Unternehmensgeschichte des Neumarkt-Bräu Mohr-Baedorf

 
Das „Neumarktbräu“ am Neumarkt 43 geht zurück auf die im Jahr 1863 gegründete „Brauerei Johann Tillman Müller“. Wie in Köln üblich, wechselte auch hier der Besitzer alle paar Jahre. Bereits ein Jahr später, im Jahr 1864, wurde die Brauerei in „Brauerei Johann Heinrich Schmitz“ umfirmiert. Auch dies hielt nur 3 Jahre, im Jahr 1867, hieß es dann „Brauerei Jakob Schiffer“. Dieser betrieb die Brauerei 6 Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1873. Seine Witwe betrieb die Brauerei noch ein Jahr weiter („Brauerei Jakob Schiffer Wwe.“), bis im Jahr 1874 das Ende kam. Die Brauerei wurde geschlossen und es gab auch keinen Nachfolger.
Die folgenden 58 Jahre wurde das Gebäude als Restaurant weitergeführt, bis im Jahr 1931 die Familien Mohr und Baedorf die „Obergärige Bierbrauerei Neumarkt-Bräu, Mohr-Baedorf“ gründeten. Bereit ein Jahr später, im Jahr 1932, gab es bereits die erste Umfirmierung. Der Name „Baedorf“ verschwand aus der Firmierung, die fortan „Obergärige Bierbrauerei Neumarkt-Bräu, Willi Mohr“ lautete. Die Brauerei florierte, nicht zuletzt wegen der guten Lage am Kölner Neumarkt. Produziert wurde ausschließlich obergäriges Bier.
In den 1930er Jahren wurde auch direkt am Rhein, im ehemaligen Haus „Zum verlorenen Sohn“ an der Frankenwerft Ecke Salzgasse, eine Filiale eröffnet. Im "Neumarkt-Bräu am Rhein" wurde nicht selbst gebraut, sondern das Bier des Stammhauses ausgeschenkt.
Nach 10 Jahren Betrieb übernimmt im Jahr 1942 Inge Mohr die Brauerei („Obergärige Bierbrauerei Neumarkt-Bräu, Inge Mohr“).
Im Krieg wurde das Brauhaus teilweise zerstört, der Braubetrieb aber fast durchgehend aufrechterhalten. Im Jahr 1958 wurde der Braubetrieb eingestellt und der Betrieb als Brauhaus weitergeführt. Inge Mohr führte das Brauhaus bis ins Jahr 1965. Anschließend wird das Neumarkt-Bräu von Fritz Banzhaf geführt, bevor es im Jahr 1972 endgültig geschlossen wird.

Firmierungen:
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1863 – 1864 Brauerei Johann Tillman Müller (Neumarkt 43)  
1864 – 1867 Brauerei Johann Heinrich Schmitz  
1867 – 1873 Brauerei Jakob Schiffer  
1873 – 1874 Brauerei Jakob Schiffer Wwe.  
1931 – 1932 Obergärige Bierbrauerei Neumarkt-Bräu, Mohr-Baedorf Neustart nach 58 Jahren Pause
1932 – 1942 Obergärige Bierbrauerei Neumarkt-Bräu, Willi Mohr  
1942 – 1958 Obergärige Bierbrauerei Neumarkt-Bräu, Inge Mohr  
1958 – 1965 Obergäriges Brauhaus Mohr-Baedorf, Inh. Inge Mohr Keine eigene Braustätte mehr
1965 – 1972 Neumarktbräu Fritz Banzhaf  
 

Historische Bilder
F001)
Foto der Brauerei, vermutlich aus den 1930er Jahren. Das Gebäude verfügt noch über 4 Stockwerke. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude teilweise zerstört, auf PK001 ist das gleiche Gebäude 1,5-geschossig zu sehen
(unbekannte Sammlung)
 
(PK001)
Postkarte aus den fünfziger Jahren
"Obergäriges Brauhaus Mohr-Baedorf"
"Inh. Inge Mohr"
(PK005)
Postkarte der Obergärige Brauerei "Neumarktbräu", Mohr-Baedorf, gelaufen 1931
(PK004)
Postkarte "Innenansicht der oberg. Brauerei Mohr Baedorf, Köln". Alter unklar
(unbekannte Sammlung)
 
(PK002)
Postkarte aus den fünfziger Jahren (gelaufen 1957)
"Obergäriges Brauhaus Mohr-Baedorf"
"Inh. Inge Mohr"
 
(F002)
Foto des "Neumarkt-Bräu am Rhein" an der Frankenwerft Ecke Salzgasse aus den 1930er Jahren (siehe PK003)
(unbekannte Sammlung)
(PK003)
Postkarte (nicht gelaufen) des "Neumarkt-Bräu am Rhein, Köln. Filiale Frankenwerft"
(Sammlung Hildner)
                                                                           
     
(W002) [2]
Werbung der Brauhauses aus dem Jahr 1966
 
(W001)
Werbung für das Obergärige Brauhaus Mohr-Baedorf, Inhaber ist Fritz Baarhaf. Vermutlich Ende der 1960er Jahren
(unbekannte Sammlung)
                                                                      
 

Anmerkungen
» Außer Postkarten sind keinerlei Werbemittel wie Gläser oder Krüge bekannt
 

Informationen aus Brauereiverzeichnissen
1939

Obergärige Brauerei „Neumarktbräu“, Mohr-Baedorf, Köln, Neumarkt 43
Fernruf: 215074. Drahtseilanschrift: Neumarktbräu. Produktion: Obergärige Biere. Inhaber: Willy Mohr. Braumeister: Fritz Weigel. Anlagen: Sudhaus. Das Unternehmen gehört an: Brauwirtschaftsverband Westdeutschland, Köln; Reichsinnungsverband des Brauer- und des Mälzerhandwerks, Berlin - Brauer- und Mälzer-Innung Rheinland.

 
 
 
Quellen
1 Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2 Greven's Adressbuch von Köln, Jahrgänge 1964, 1965, 1966, 1967, 1971, 1972
3 Die Brauereien und Mälzereien im Deutschen Reich 1939-40, 38. Auflage, 1940, Verlag Hoppenstedt & Co., Berlin