsch Hohe Pforte 8
(1835) - 1838 Brauerei J.B. Blümling Endejahr nicht gesichert
1838 - 1839 Brauerei Maria Anna Blümling Wwe. Anfangsjahr nicht gesichert
1839 - 1841 Brauerei Joseph Tils  
1841 - 1844 Brauerei Bartholomeus Köhler  
1844 - 1875 Brauerei Johann Wilhelm Lölgen  
1875 - 1883 Brauerei Robert Becker  
1883 - 1894 Brauhaus Lölgen, Inhaber Josef Bank Ab hier keine eigene Bierproduktion mehr
1894 - 1905 Brauhaus Lölgen, Inhaber Gebr. Lölgen  
1905 - 1915 Brauhaus Lölgen, Inhaber Theodor Schlösser Th. Schlösser war bereits seit 1901 Betreiber des Brauhaus Lölgen
1916 - (1937) Brauhaus Lölgen, Inhaber Apostelnbräu Heinrich Bädorf  
??? - 1945 Brauhaus Lölgen, Inhaber Dom-Brauerei Carl Funke AG  

Anmerkungen
» Von allen hier genannten Brauerei sind den abgebildeten Postkarten keinerlei Brauereiwerbemittel wie Gläser, Krüge oder Flaschen bekannt.
» In [2] wird die Brauerei unter dem Namen „Zur Grin“ aufgeführt. Das Haus, in dem sich die Brauerei befand, hieß zwar vor Jahrhunderten „Zur Grin“, es gibt aber keinen einzigen Nachweis, dass die später dort angesiedelte Brauerei diesen Namen je verwendet hätte.
» Wie auch im vorstehenden Bericht von Lambert Macherey aus dem Jahr zu lesen, soll angeblich um 1880 im Brauhaus an der Hohe Pforte 8 der in Köln allseits bekannte „Halve Hahn“ (Röggelchen, mittelalter Gouda, Senf) erfunden worden sein. Ob dem wirklich so war, ist aber unklar.
 
 
 
Quellen
1 Kölner Kneipen im Wandel der Zeit (1846 bis 1921), Lambert Macherey, 1921, Selbstverlag
2 "Prosit Colonia: Die vergessenen und unvergessenen Brauereien, Bier- und Brauhäuser Kölns", Autor: Franz Mathar, Greven Verlag, 1999
3 "Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
4 Kölnische Zeitung, Ausgaben: 17.02.1838, 26.05.1845, 05.10.1845, 23.02.1850, 24.12.1854, 31.01.1855, 02.02.1855, 04.11.1855, 04.11.1855, 31.05.1857, 16.09.1857, 04.01.1858, 06.10.1869, 17.11.1875, 16.09.1881, 11.03.1885, 27.04.1904, 06.09.1904
5 Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins: Alphabetisch geordnetes Inhalts-Verzeichniß zum Kölner Domblatt von 1842-1857 — Köln, 1857, https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/koelnerdomblattregister/0004
6 Kölner Adressbuch, Verlag Greven, Ausgaben: 1813, 1822, 1835, 1838, 1844, 1849, 1850, 1852, 1854, 1876, 1877, 1883, 1884, 1893, 1894, 1900, 1901, 1902, 1903, 1904, 1905, 1915, 1916, 1917, 1918, 1920, 1925, 1933, 1937, 1941/42
7 Rheinisches Bildarchiv, https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05215602/rba_mf140440