Unternehmensgeschichte des Deutschen Brauhauses in Lechenich und der Brauerei Ganser in Wiesdorf
Weitere Informationen zu Ganser Kölsch und Nachkriegs-Werbemitteln finden
Sie auf www.koelschinfo.de
Die Entstehung der Brauerei in Lechenich
Peter Ganser, geboren im Jahr 1842, kam in den 1860er Jahren aus dem 50 Kilometer entfernten Stolberg nach Lechenich. Die Gründe hierfür sind unklar, auch das Brauen lag nicht in der Familie, sein Vater war Schuster.
Peter Ganser betrieb in Lechenich zuerst eine Gastwirtschaft und vermutlich ab 1868 auch eine Hausbrauerei. Schriftlich belegt ist der Betrieb der Gastwirtschaft für das Jahr 1868. Bei der Geburt seines ersten Sohnes Franz Josef am 26. September 1868 wird er im Geburtsregister als Gastwirt bezeichnet. Einen Beleg für den Betrieb einer Brauerei gibt es erst für das Jahr 1869. In einer Anzeige von Peter Ganser im Euskirchener Anzeiger vom 7. August 1869 sucht dieser nach einem Lehrjungen für das Brauereigewerbe.
Gasthaus und Brauerei befanden sich in einem bereits bestehenden Gebäude in der Bonner Str. 9-11. Das dreigeschossige, siebenachsige Backsteingebäude im klassizistischen Stil ist heute noch erhalten und als „Haus Ganser“ bekannt. Es wurde im Jahr 1817 durch den jüdischen Händler und Immobilienmakler Jacob Cahen erbaut und diente zeitweise dem Landrat des Kreises Lechenich als Wohnsitz. Die Jahreszahl „1817“ ist heute noch in den Ankerzahlen am Giebel erkennbar.
Die Brauerei war auf dem Grundstück hinter dem Haus eingerichtet und bestand zunächst nur aus einer kleinen klassischen Brauanlage für den
Eigenbedarf des Gasthauses.
Vermutlich im Jahr 1871 bekamen Brauerei und Gasthaus den Namen „Deutsches Brauhaus“. Als Hintergrund darf der Nationalstolz von Peter Ganser im Kontext der Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 angenommen werden. Auf dem späteren Briefkopf der Brauerei sind sowohl die Deutsche Reichsflagge als auch die Kaiserliche Reichskriegsflagge abgebildet.
Die Brauerei schien zu florieren, denn im Jahr 1879 erweiterte Peter Ganser das Haupthaus im hinteren Bereich um eine mehrgeschossige Brauereianlage. Diese bestand aus einem größeren Sudhaus, zweigeschossigen Gär- und Lagerkellern, einer Brunnenanlage, einem weitläufigen Hofgelände mit Zufahrt und einer eigenen Picherei. Die Brauanlage war für den Bedarf des Gasthauses überdimensioniert, die Ausrichtung änderte sich also von Eigenversorgung zu externem Biervertrieb.
Im Jahr 1879 taucht die Brauerei auch zum ersten Mal als „Deutsches Brauhaus, Peter Ganser“ in den Brauereiverzeichnissen auf.
Peter Ganser leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod am 20.02.1891. Als Todesursache wurde Schwindsucht (Tuberkulose) diagnostiziert. Er wurde nur 48 Jahre alt und hinterließ 9 Kinder, von denen der größte Teil noch minderjährig war (insgesamt hatte er 12 Kinder, von denen 3 aber bereits im frühen Kindesalter verstarben).
Der Betrieb wurde maßgeblich von seiner Witwe und dem ältesten Sohn Franz Josef Ganser weitergeführt und am 15. April 1893 in „Deutsches Brauhaus Witwe Ganser umfirmiert". Alleinige Inhaberin der Brauerei war eben diese „Witwe Peter Ganser, Maria Anna, geb. Heinen“.
Die Witwe Ganser führte mit Hilfe ihrer Kinder das Unternehmen bis zu ihrem Tod am 13.10.1884.
Am 8. Mai 1895 übernahmen ihre Kinder offiziell die Führung der Brauerei unter Beibehaltung des Namens „Deutsches Brauhaus Witwe Ganser“. In den gängigen Brauereiverzeichnissen werden anderen Daten genannt (z.B. dass die Firmierung „Witwe Ganser“ erst im Jahr 1898 eingeführt worden wäre), aber sowohl die Todesdaten (bekannte Todeszettel [19]) als auch die beiden Umfirmierungen (offizielle Bekanntmachungen des Amtsgerichts in Euskirchen [6]) sind gesicherte Daten. Hier der genaue Wortlaut bezüglich der Umfirmierung im Jahr 1895:
„ ….Euskirchen. Bekanntmachung. Das unter der Firma Deutsche Brauhaus Wittwe Ganser zu Lechenich betriebenen Handelsgesellschaft ist durch den Tod der bisherigen alleinigen Inhaberin Wittwe Peter Ganser auf deren Kinder, nämlich:
1) Bierbrauer Franz Josef Ganser zu Lechenich,
2) Maria Hubertina Ganser, ohne Geschäft daselbst,
3) Peter Wilhelm Oswald Ganser, Bierbrauer daselbst, z.Z. Soldat in Berlin
,
4) Peter Josef Ganser,
5) Maria Hubertina Catharina Ganser,
6) Maria Catharina Cäcilia Ganser,
7) Theodor Oswald Josef Hubert Ganser
8) Stephan Ganser
zu 4 bis 8 noch minderjährig und durch den unter Nr. 1 genannten Franz Josef Ganser vervormundet, übergegangen, welche das Geschäft unter unveränderter Firma weiterführen. Zur Vertretung der Gesellschaft ist nur berechtigt der Franz Josef Ganser, die Maria Hubertina Ganser und der Peter Wilhelm Oswald Ganser. Entsprechende Eintragung ist im Firmen- bezw. Gesellschaftsregister heute bewirkt worden. Euskirchen, den 8. Mai 1895 …“.
Im Jahr 1896 wurde die Brauerei erneut erweitert und modernisiert. Teile der bisherigen Brauereigebäude wurden abgerissen und durch eine auf dem Stand der Zeit befindlichen Dampfbrauerei ersetzt. In den Jahren 1898 und 1900 folgten weitere Modernisierungen. Ein neuer Dampfkessel, eine elektrische Lichtanlage und eine Eismaschine wurden angeschafft. Insbesondere die Eismaschine brachte den notwendigen Fortschritt, da man jetzt in der Lage war, untergärige Biere
gleich bleibender Qualität unabhängig von der Witterung oder der Verfügbarkeit von Eis zu produzieren.
Der Erfolg ließ nicht auf sich warten, bei einer Messe in Straßburg im Jahr 1900 wurde das Bier der Brauerei Ganser mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet.
Der führende Kopf der Brauerei, Franz Josef Ganser, stirbt im Jahr 1907. Die Brauerei wird unter Beibehaltung des Namens „Deutsches Brauhaus Witwe Ganser“ durch die verbliebenen 7 Geschwister (Cäcilia Ganser war im Jahr 1901 im Alter von 22 Jahren verstorben) weitergeführt [6].
(003) [22]
Briefkopf des Deutschen Brauhauses in Lechenich aus dem Jahr 1901 (wurde bis
mindestens 1925 weiter verwendet)
(PK007) [9]
Postkarte des Deutschen Brauhauses in Lechenich
(unbekannte Sammlung)
(002)
Packung eins Werbepuzzles der Ganserbrauerei mit Abbildung einer alten
Postkarte des Deutschen Brauhaus in Lechenich (siehe PK007, allerdings wurde
in 002 2x "Lechenich" entfernt
(F005) [20]
Foto der Bonnerstraße aus dem Jahr 1903. Hinten links ist das Deutsche
Brauhaus zu sehen, dahinter (rechts davon auf dem Foto) weitere
Brauereigebäude
(F003) [18]
Alter Lageplan der Brauerei aus dem Jahr 1898
(F001) [18]
Foto der Belegschaft des Deutschen Brauhaus, um 1910
(F004) [9]
Foto eines LKW der Brauerei mit der Aufschrift "Deutsches Brauhaus Wwe.
Ganser". Vermutlich um 1910
(PK008) [18]
Postkarte der Bonnerstraße in Lechenich. Links ist das
Deutsche Brauhaus zu
sehen.
Im Hintergrund das Bonner Tor, welches
von 1853 bis 1897 als
Gefängnis genutzt wurde
(F002) [21]
Werbung des Deutschen Brauhauses Wtw. Ganser aus Lechenich, um 1900
(Stadtarchiv Erftstadt)
(F006) [8]
Foto des "Haus Ganser" in Lechenich aus dem Jahr 2011. Deutlich zu erkennen
ist die Jahrzahl 1817 am Giebel
Die Verlagerung nach Leverkusen
Der Braunkohletagebau in der benachbarten Bürgermeisterei Liblar führte einerseits zu einer erhöhten Nachfrage nach Bier, andererseits aber auch zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels in Lechenich. Als Konsequenz wurde die Brauwasserversorgung aus den eigenen Brunnen immer schwieriger und es war absehbar, dass der Standort in Lechenich hierdurch mittelfristig nicht zu halten war. Die Geschwister Ganser waren hierdurch gezwungen, sich nach einer neuen Produktionsstätte umzusehen.
Fündig wurden sie im ca. 40 Kilometer entfernten Wiesdorf, damals zugehörig zur Bürgermeisterei Küppersteg, heute ein Stadtteil von Leverkusen. Die Verbindung nach Wiesdorf
entstand vermutlich durch den zweitältesten Sohn Wilhelm Ganser, der im Jahr
1909 Katharina Steinacker, Tochter eines im an Wiesdorf angrenzenden Bürrig
ansässigen Wirtes, heiratete. Am 8. Juli 1910 übernahm die Familie Ganser im Rahmen einer Zwangsversteigerung für 95.000 Goldmark einen 1908 errichteten Brauerei-Neubau der in Konkurs gegangenen „Germanenbrauerei Dorn & Seffen“ in Wiesdorf.
Am 6. Juli 1910 wird die „Kronenbrauerei“, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in das Opladener Handelsregister eingetragen [6]. Geschäftsführer sind die Brüder Peter Wilhelm Ganser und Oswald Josef Hubert Ganser.
In Lechenich wird um 1919 der Braubetrieb endgültig eingestellt und der Standort wurde daraufhin nur noch als Gaststätte und bis in die 1960er Jahre als Niederlage der Leverkusener Brauerei genutzt.
Der Betrieb in Leverkusen nahm Fahrt auf und wurde im Jahr 1912 erweitert. Produziert wurde in den 1920/30er Jahren Wiesdorfer Kronen Bier in den für die damalige Zeit üblichen Sorten wie Pils, Dortmunder, Export oder Malzbier. Alles untergärige Sorten, obergärige Sorten wie Kölsch oder Alt wurden noch nicht produziert.
Die Produktion betrug ca. 20.000 hl jährlich. Im Jahr 1926 wird die Brauerei umgebaut und im Jahr 1929 um einen Keller-Neubau erweitert.
Im Jahr 1930 gründete die Familie Ganser eine Malzfabrik in Schneidhausen bei Düren. Die am 1. Oktober 1930 ins Handelsregister eingetragene „Malzfabrik Schneidhausen Gebrüder Ganser“ war eine Kommanditgesellschaft, persönlich haftende Gesellschafter waren Wilhelm Ganser (Lechenich) und Oswald Ganser (Leverkusen-Wiesdorf).
Im einem Brauereiverzeichnis aus dem Jahr 1934 wird die Brauerei wie folgt beschrieben [3]: „… Geschäftsführer: Oswald, Stefan u. Wilhelm Ganser. Braumeister: Max Derz. Bierniederlage: Lechenich b. Köln. Betrieb: Sudhausanlage mit Dampfkochung, 20 Ztr. Schüttung, keimfreie Belüftungsanlage, 2 Eismaschinen, Dampf- und elektrische Antriebe, vollautomatische Flaschenreinigungs- u. Füllanlage; 3 Lastwagenzüge, 3 Gespanne. Produktion: Untergärige Biere, Dortmunder u. Pilsener Art, Malzbier, ferner Kristalleis, Treber u. Kohlensäure. Angestellte u. Arbeiter: 30. …“.
Im Jahr 1936 wurde die Firma von einer GmbH in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, persönlich haftende Gesellsehafter waren Wilhelm und Oswald Ganser, Stefan Ganser, 1934 noch in der Geschäftsführung, taucht nicht mehr auf.
Ende der 1930er Jahre wurde auch mit der Produktion von obergärigen Bieren begonnen, im Jahr 1939 betrug der Ausstoß 22.000 hl
[25].
(W001) [24]
Werbung der Germanenbrauerei Dorn & Seffen aus dem Jahr 1909
(F007)
Foto der Brauerei in der Düsseldorferstraße mit Brauerei-Kutsche im
Vordergrund.
Vermutlich um 1910
(unbekannte Sammlung)
(F008) [18]
LKW des Deutschen Brauhauses Lechenich vor der Kronen-Brauerei in Wiesdorf.
Das Foto ist aus dem Jahr 1923, vor dem Lastwagen ist der Gründer Oswald
Ganser zu sehen
(unbekannte Sammlung)
(F010) [18]
Foto der Gaststätte Schaaf-Köttinger (vermutlich in Lechenich) aus dem Jahr
1920 mit einem Werbeschild für "Wiesdorfer Kronen Bier"
(F009) [18]
Luftaufnahme der Brauerei aus dem Jahr 1934. Gut zu erkennen ist
das
Sudhaus, welches einer kleinen Festung ähnelt.
(S004)
Email-Werbeschild
für Kronen-Bier
(unbekannte Sammlung)
(W004)
Anzeige der Kronen-Brauerei Wiesdorf
Flaschenbier-Vertrieb / Eisfabrik
(unbekannte Sammlung)
(R001)
Rechnungskopf der Brauerei aus dem Jahr 1926
(unbekannte Sammlung)
Die Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg
Im zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei völlig zerstört. Ursächlich hierfür war wohl die Lage der Brauerei direkt neben den Leverkusener Bayer-Werken, einem Hauptziel der alliierten Luftangriffe.
Nach dem Krieg wurde die Brauerei wiederaufgebaut und startete im Jahr 1949 mit der Produktion, welche im ersten Jahr 8.200 hl betrug. Geführt von der 3. Generation begann ein steiler Aufstieg der Brauerei. Bereits 1966 wurde ein Ausstoß von 100.000 hl erreicht, beschäftigt wurden mittlerweile 160 Mitarbeiter
[25].
Parallel wurde in Lechenich die „Ganser‘sche Weinkellerei Gebr. Ganser“ gegründet. Für die Lagerung des Weins wurden die alten Braukeller genutzt. Gesichert ist der Bestand Weinkellerei für das Jahr 1951, genauere Daten zu Gründung und Schließung sind nicht bekannt.
Mittlerweile hatte mit Werner Peter Ganser und Peter Wilhelm Ganser die 3. Generation der Familie Ganser die Geschäftsleitung übernommen und leitete den Wiederaufstieg des Unternehmens ein. 1966 wurde bereits ein Jahresausstoß von 100.000 hl produziert, beschäftigt werden ca. 120 Mitarbeiter. Im Jahr 1972 betrug der Jahresausstoß schon 180.000 hl und blieb auf bis in die 1990er Jahre auf diesem Niveau.
Im Jahr 1966 stirbt Peter Wilhelm Ganser und die Ganser-Brauerei wurde zunächst von Oswald Ganser weitergeführt. 1980 übernahm Peter Ganser die Geschäftsführung und strukturierte die Firma neu.
Am 20. Januar 1975 wurde die Brauerei in „Ganser Brauerei KG“ umbenannt, das „Kronen“ verschwand. Hintergrund war ein Streit mit der Dortmunder Kronenbrauerei über den Firmen- und Produktnamen „Kronen“. Die Leverkusener Brauerei hatte mittlerweile eine Größe erreicht, die man in Dortmund ernst nahm, deshalb die Intervention. Vier Jahre später, am 27. März 1979, wurde die Gesellschaftsform der Brauerei in eine GmbH & Co KG geändert.
Die Produktpalette wurde ständig erweitert, außer dem „Wiesdorfer Kronenbier“ wurde im Laufe der Jahre u.a., „Ganser Kronen Kölsch“, „Ganser Kronen Alt“, „Ganser Kronen Pils“, „Kronen Doppel-Bock“, „Ganser Kronen Export“, „Ganser Kronen Spezial“, „Alkrather Pilsener“, „Rallye Malz“ und „Ganserator“ produziert. In den 1980er Jahren ging, wie bei allen Brauereien im Kölner Raum, der Trend dann wieder in die andere Richtung. Die Produktpalette wurde nach und nach reduziert. Im Jahr 1996 wurden nur noch Ganser Kölsch, Ganser Kölsch „Light“, Ganser Kölsch „Zero“ und Rallye Malz produziert, allerdings bei einem gleichen Ausstoß von 180.000 hl. Ende der 1990er Jahre dann nur noch „Ganser Kölsch“ und „Rallye Malz“
Im Jahr 1980 übernahm Peter Ganser die Geschäftsführung, im Jahr 1991 erfolgte die letzte Umfirmierung in „Privatbrauerei Ganser“.
(W005) [18]
Werbung für die "Ganser'sche Weinkellerei Gebr. Ganser" in Lechenich aus dem
Jahr 1951
(W001) [21]
Werbung für Wiesdorfer Bier, vermutlich aus den fünfziger Jahren
(PK001)
Fotopostkarte einer LKW der Kronen-Brauerei aus den 1950er Jahren
(S003)
Werbescchild für Wiesdorfer Kronen-Bier
(unbekannte Sammlung)
(S002)
Werbeschild für Kronen-Pils
(unbekannte Sammlung)
(S001)
Zapfhahnschild für Kronen-Pils
(unbekannte Sammlung)
(S005)
Hinterglasschild aus den 1970er Jahren
(Sammlung Birven)
(BK001)
Briefkopf der "Kronen Brauerei Gebr. Ganser", Alter unklar
(unbekannte Sammlung)
(BK003) [18]
Briefkopf der "Kronen Brauerei Gebr. Ganser" aus dem Jahr 1960
(W006) [5]
Werbung in Grevens Adressbuch
in den Jahren 1939 - 1941
(W007) [5]
Werbung in Grevens Adressbuch in den Jahren 1950 - 1954
(W008) [5]
Werbung in Grevens Adressbuch in den Jahren 1955 - 1957
(W009) [5]
Werbung in Grevens Adressbuch in den Jahren 1958 - 1965.
Hier das erste Mal mit Ganser-Logo statt Krone
(W006) [18]
Werbung der Brauerei von Anfang der 1970er Jahren. Zu sehen ist die damals
breite Produktpalette von 8 Biersorten
(W007)
Gemeinsamer Auftritt der Kölner Brauereien auf der Anuga in den 1970er
Jahren. Zwar nicht aus Köln, aber trotzdem dabei, die Kronen-Brauerei Gebr.
Ganser
(unbekannte Sammlung)
(F012) [17]
Die Brauerei vor dem Hintergrund der Bayer-Werke um 1970
(F011)
Foto der Brauerei aus den späten 1990er Jahren. Neben Ganser Kölsch wird
auch noch für Alkenrath Pilsener und Börsen Alt geworben
(unbekannte Sammlung)
(F012) [23]
Foto der Brauerei aus dem Jahr 2018. Die Wohnungen zwischen der Brauerei und
dem Bayer-Gelände (genannt Bullenklöster, weil dort viele Bayer-Arbeiter
ohne Familien wohnten) sind bereits abgerissen. An den Brauereigebäuden sind
bereits alle Ganser Werbeschilder entfernt. Für das Gelände gab es schon
mehrere Entwicklungsideen, bis jetzt (2021) ist aber aus keiner etwas
geworden
Die letzten Jahre der Brauerei
Ende der 1990er Jahre stand die Brauerei vor der Entscheidung massiv zu investieren oder die Brautätigkeit einzustellen. Um weiter konkurrenzfähig zu sein, wären umfassende Investitionen in die Brauanlagen notwendig gewesen, verschärfte Umweltauflagen auf Grund der zentralen Lage in Wiesdorf
und der direkten Nähe zum Chemie-Park taten ihr übriges.
Der damalige Geschäftsführer, Peter Josef Ganser, entschied sich, die Brautätigkeit einzustellen. Im Jahr 1998 wurde die Filtrierung und Abfüllung
der 80.000 hl Jahresausstoss in die Küppers Brauerei verlagert, im Jahr 2000 wird auch die Brautätigkeit eingestellt. Konsequenz war unter anderem die Entlassung eines Großteils der Mitarbeiter, aber objektiv gesehen hatte
Peter Josef Ganser keine erfolgversprechende Alternative, wie man an Schicksalen von Brauereien ähnlicher Größe im Kölner Raum sehen kann (z.B. Hubertus-Brauerei, Dormagener Brauerei, Peters Brauerei, Brauerei Sion, Küppers-Brauerei, Dom-Brauerei, …).
Ganser Kölsch, das einzige verbliebene Produkt, wurde aber weiterhin vertrieben. Hergestellt wurde es im Lohnbrauverfahren bei Küppers. Marketing und Vertrieb verblieben in Leverkusen. Die Küppers-Brauerei ihrerseits wurde im Jahr 2001 geschlossen und ab dieser Zeit wurde Ganser Kölsch als Lohnbräu bei Brau und Brunnen, später „Haus Kölscher Brautraditon“ in
Köln-Mülheim gebraut.
Peter Josef Ganser baute sich durch die Gründung der Tochtergesellschaft „G&P (Ganser & Partner) – Gastronomie & Event Service GmbH“ im Jahre 2002 ein zweites Standbein auf. Die Firma agierte zu Beginn nur als Getränkegroßhandel, entwickelte sich in den 2010er Jahren aber weiter in Richtung Eventlogistik.
Im Jahr 2004 beträgt der Absatz noch ca. 80.000 hl bei einem Fassbieranteil von 90%. Beschäftigt werden noch 14 Mitarbeiter. Das überhaupt noch soviel Bier an den Mann gebracht werden konnte lag an geschickt eingefädelten Kooperationsverträgen mit der Bitburger- und der Diebels-Brauerei. Die beiden Brauereien sahen durch den Bekanntheitsgrad von Ganser in Leverkusen auch Chancen für sich und Belieferten Gaststätten gemeinsam, die dann die Palette Ganser Kölsch, Diebels Alt und Bitburger Pils führten.
Im März 2008 wurde das seit Jahren nicht mehr genutzte Sudhaus
abgerissen und die Keller der Brauerei zugeschüttet. Etwa zur selben Zeit zog sich Peter Ganser langsam aus dem Geschäft zurück und seine Tochter Diana übernahm mehr und mehr die Geschäfte. Im Jahr 2016 übernahm sie offiziell die Leitung der Firma.
Am 9. Februar 2018 starb Peter Josef Ganser. Ende des gleichen Monats lief der Lohnsud-Vertrag mit dem „Haus Kölscher Brautradition“ aus und wurde nicht mehr verlängert. Das war’s nach fast 150 Jahren mit Bier von Ganser.
Firmierungen in Lechenich basierend auf Bekanntmachungen
des Euskirchener Amtgerichtes und anderer Quellen:
[18, 6]
Die Firmierungen in Lechenich sind nicht gesichert. Die nachfolgenden
Angaben basieren überwiegend auf offiziellen Bekanntmachungen des
Euskirchener Amtsgerichts im Deutschen Reichsanzeiger und sind vermutlich
korrekter als die nachfolgend aufgelisteten Firmierungen, welche auf dem
Standard-Brauereiverzeichnis basieren.
Zeitraum
Firmierung
Anmerkung
(1868) – 1871
Brauerei Peter Ganser
Bonner Straße 9-11
1871 – 1893
Deutsches Brauhaus, Peter Ganser
1893 – 1919
Deutsches Brauhaus, Witwe Ganser
Braubetrieb 1919 eingestellt.
Firmierungen in Lechenich laut Brauereiverzeichnis:
[11]
Zeitraum
Firmierung
Anmerkung
1879 – 1896
Deutsches Brauhaus, Peter Ganser
Bonner Straße 9-11
1896 – 1898
Deutsches Brauhaus, Peter Ganser’s Erben
1898 – 1905
Deutsches Brauhaus, Peter Ganser’s Wwe
1905 – 1919
Deutsches Brauhaus, Geschw. Ganser
Braubetrieb 1919 eingestellt.
Firmierungen in Wiesdorf:
[11]
Zeitraum
Firmierung
Anmerkung
1908 – 1910
Brauerei Dorn & Steffen
1910 – 1936
Kronen-Brauerei Gebr. Ganser GmbH
1936 – 1975
Kronen-Brauerei Gebr. Ganser KG
1975 – 1979
Ganser-Brauerei KG
1979 – 1991
Ganser-Brauerei GmbH & Co. KG
1991 – 2018
Privatbrauerei Ganser
Ab 2000 keine eigene Produktion mehr
Anmerkungen
•
Die Gaststätte („Haus Ganser“) in Lechenich sowie der
Brauereikeller und die Brunnenanlage sind heute noch erhalten und
weiterhin auch in Besitz der Familie Ganser.
•
Bei Ganser wurden außer Ganser Kölsch auch der Vorgänger
Kronen Kölsch und Sudhaus Kölsch gebraut.
•
Die "Gürtelgläser" (Kölschstangen mit umlaufendem Gürtel in
verschiedenen Farben) und der Slogan „für schlanke Leute“ sind sehr
bekannt (obwohl das Kölsch genauso viel Kalorien wie jedes andere Kölsch
hatte). Ganser ließ sich für diese Kampagne sogar die Begriffe
„Gürtelkölsch“ und „Kölsch mit dem Gürtel“ als Warenzeichen eintragen
[26]
Nachfolgend abgebildet sind Etiketten der Brauerei bis in die
frühen 1960er Jahre. Weitere Deckel jüngerer Zeit bis dato finden Sie auf www.koelschinfo.de im Bereich
Kölschmarken -> Ganser
Nachfolgend abgebildet sind Bierdeckel der Brauerei bis in die
frühen 1960er Jahre. Weitere Deckel jüngerer Zeit bis dato finden Sie auf www.koelschinfo.de im Bereich
Kölschmarken -> Ganser
(042)
"Wiesdorfer Kronen Bier".
Um 1930
(037)
"Wiesdorfer Kronen Bier". Um 1930
(unbekannte Sammlung)
(045)
"Wiesdorfer Kronen Bier". Um 1930
(unbekannte Sammlung)
(038)
"Kronen -Biere Spitzenbiere". Zum ersten Mal "Kölsch" in der
Sortenaufzählung
Prägeflaschen (verlinkt mit www.praegeflaschen.de)
(248)
(325)
(065)
(1029)
(1047)
"Deutsches Brauhaus", auf dem Verschluss
ist zusätzlich "Lechenich" angegeben
ca. 0,5l
ca. 0,5l
ca. 0,7 l
(Sammlung Liesack)
0,5 l
Informationen aus Brauereiverzeichnissen
[2], [3], [4], [7]
1898
Lechenich, Rgbz. Köln. P. T. – E. Liblar.
Ganser’s Erben, Pet.
1910
Lechenich, Rgbz. Cöln. P. T. E.
Ganser’s Wwe., Pet., Deutsches Brauhaus.
1910
Wiesdorf, Rgbz. Düsseldorf. P. T. E.
Dorn & Seffen, Albert.
1934
Kronen-Brauerei G. m. b. H., Leverkusen-Wiesdorf (Bezirk
Düsseldorf).
Gegründet: 1908; seit 1910 G. m. b. H.; 1926 umgebaut; 1929
Keller-Neubau. Postsch.-Konto: Köln 29 860. Tel.: Leverkusen 97. Telegr.:
Kronenbräu. Bankverbindungen: Dürener Bank, Depositenkasse Lechenich;
Deutsche Bank u. Disconto-Gesellschaft, Opladen; Städt. Sparkasse,
Leverkusen. Geschäftsführer: Oswald, Stefan u. Wilhelm Ganser.
Braumeister: Max Derz. Bierniederlage: Lechenich b. Köln.
Betrieb: Sudhausanlage mit Dampfkochung, 20 Ztr. Schüttung, keimfreie
Belüftungsanlage, 2 Eismaschinen, Dampf- und elektrische Antriebe,
vollautomatische Flaschenreinigungs- u. Füllanlage; 3 Lastwagenzüge, 3
Gespanne.ener Art, Malzbier,
ferner Kristalleis, Treber u. Kohlensäure. Angestellte u. Arbeiter: 30.
1939
Kronen Brauerei Gebr. Ganser, K. G., Leverkusen-Wiesdorf,
Kölner Str. 128
Bahnstation für Güter: Schlebusch. Fernruf: 1097. Drahtanschrift:
Kronenbräu.
Gründung: 1908 neu erbaut. Seit 1910 im Besitz der heutigen Inhaber.
1912 Vergrößerung der Maschinenanlage. 1926 umgebaut. 1929
Keller-Neubau.
Produktion: Unter- und obergärige Biere, Spezialbiere nach Dortmunder
und Pilsener Art. Eis, Nebenprodukte für Verkauf.
Geschäftsjahr: Kalenderjahr. Persönlich haftende Gesellsehafter: Wilh.
Ganser in Lechenich, Oswald Ganser in Leverkusen-Wiesdorf. Braunmeister:
Peter Ganser. Bankverbindungen: Deutsche Bank, Filiale Opladen;
Sparkasse der Stadt Leverkusen; Dürener Bank, Lechenich.
Postscheckkonto: Köln 29860.
Anlagen: Sudhaus mit Dampfkochung, 20 Ztr. Schüttung; Lagerung in
Aluminiumtanks; 2 Eismaschinen mit 100 000 Kalorien, Faß- und
Flaschenreinigungsmaschinen, Dampfkessel, Dampfmaschinen, sterile
Belüftungsanlage für Kühlschiff, Kühlhaus und Gärkeller; Eisfabrik -für
Klareis; 5 Lastkraftwagen. Niederlage in Lechenich, 4
Wirtschaftsanwesen. Das Unternehmen gehört an: Brauwirtschaftsverband
Westdeutschland, Köln; Wirtschaftsgruppe Brauerei und Mälzerei, Berlin -
Bezirksgruppe Rheinland. Gefolgschaft: 30 Arbeiter und Angestellte.
Quellen
1
Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem
Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2
Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 8. Jahrgang, 1910, Verlag von Eisenschmidt & Schulze GmbH, Leipzig
3
Die Deutschen Brauereien, Firmenjahrbuch des Deutschen Brauer-Bundes, Verlag für Rechts- und Wirtschaftsliteratur A.-G., Berlin u. Leipzig, 1934
4
Die Brauereien und Mälzereien im Deutschen Reich 1939-40, 38. Auflage, 1940, Verlag Hoppenstedt & Co., Berlin
Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I:
Deutschland, 1898, Verlag von Eisenschmidt & Schulze, Leipzig
8
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14973197,
Hanna Stommel
9
"Biergeschichte zwischen Rhein und Erft", Dr. Helmut Wirges,
Bienen-Verlag-Bachem, 1994
10
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Privatbrauerei_Ganser&oldid=204905327
(Abgerufen: 11. Januar 2021, 23:08 UTC)
11
"Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich,
herausgegeben von der Fördergemeinschaft von
Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
12
https://rp-online.de/nrw/staedte/leverkusen/leverkusen-brauerei-chef-peter-ganser-ist-tot_aid-20651643
, Artikel von Gabi Knops-Feiler in RP-Online vom 23.02.2018,
„Brauerei-Chef Peter Ganser ist tot“
13
https://rp-online.de/nrw/staedte/leverkusen/das-ende-des-ganser-koelschs-aus-wiesdorf_aid-24202891,
Artikel von Gabi Knops-Feiler in RP-Online vom 03.08.2018, „Das Ende des
Ganser-Kölschs aus Wiesdorf“
14
http://familienbuch-euregio.eu, abgerufen am 11.01.2021
15
https://www.gp-event.de/ueber-uns-2/historie-familie-ganser, abgerufen
am 11.01.2021
„von Lechenich nach Leverkusen“, Artikel von Udo Müller im Jahrbuch 2004
der Stadt Erftstadt
19
https://www.wgff-tz.de/details.php?id=120611 (Totenzettel von Peter
Ganser, Maria Anna Ganser, geb. Heinen und Cecilia Ganser)
20
Artikel „Nachtwächter gingen auf Diebestour“ von Horst Komuth am
04.12.2012 in Kölner Stadtanzeiger
21
Stadtarchiv Erftstadt
22
Lithografie-Sammlung Frank Bartsch, Bliesheim
23
https://www.ksta.de/region/leverkusen/stadt-leverkusen/suedtor-zur-leverkusener-city-immobilienentwickler-hat-gelaende-gekauft-29459022, Artikel von Thomas Käding im Kölner Stadtanzeiger vom 10.01.2018
24
Werbung aus der Festschrift zum 450-jährigen Bestehen der St.-Sebastianus-Schützenbrüderschaft aus dem Jahr 1909
25
Brauereistory der Privatbrauerei Ganser, Stand Februar 1996
26
"Eingetragenen Warenzeichen Warenklasse 32 (16a) Bier", Register 1962-1970, Wila Verlag für Wirtschaftswerbung Wilhelm Lampl, 1971