Die Brauerei „Stavenbräu“ existierte von 1873 bis 1907 und war die Nachfolge-Brauerei der Brauerei „Zur Stadt Aachen“, die im Jahr 1873 geschlossen wurde, und die Vorgänger-Brauerei der Brauerei „Zum Kölsche Boor“, die im Jahr 1907 gegründet wurde. Die entsprechenden Brauereihistorien finden Sie hier:
Brauerei „Zur Stadt Aachen“:
Brauerei „Zum Kölsche Boor“:
Gründung und Führung der Brauerei „Stavenbräu“ durch Arnold Brentjes (1874-1879)
Die Vorgänger-Brauerei „Zur Stadt Aachen“ wurde zum Schluss
von Nikolaus Eichholz betrieben, dem Schwiegersohn von Friedrich Odenthal,
welcher die Brauerei seit 1845 geführt hatte.
Die Brauerei am Eigelstein 121-123 wurde im Jahr 1873 von
Heinrich Bonk erworben, einem Eisenwarenhändler, der sein Geschäft am
Eigelstein 102 hatte, direkt gegenüber der Brauerei am Eigelstein 121-123.
Arnold Brentjes (manchmal aus Brentges oder Brentgens
geschrieben) pachtete die Brauerei von Heinrich Bonk und eröffnete im
Frühjahr des Jahres 1874 (ggf. auch schon Ende des Jahres 1873) seine
Brauerei am Eigelstein 123.
Ob diese Brauerei wie in [3,4] beschrieben zu dieser Zeit
schon „Stavenbräu“ hieß, ist unklar, da keine zeitgenössischen Quellen
bekannt sind, die den Namen „Stavenbräu“ zu dieser Zeit verwendeten.
Abgeleitet ist der zumindest später geführte Name „Stavenbräu“
von der benachbarten Straße „Im Stavenhof“, deren Name auf die zu den
Patriziern gehörende Bürgermeisterfamilie Stabe zurückgeht.
Der erste bekannte Nachweis von Arnold Brentjes am Eigelstein
121-123 stammt aus dem Jahr 1874. In einer Anzeige in der Kölnischen Zeitung
warb er für sein „März-Bier“.
Arnold Brentjes heiratet im Oktober 1874 die aus Büderich
stammende Louise Schwippert [1], mit der er mindestens 5 gemeinsame Kinder
hatte. In der Heirats-Ankündigung wird er noch als „Weinwirt“ bezeichnet,
was einen Hinweis auf seine Tätigkeit vor der Übernahme der Brauerei am
Eigelstein 121-123 gibt.
Arnold Brentjes führt die Brauerei bis zum Frühjahr des
Jahres 1879. Dann übernahm er die schon seid Jahrhunderten existierende
Brauerei „Zum Jungen Raben“ am Blaubach 38 von Ferdinand Wirtz .
Die Brauerei am Eigelstein 121-123 übergab Arnold Brentjes an Albert
Odenthal.
Die Brauerei „Zum Jungen Raben“ führte Arnold Brentges bis ins Jahr 1901.
Im Jahr 1903 wurde er zum Stadtverordneten gewählt. Zu dieser Zeit wurde er
schon als Rentner tituliert. Im Jahr 1907 wurde er auch zum Bezirksvorsteher gewählt.
Vermutlich starb Arnold Brentjes im Jahr 1913.
(W002) [1, 13.06.1874]
Erste bekannte Anzeige von Arnold Brentjes am Eigelstein 123 aus dem Jahr
1874
(W003) [1, 29.04.1885]
Anzeige der Firma Berdel & Horstmann für gekühlte oberirdische Lagerkeller
aus dem Jahr 1885. Neben anderen Brauereien wird auch Arnold Brentjes als
Referenz aufgeführt
(W001) [5, 15.11.1914]
Anzeige zum Jahrgedächtnis des vermutlich im Jahr 1913 verstorbenen Arnold
Brentjes
Die Brauerei „Stavenbräu“ unter Albert Odenthal (1879-1903)
Albert Odenthal übernahm im Frühjahr 1879 die Brauerei am
Eigelstein 121-123, wobei weiterhin der Metallwarenhändler Heinrich Bonk
Besitzer der Brauerei blieb. Höchstwahrscheinlich war es Albert Odenthal,
welcher der Brauerei den Namen „Stavenbräu“ verlieh.
Albert Odenthal heiratete im August 1879 die ebenfalls aus
Köln stammende Catharina Dahlen. In den ersten 8 Jahren bekamen sie 5
gemeinsame Kinder, von denen sage und schreibe 4 schon im Kleinkindesalter
verstarben. Ab 1890 bekamen sie weitere 4 gemeinsame Kinder, von denen alle
überlebten.
Die Geschäfte schienen gut zu laufen, denn im Jahr 1886 erwarb
Albert Odenthal die Brauerei am Eigelstein 121-123 von Heinrich Bonk.
Im Jahr 1888 wurde das Malzbier der Brauerei auf der
Internationalen Gartenbauaustellung in der Kölner Flora prämiert.
[1, 20.08.1888] „…Prämiirung in der Internationalen
Gartenbau-Ausstellung der Flora. Köln, 20. August. In der
Colonial-Ausstellung haben noch Preise erhalten: … Albert Odenthal-Köln für
Malzpräparate, Malz-Gesundheitsbier, bronzene Medaille…“
Auf der ein Jahr später stattfindenden Ausstellung für
Hausbedarf und Nahrungsmittel, konnte sich Albert Odenthal sogar von Bronze
auf Silber steigern.
[5, 28.08.1889] „…Der officiellen Prämiirungs=Liste der
Internationalen Ausstellung für Hausbedarf und Nahrungsmittel entnehmen wir
folgende Auszeichnungen, welche in Köln und nächster Umgebung ansässigen
Ausstellern zuerkannt worden sind. … Silberne Medaille … Albert Odenthal,
Köln, Eigelstein 123…“
Albert Odenthal war aktiver Karnevalist bei den „Aehnze Kähls“
und seine Gastwirtschaft war Stammlokal des Vereins.
[5, 01.02.1895] „…Die Carnevals-Gesellschaft Aehnze Kähls,
welche am Samstag in dem festlich geschmückten großen Saale des Fränkischen
Hofes ihr diesjähriges Damen-Comité abhielt, kann mit Stolz auf den
glänzenden Verlauf der Sitzung zurücksehen. … Ein Damengruß in Kölnischer
Mundart, vom Stammwirth Albert Odentahl verfaßt und vorgetragen, hob
allgemein die Stimmung ...“
Im Jahr 1898 muss Albert Odenthal große Veränderungen an der
Brauerei vorgenommen haben. In einer Anzeige spricht er von „neu erbaut“.
Diese Anzeige ist auch die erste mir bekannte Nennung des Namens „Stavenbräu“.
[5, 12.02.1898] „…Staven-Bräu. Neu erbaut. Eigelstein
121-123. Eröffnung Samstag den 12. D., Abends 6 Uhr. Hochfeines obergähr.
Lagerbier. Hochachtungsvoll Albert Odenthal. Fernsprecher 3569…“
Im November 1900 fand im Stavenbräu eine Bürgerversammlung
zum „zunehmenden Dirnen-Unwesens“ statt. Zentrum dieses Unwesens war die
Straße „Im Stavenhof“, gelegen in einer engen Seitengasse des Eigelsteins
und Namensgeber der Brauerei. Die Straße „Im Stavenhof“ war zu dieser Zeit
das Synonym für das Kölner Bordell-Viertel, was später auch zur Aufgabe des
Namens „Stavenbräu“ der Brauerei führte.
[5, 16.11.1900] „…Vereins=Nachrichten. Eine zahlreich
besuchte Bürgerversammlung fand am Mittwoch Abend im großen Saale des Stavenbräu zur Besprechung des im nördlichen Teile der Stadt seit einiger
Zeit zunehmenden Dirnen=Unwesens statt. Der Vorsitzende des Pfarrvereins
hieß die Versammlung willkommen und betonte die großen Unzuträglichkeiten
welche das Vorhandensein schlechter Häuser in einem Stadtviertel mi sich
bringt. Herr Rechtsanwalt Dr. Scheiff führte aus, daß er unter
Berücksichtigung einmal bestehender Verhältnisse ein Vorgehen der Bürger für
angezeigt halte. Man dürfe an der Hand der festgestellten Thatsachen fast
die Behauptung aufstellen, daß das soviel angefeindete und von de Behörden
verworfene Kasernierungssystem in dieser Gegend durchgeführt sei. Etwa 20
Häuser befinden sich in wenigen ganz nahe zusammen liegenden Straßen. Diese
Thatsache allein sei höchst bedenklich. Einen Grund zum Einschreiten aber
biete die von vielen Anwohnern bestätigte Thatsache, daß nicht nur nachts,
sondern auch am Tage sich skandalöse Vorgänge in einer die öffentliche
Sittlichkeit gefährdenden Weise abspielen. Vor allem müßten die
Familienvater, gleichviel welcher Konfession und welcher Partei sie
angehören, zusammenstehen und energisch Abhülfe verlangen, denn das
vorliegende Material lasse keinen Zweifel darüber übrig, daß die
heranwachsende Jugend, zumal die Schuljugend, in ihrer Sittlichkeit aufs
Aeußerste durch ein solches Treiben gefährdet werde. Etwa 470
schulpflichtige Kinder verkehren in den betreffenden Straßen, die nicht nur
auf dem Schulwege unheilvollen Einflüssen ausgesetzt seien, sondern auch bei
dem Aufenthalt auf den Straßen. ... Zum Schlusse nahm die Versammlung
einstimmig folgende Resolution an: „Die heute im Saal des Stavenbräu
versammelten Bürger des nördlichen Stadtteiles fühlen sich verpflichtet, bei
der zu ständigen Behörde vorstellig zu werden, damit diese gegen das
Dirnenunwesen im nördlichen Stadtteile die geeigneten Maßregeln ergreift.
Zahlreiche Mißstände, welche die Oeffentlichkeit berühren, wie nächtliche
Ruhestörungen und Skandalscenen am hellen Tage bieten Veranlassung zu diesem
gemeinsamen Vorgehen der Bürger ohne Unterschied der Partei und Konfession.
Ganz besonders aber sind es die der Jugend drohenden sittlichen Gefahren,
welche nach Lage der Dinge zu einer umfangreichen sittlichen Verwahrlosung
Minderjähriger führen müssen und deshalb ein energisches Einschreiten
erheischen ..."
Im April 1903 wurde das Stavenbräu dann in eine GmbH
umgewandelt.
(F007) [4]
Foto des Eigelsteins aus dem Jahr 1900. Mittig hinten ist die
Eigelsteintorburg mit der Figur des Kölsche Boor zu sehen, auf der linken
Seite zwischen den beiden Markisen die Brauerei Stavenbräu.
(W001) [5, 29.10.1887]
Anzeige von Doppel-Knupp aus der Bierbrauerei von Albert Odenthal am
Eigelstein 123 aus dem Jahr 1887
(W007) [6]
Ganzseitige Anzeige von Albert Odenthal aus dem Jahr 1889 mit Nennung der
Prämierung auf der internationalen Gartenbaustellung in der Flora im Jahr
1888
(W002) [5, 15.09.1888]
Anzeige des "Nördlichen Wohlthätigkeits-Vereins" aus dem Jahr 1888. Geladen
wird zur musikalischen und declamatorischen Abend-Unterhaltung im Saale des
Hrn. Albert Odenthal, Eigelstein 123
(W003) [1, 15.07.1893]
Die Lagerkapazität soll erweitert werden, gesucht werden Lagerfässer.
Anzeige aus dem Jahr 1893
(W004) [1, 16.02.1895]
Einladung zum großen Maskenball der "Aehnze Kähls", deren Stammlokal das
Brauhaus am Eigelstein 123 war
(W006) [5, 12.02.1898]
Eröffnungsanzeige der modernisierten Brauerei aus dem Jahr 1898, die ab
dieser Zeit als "Staven-Bräu" bezeichnet wurde
(W005) [1, 04.04.1900]
Der St. Ursula-Bau- und Pfarrverein lädt zur Monatsversammlung im Stavenbräu
ein. Anzeige aus dem Jahr 1900
Die Stavenbräu Gesellschaft mit beschränkter Haftung (1903-1907)
Die Hintergründe für die Umwandlung der Brauerei in eine GmbH
sind nicht bekannt. Vielleicht hatte es mit dem Gesundheitszustand von
Albert Odenthal zu tun, vielleicht hatte dieser sich beim Neubau auch
finanziell übernommen, auf der Brauerei lasteten einige Hypotheken. In
folgender Bekanntmachung wurden die Rahmenbedingungen der Umfirmierung
veröffentlicht.
[1, 30.04.1903] „…Bekanntmachung. In das Handelsregister ist
am 28. April 1903 eingetragen: Abteilung B. Unter Nr. 486 die Gesellschaft
mit beschränkter Haftung unter der Firma - Stavenbräu Gesellschaft mit
beschränkter Haftung - Cöln. Gegenstand des Unternehmens ist:
Brauereibetrieb und alles, was dazu gehört und damit zusammenhängt,
insbesondere die Uebernahme und der Weiterbetrieb der bisher von dem
Gesellschafter Odenthal allein betriebenen Bierbrauerei zum Stavenbräu. Das
Stammkapital der Gesellschaft beträgt 135 000 Mark. Zum alleinigen
Geschäftsführer ist Josef Creischer, Kaufmann zu Cöln, bestellt. Der
Gesellschaftsvertrag ist am 1. April 1903 festgestellt. Ferner wird bekannt
gemacht: Der Gesellschafter Albert Odenthal zu Cöln bringt in die Anrechnung
auf seine Stammeinlage in die Gesellschaft ein seine zu Cöln, Eigelstein,
gelegene Bierbrauerei, bestehend aus: 1. Den im Grundbuch von Cöln Band 288
Blatt 11485 eingetragenen Liegenschaften Flur 26 886/396 Eigelstein 121,
groß 3,53 Ar mit allen Gebäulichkeiten zum Werte von 260 000 M. 2. den
gesamten Bierbrauerei-Einrichtungen, Maschinen, maschinellen Anlagen,
Fuhrpark, Fastage, Wirtschafsmobilien, der Kundschaft im Werte von 140 000
M. Summe 400 000 M. belastet mit zwei zu 4 bez. 4 1/2% verzinslichen
Hypotheken von 150 000 M. und von 15 000 M. mit einer zu 5% verzinslichen
Hypothek von 12 000 M. u. mit einer zu 4 1/2% verzinslichen Grundschuld von
90 000 M. Summe 267 000 M. alle Belastungen mit den Zinsen vom 1. April 1903
an mit der Verpflichtung der Gesellschaft, diese zu übernehmen, so das ein
Aktivbestand bleibt von 133 000 M. Dadurch ist die Stammeinlage des
Gesellschafters Albert Odenthal vollständig gedeckt. Vorgeschriebene
Veröffentlichungen erfolgen lediglich durch den Deutschen Reichsanzeiger…“
Alleiniger Geschäftsführer war Josef Creischer. Der hier als
Kaufmann bezeichnete Josef Creischer war Direktor der in Ehrenfeld gelegenen
Kölner Malzfabrik Aktiengesellschaft und vermutlich ein Bruder von Wilhelm
Creischer, der später die Barbarossa-Brauerei in Köln betrieb .
Wer im Anschluss an die Umwandlung in die GmbH das operative
Sagen hatte ist unklar.
Die nächste bekannte Nennung stammt aus einer Anzeige 2
Monate später. In dieser wird das neu renovierte Stavenbräu mit seinem
prachtvollen Garten und bestem obergärigem Kölsch angepriesen. Auch ist das
Menü für den 28. Juni 1903 aufgeführt. Unter anderem gibt es
„Rindfleischsuppe mit Spargel und Blumenkohl, Rindfleisch mit Gurkensalat,
Roulade m. Frischen Erbsen u. Möhrchen sowie Pudding zum Menüpreis von 60
Pfennig.
Unterzeichnet ist die Anzeige mit „Bachem“ (leider ist der
Vorname nicht zu erkennen). Vermutlich handelte es sich hier aber nur um den
Betreiber der Restauration und nicht um den Betreiber der Brauerei.
Am 30. September 1903 verstarb Albert Odenthal im Alter von
nur 50 Jahren. In der nächsten Anzeige der Brauerei, ca. 2 Monate später,
tauche ein gewisser Josef Rohé auf.
[5, 29.11.1903] „…Stavenbräu Josef Rosé, Eigelstein 123.
Vorzüglich rein Obergärig im Anstich! Beste bürgerliche Küche. Diners 60, 80
Pfg. und höher. Frühstücks u. Abendplatten in reicher Auswahl…“
Ebenso wie Albert Odenthal war auch Josef Rohé im Kölner
Karneval aktiv. Das Stavenbräu war ja Stammlokal der „Aehnze Kähls“ und
passender Weise war Josef Rohé Präsident dieser Karnevalsgesellschaft. Es
könnte also gut sein, dass es hierüber Kontakte zwischen Albert Odenthal und
Josef Rohé gab, die vielleicht auch zum Einstieg von Josef Rohé in den
Betrieb des Stavenbräu führten.
Josef Rosé war Privatier, im Kölner Adressbuch wurde er als
„ohne Gewerbe“ geführt. Für einen „anständigen“ Beruf hätte er auch keine
Zeit gehabt. Außer der Präsidentschaft bei den „Aehnze Kähls“ gründete er
noch die Vereinigung „Bütt 1911 e.V.“. Er war im Karneval auch nicht nur
Funktionär, sondern schrieb auch selber Karnevalslieder und Gedichte, die er
auch selber vortrug. Aber damit nicht genug, er war auch noch Präsident des
Kölner Männergesangsvereins und auch Schriftführer des „Verein zur Förderung
der Luftschifffahrt“ [2,5].
In der Folgezeit wurden einige Anzeigen geschaltet, aber alle
ohne Betreiberangabe.
Im November 1904 ereignete sich folgendes am Eigelstein 123,
zwar ohne Bezug zum Stavenbräu, aber kurios:
[1, 15.11.1904] „…Städtische Nachrichten. Köln 15. November.
Schon wieder erregt ein Mordversuch und Selbstmord die Gemüter in der Stadt.
Gestern vormittag versuchte der gewerbslose Josef Lambrichs, Lübecker Straße
11, die Frau eines auf dem Eigelstein 123 wohnenden Postschaffners zu töten.
Der Mensch feuerte aus einem Revolver drei scharfe Schüsse auf die Frau ab.
Alle drei Kugeln prallten aber an den Korsettstangen ab und so blieb die
Frau glücklicherweise vollständig unverletzt. Der Mordbube begab sich dann
in die Wohnung eines andern Hausbewohners und erschoß sich dort. Die Leiche
des Selbstmörders wurde zum Nordfriedhof gebracht…“
Im Dezember 1904 wechselte die Geschäftsführung der
Stavenbräu GmbH. Anstelle des bisherigen Geschäftsführers Josef Creischer
übernahm Josef Hirsch den Posten.
[1, 22.12.1904] „…Unter Nr. 486 bei der Gesellschaft mit
beschränkter Haftung unter der Firma: „Stavenbräu, Gesellschaft mit
beschränkter Haftung“, Cöln. Durch Gesellschafterbeschluß vom 3. Dezember
1904 ist die Vertretungsbefugnis des Josef Creischer beendigt und Kaufmann
Josef Hirsch zu Cöln zum Geschäftsführer bestellt…“
Über Josef Hirsch ist nicht viel bekannt, in der Ankündigung
wird er als „Kaufmann zu Cöln“ bezeichnet. Im August 1906 wird der Ehefrau
von Josef Hirsch Prokura erteilt, klingt schon etwas nach Klüngel.
[1, 23.08.1906] „…In das Handelregister ist am 17. August
1906 eingetragen: Unter Nr. 486 bei der Gesellschaft unter der Firma: "Stavenbräu
Gesellschaft mit beschränkter Haftung", Cöln. Der Ehefrau Josef Hirsch,
Henriette geb. Hofmann in Cöln ist Prokra in der Weise erteilt, daß dieselbe
auch befugt ist, der Gesellschaft gehörige Grundstücke zu veräußern und zu
belasten…“
Als dann im Jahr 1907 Josef Hirsch verstarb, wurde seine Frau
an seiner Stelle zur Geschäftsführerin ernannt.
[1, 12.07.1907] „…Unter Nr. 486 bei der Gesellschaft unter
der Firma: „Stavenbräu, Gesellschaft mit beschränkter Haftung“, Cöln. Der
Geschäftsführer Josef Hirsch ist gestorben. Ehefrau Henriette Hirsch geb.
Hofmann in Cöln ist durch Gesellschafterbeschluß vom 28.Juni 1907 als
Geschäftsführerin bestellt. Die Prokura derselben ist erloschen…“
Dies half aber nicht mehr viel, nur einen Monat später wurde
das Konkursverfahren über die Stavenbräu GmbH eröffnet.
[1, 27.08.1907] „…Konkurseröffnung. Ueber das Vermögen der
Handelsgesellschaft unter der Firma "Stavenbräu", Gesellschaft mit
beschränkter Haftung" zu Cöln, Eigelstein Nr. 121, 123, ist am 22. August
1907, nachmittags 12 3/4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet worden.
Verwalter ist der Rechtsanwalt Dr. Gaul II in Cöln. Offener Arrest mit
Anzeigefrist bis zum 10. Oktober 1907. Ablauf der Anmeldefrist an demselben
Tage. Erste Gläubigerversammlung am 21. September 1907 vormittags 11 Uhr an
hieisger Gersichtsstelle, Glockengasse 9, Hinterhaus, links, I. Etage,
Zimmer Nr. 28. Cöln, den 22. August 1907…“
Die Gründe für den Konkurs lagen an fehlender
Wirtschaftlichkeit und zu hohen Schulden. Bei Gründung der GmbH vier Jahre
zuvor betrug die Summe der Hypotheken schon 267.000 Mark und die
wirtschaftliche Lage hatte sich noch verschlechtert. Nur eine Woche später
wurde die Zwangsversteigerung der Brauerei bekannt gemacht.
[5, 07.09.1907] „…Zwangsversteigerung. Im Wege der
Zwangsvollstreckung sollen die in Cöln gelegenen, im Grundbuche von Cöln=Altstadt,
Band 288, Blatt 11 485, auf den Namen der Stavenbräu=Gesellschaft m. b. H.
zu Cöln eingetragenen Grundstücke:
1. Flur 26, Parzelle 886/396, Eigelstein 121, Hofraum, Wohnhaus mit Anbau
und Hofraum, Nutzungswert 3300 Mark, Hinterhaus, Nutzungswert 750 Mark, groß
2,82 Ar,
2. Flur 26, Parzelle 903/397, Eigelstein 123, Hofraum, worauf Wohnhaus mit
Anbau und Hofraum, Nutzungswert 6600 Mark, groß 3,53 Ar,
am 8. November 1907, vormittags 10¼ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht—
an der Gerichtsstelle— Cöln, Justizgebäude, Sitzungssaal I, Erdgeschoß,
Portal I, links, versteigert werden. Königliches Amtsgericht, Abteil. 112,
Cöln..."
Peter König ersteigerte die Brauerei, renovierte sie und
eröffnete im März 1908 seine in „Zum Kölsche Boor“ umbenannte Brauerei am
Eigelstein 121-123.
[5, 24.12.1907] „…Besitzwechsel. Die Brauerei Stavenbräu am
Eigelstein ging durch Kauf in den Besitz des Hrn. Peter König aus Düren
über. Sie soll ganz renoviert und demnächst wieder eröffnet werden…“
Die Abwicklung des Konkurses zog sich noch über Jahre hin. Im Mai
1910 sollte die Schlussverteilung der Konkursmasse erfolgen. Die
Konkursmasse enthielt sagenhafte 7329 Mark und 22 Pfennig und stand
ausstehenden Forderungen von 116.830 Mark gegenüber [1].
Im Jahr 1911 wurde die Liquidation wiedereröffnet [1]. Als
Liquidator wurde Eduard Röhrle eingesetzt, der zu dieser Zeit in der
Führungsetage des Gereonsbräu tätig war . Im Frühjahr 1912 war
dann endgültig Schluss, die Firma „Stavenbräu GmbH“ wurde aus dem
Handelsregister gelöscht.
(W055) [5, 28.06.1903]
Erste bekannte Anzeige des Stavenbräu unter der Firmierung als GmbH aus Juni
1903. Unterzeichnet ist mit "Bachem", vermutlich der Betreiber der
Restauration
(W001) [5, 29.11.1903]
Anzeige des Stavenbräu mit Angabe "Josef Rohé" aus November 1903
(W004) [5, 11.06.1892]
Anzeige des "Verein zur Förderung der Luftschifffahrt" aus dem Jahr 1892.
Schriftführer des Vereins war Joseph Rohé
(W003) [5, 17.01.1897]
Anzeige der Karnevalsgesellschaft "Närrische Genossen" aus dem Jahr 1897.
Präsident der Gesellschaft war Josef Rohé
(W002) [5, 21.01.1910]
Anzeige der Karnevalsgesellschaft "Aehnze Kähls" aus dem Jahr 1910.
Präsident der Gesellschaft war Josef Rohé
(W050) [13.02.1904]
Anzeige des Stavenbräu aus Februar 1904 ohne Betreiberangabe
(W051) [14.02.1904]
Anzeige des Stavenbräu aus Februar 1904 ohne Betreiberangabe
(W052) [27.02.1904]
Anzeige des Stavenbräu aus Februar 1904 ohne Betreiberangabe
(W053) [5, 10.11.1905]
Die ehemalige Rheinische Pensions-Kasse trifft sich zu einer Besprechung im
Stavenbräu. Anzeige aus dem Jahr 1905
(W054) [5, 07.09.1907]
Ankündigung der Zwangsversteigerung des Stavenbräu. Anzeige aus September
1907
Übersicht der Firmierungen
Zeitraum
Firmierung
Anmerkung
1874-1879
Brauerei Stavenbräu, Arnold Brentjes
Eigelstein 121-123
1879-1903
Brauerei Stavenbräu, Albert Odenthal
1903-1907
Brauerei Stavenbräu Gesellschaft mit beschränkter
Haftung
Anmerkungen
•
Das Stavenbräu war nicht nur Stammlokal der "Aehnze
Kähls" sondern auch der "Greesberger", einer der
bekanntesten Kölner Karnevals-Gesellschaften.
•
Vom Stavenbräu sind keinerlei Brauereiwerbemittel wie
Postkarten, Bierdeckel oder Gläser bekannt.
"Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka,
Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von
Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
4
"Prosit Colonia: Die vergessenen und unvergessenen
Brauereien, Bier- und Brauhäuser Kölns", Autor: Franz Mathar, Greven
Verlag, 1999